Haven Brotherhood: Rough & Tumble

Originaltitel: Rough & Tumble
Übersetzer: Nina Bellem

Erscheint: 09/2018
Serie: Haven Brotherhood
Teil der Serie: 1

Genre: Contemporary Romance, Dark Erotica
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung

Location: USA, Texas, Dallas


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-348-4
ebook: 978-3-86495-349-1

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Haven Brotherhood: Rough & Tumble


Inhaltsangabe

Hart leben, härter f*cken und ausschließlich den eigenen Regeln folgen: Dies sind die drei Prinzipien, an die sich die sechs Männer der Haven-Bruderschaft stets halten. Sie weigern sich, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, und nehmen sich stattdessen, was und wen sie wollen.

Der erfolgreiche Unternehmer Jace Kennedy bekommt stets das, was er will. Vom ersten Moment an, in dem er Vivienne Moores verborgene wilde Seite entdeckt, ist ihm klar, dass sie die Richtige für ihn ist – sofern er die unterdrückte Leidenschaft in ihr befreien kann. Er wird Vivienne bekommen. Egal wie!

Vivienne hat das raue Leben, in dem sie aufgewachsen ist, hinter sich gelassen. Dass sie ihre partywütige Schwester aus einem Club herauszerren muss, entspricht nicht ihrer Vorstellung einer idealen Silvesternacht. Viviennes Plan ist, ihre Schwester zu schnappen, aus dem Club zu marschieren und schnell in ihr sicheres, beständiges Leben zurückzukehren. Doch in dem Moment, in dem sie in den knallharten und gefährlich sexy Besitzer des Clubs rennt, fallen ihre Pläne in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Jace Kennedy entspricht allem, was Vivienne zuwider ist. Aber je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto klarer wird ihr, dass er genauso leidenschaftlich liebt wie er kämpft. Er ist stolz darauf, wer er ist und woher er kommt, und er wird verdammt sein, wenn er Vivienne gehen lässt, bevor er ihr nicht gezeigt hat, dass der sicherste Platz für sie in den Armen eines gefährlichen Mannes ist …

"'Rough & Tumble' von Rhenna Morgan wird euer Herz wärmen und eure Höschen schmelzen lassen." - New York Times-Bestsellerautorin Audrey Carlan ("Calendar Girl"-Serie) 

Über die Autorin

Die aus Oklahoma stammende Mutter zweier hübscher Töchtern ist attestierte Liebesromansüchtige. Ihr bisheriger Lebenslauf spiegelt ihre Leidenschaft für alles Neue wider: Rhenna Morgan arbeitete u.a. als Immobilienmaklerin, Projektmanagerin sowie beim Radio.

Wie bei den meisten Frauen ist ihr Alltag von morgens...

Weitere Teile der Haven Brotherhood Serie

Leseprobe

Gelächter und eine stickige Rauchwolke strömten pilzartig aus der Ecksitzgruppe.
Die Gespräche verstummten in dem Moment, da Viv den Tisch erreichte. Drei Kerle, zwei junge Frauen und der Gestank von Acapulco Red – aber keine Schwester. „Habt ihr Callie gesehen?“
Ein schlaksiger Mann mit wilden, blonden Locken betrachtete sie unter seinen schweren Augenlidern hervor und grinste breit, nicht einmal darum bemüht, den noch glimmenden Joint zu verbergen. „Was geht?“
Die Rothaarige, die sich an ihn schmiegte, gab ihm einen Klaps auf die Schulter und grummelte. „Sie sucht nach Callie, Mac. Und nicht nach einem nächtlichen Gespräch.“ Sie reichte Viv einen...

...offenen Bierdeckel über den Tisch. „Vor ungefähr zehn Minuten ist sie auf die Toilette gegangen, aber vergiss das hier nicht. Das letzte Mal hat sie mich auf der Rechnung sitzen lassen.“
Achtundsiebzig Dollar. Für Silvester keine große Summe, was verdammt gut war, wenn man Vivs Kontostand bedachte. Sie steckte den Bierdeckel in ihre Tasche. „Wo geht’s zu den Toiletten?“
Die Frau deutete zu einem dunklen Flur. „Am Ende des Ganges auf der linken Seite.“
Viv marschierte in die Richtung, ohne sich um weitere Höflichkeiten zu kümmern. Die Chancen standen gut, dass sie sie bis zum nächsten Morgen wieder vergessen hätten, wenn nicht gar schon in fünf Minuten.
In dem Korridor verhallte das ständige Dröhnen und Gelächter zu einem leisen Hintergrundgeräusch. Zwei finster dreinblickende Damen stolzierten Richtung Bar an ihr vorbei. Eine warf Viv einen Schulterblick zu und schüttelte den Kopf. „Kannst lieber gleich auf die Toilette vorne gehen. Die ist besetzt, und es klingt nicht so, als würde sie so bald wieder frei werden.“
Scheiße. Das konnte ja was werden. Sie rüttelte am Türknauf. „Callie?“
Bei Gott, sie hoffte, dass ihre Schwester da drin war. Bei ihrem Glück platzte sie sonst direkt in einen Silvester-Quickie hinein. Obwohl, falls es so wäre, machten sie definitiv was verkehrt, denn es war viel zu still. Sie drehte erneut am Türknauf und klopfte an die Tür. „Callie, hier ist Viv. Mach auf.“
Noch immer keine Antwort.
Zur Hölle nochmal. Sie hämmerte gegen die Tür und entließ einen guten alten Angepisste-Schwester-Schrei. „Callie, verdammt nochmal, öffne die verdammte Tür! Ich will nach Hause.“
Ein wenig vielversprechendes Grunzen ertönte aus dem Inneren, eine Sekunde bevor sich die Tür zu ihrer Rechten, mit der Aufschrift „Büro“ weit öffnete. Ein großer Adonis in Jeans und einem T-Shirt, auf dem das trendige Logo von „The Den“ prangte, blockierte die Tür. Er hatte himmelblaue Augen, deren Blick so klar war, wie es nach ein Uhr in der Früh eigentlich nicht mehr möglich sein durfte.
Zwei weitere Männer füllten den Raum hinter ihm, einer mit freiem Oberkörper, der beide Arme auf einen Tisch gestützt hatte, und der andere, der sich zu ihm hinunterbeugte und seine Schulter inspizierte. Halt, er inspizierte sie nicht, er nähte sie, was auch das stark blutbefleckte Shirt auf dem Boden erklärte.
„Es gibt vorne noch mehr Toiletten. Kein Grund die verdammte Tür einzutreten.“ Der Adonis-Mann bewegte sich auf sie zu, wobei sein Fokus immer wieder zwischen ihr und der Tür hin und her sprang. „Gibt’s ein Problem?“
Großer Gott, jetzt, da der Adonis beiseitegetreten war, war der halbnackte Kerl in seiner ganzen, mundbewässernden Pracht zu sehen, und er war Bilderbuchfreund und jede unanständige Fantasie in einem. Der Körper eines Wrestlers, nicht zu breit und nicht zu schlank, aber hundert Prozent fest. Ein großes Tattoo bedeckte seinen Rücken, es zeigte einen knorrigen, alten Baum, mit einem in das Design eingearbeiteten Kompass. Und sein Hintern. Oh verdammt, dieser Hintern war jede Stunde Folter, die ihr heute Nacht bevorstand, wert. Das Einzige, was noch besser wäre, als ihn in stark ausgebleichten Jeans zu sehen, wäre, ihn nackt betrachten zu können.
„Hey“, sagte Adonis. „Willst du meinen Bruder die ganze Nacht begaffen, oder verrätst du mir, warum du eine meiner Türen einschlagen willst?“
Sie waren Brüder? Niemals. Adonis war ganz … nun, Adonis. Der andere Kerl war groß, dunkel und ein bisschen schmutzig.
Traummann warf einen Blick über seine verletzte Schulter. Ein durchdringender, fast schon wütender Blick, heftete sich auf sie, fast so düster wie sein fast schwarzes Haar. Einige seiner dunklen Locken waren seinem Pferdeschwanz entkommen und hingen ihm in die Stirn. Sein kurz geschorener Bart verpasste ihm ein durchtriebenes, fast schon tödliches Etwas, das vermutlich die meisten Leute auf Abstand hielt, aber seine Lippen könnten die Hälfte der Frauen in Texas in die Hölle locken, wenn es nur bedeutete, dass sie eine Kostprobe davon bekämen.
Viv schüttelte den Kopf und räusperte sich, während sie ihren Verstand wieder aus Schmutzhausen zerrte. „Ähm …“ Ihr Herz hämmerte so wild, dass sie dachte, ihr Kopf würde von den Schultern abheben, und ihre Zunge war so trocken, dass sie nicht richtig funktionierte. „Ich glaube, meine Schwester ist da drin ohnmächtig geworden. Ich will sie nur da rausholen.“
Adonis klopfte an die Tür und rüttelte deutlich stärker an dem Türknauf als Viv zuvor. „Zeke, wirf mir die Schlüssel von meinem Tisch zu.“
Bevor sich auch nur einer der Männer rühren konnte, wurde die Tür aufgeschlossen und wenige Zentimeter weit geöffnet. „Vivie?“ Callies mascaraverschmiertes Gesicht tauchte eine Sekunde im Türspalt auf, bevor sie wieder geschlossen wurde.
Monate der Übung machten sich bemerkbar und Viv schnellte nach vorn, öffnete die Tür einen Spalt und schlüpfte hindurch. „Von hier an komme ich klar. Gib mir eine Minute, um sie sauber zu machen und ihre Sachen zusammenzupacken.“
Adonis blockierte die Tür mich einem Fuß. Das Paar glatter, modischer Paar Cowboystiefel kostete vermutlich mehr als eine Hypothekenrate, was unanständig wirkte, wenn man bedachte, dass sie ihre nächste Rate kaum würde zahlen können. „Brauchst du sicher keine Hilfe?“
„Nö.“ Sie nahm ein paar Papierhandtücher aus dem Spender und befeuchtete sie, während sie ein Auge auf Callie gerichtet hielt, die gegen die Wand gelehnt wegdämmerte. „Wir machen das nicht zum ersten Mal. Ich brauche nur ein paar Minuten und einen freien Weg.“
„Na schön. Ich bin Trevor, falls du mich brauchst. Du weißt ja, wo du uns findest, falls du deine Meinung änderst.“ Er zog seinen Stiefel zurück und schüttelte grinsend den Kopf.
„Oh!“ Viv fing die Tür gerade noch auf, bevor sie ins Schloss fiel und fischte den Bierdeckel aus ihrer Tasche. „Meine Schwester hatte einen Deckel. Kannst du den für mich abrechnen lassen und ich bezahle ihn, nachdem ich sie ins Auto geschafft habe? Ich muss erst meine Handtasche holen.“
Er drehte sich um, taxierte Callie und zerknüllte den Bierdeckel. „Ich denke, du hast für heute schon genug bezahlt.“ Er wandte sich wieder dem Büro zu. „Sagen wir, wir sind quitt.“
Traummann verharrte noch immer an Ort und Stelle und starrte über die Schulter. Sein Blick war so kraftvoll wie das Knistern und Summen nach einem nahen Blitzschlag.
Sie stolperte in den Waschraum zurück und verschloss die Tür, wobei ihr Herz sofort wieder so zu rasen begann, wie in dem Moment, als er sie das erste Mal angesehen hatte. Sie musste wirklich mal ihren Männergeschmack in den Griff bekommen. Gebildete Männer im Anzug waren eine viel bessere Wahl. Mit Manieren und tiefgreifenden Gesprächen. Keine blutigen T-Shirts, verrauchte Kneipen und höschen-verbrennendes Lächeln.
Als sie sich Callies Handtasche von dem Waschtisch nahm, entließ sie einen abgehackten Atemzug, wrang das nasse Handtuch aus und wischte ihrer Schwester die schwarzen Striemen von der Wange. Ein Mann wie er wäre an ihr ohnehin nicht interessiert. Zumindest nicht ihrem neuen und verbesserten Typ. Und die Chancen, dass sie sich in einer Stadt wie Dallas erneut über den Weg liefen, waren mehr als gering, also konnte sie ihre schmutzigen Gedanken auch ins rechte Licht rücken und loslassen.
Auf der Habenseite stand, dass sie sich keine Sorgen um die Rechnung machen musste. Plus, sie hatte einen neuen Star für ihre Fantasie und das nächste nächtliche Rendezvous mit BOB, ihrem batteriebetriebenen Orgasmus-Boyfriend.

Wenn das nicht mal die problematischste Neujahrsnacht in der Geschichte gewesen war. Es war nicht Jace‘ erste Stichverletzung, aber, dass er sie sich dabei eingefangen hatte, als er versuchte, zwei hitzköpfige, zugedröhnte Drogendealer voneinander zu trennen, versprach weitere Probleme, die er nicht gebrauchen konnte. Addierte man die beiden Kunden, die in seinem eigenen Club, dem Crossroads, innerhalb von drei Tagen verhaftet worden waren und die Dauerbesuche der Cops im The Den, kam heraus, dass sein Silvester nicht gerade spitze war.
Gottseidank hatte sein Bruder Zeke heute keinen Notdienst, sonst hätte Trev ihn zusammenflicken müssen. Der Wichser hätte sein Tattoo völlig versaut.
„Hast du‘s bald?“, fragte Jace.
Zeke platzierte einen letzten Streifen Tape und warf die Rolle auf den Tisch. „Jetzt, ja.“
„Hat ja lange genug gedauert.“ Jace erhob sich, steckte den Zahnstocher, den er zwischen den Fingern gehalten hatte, wieder in den Mund und rollte mit der Schulter. Die Wunde spannte und tropfte wie ein Hurensohn, aber es war nicht schlimm genug, um ihn bei seiner alltäglichen Scheiße zu behindern – vorausgesetzt, er hatte keine weitere Begegnung mit Drogendealern.
„Ich weiß nicht. Unsere spießige Partymaus schien nichts dagegen zu haben, dass ich mir Zeit lasse.“ Zeke packte seine Sachen in einen verschließbaren Schrank. Es war das gleiche Erste-Hilfe-Set, das sie in all ihren Geschäften aufbewahrten. Es war vielleicht zu gut ausgestattet, aber es war allemal besser als die Notaufnahme oder dämliche Unterhaltungen mit der Polizei. „Für eine Minute habe ich schon befürchtet, das süße kleine Ding könnte explodieren.“
„Süßes Ding am Arsch.“ Trevor ließ sich in seinen Bürostuhl fallen und legte die Füße samt Stiefel auf eine Ecke des Schreibtischs und packte die Fernbedienung für die Sicherheitskameras an den Wänden. „Ich wette meine neue G6, dass die Frau ein Rückgrat aus Titan besitzt und Gedanken hat, die eure Ärsche verknoten würden.“
Jace nahm sich ein frisches weißes Club-T-Shirt aus Trevs Eröffnungsinventar und stülpte es sich über den Kopf, wobei die Wunde in seiner Schulter die ganze Zeit aufschrie. „Was bringt dich zu der Ansicht? Ihre Gerichtsaufmachung oder die strenge Frisur?“
„Als würde ich Leute nach ihren Klamotten beurteilen. Du solltest mich besser kennen.“ Trev drückte ein paar Knöpfe, hielt lange genug inne, um den neuen Barkeeper zu beobachten, der gerade eine Bestellung in die Kasse tippte, und legte die Fernbedienung dann auf den Tisch. „Was fragst du mich, du urteilst hier doch. Wer im Glashaus sitzt, sollte lieber nicht mit Steinen werfen.“
Die Bemerkung traf ins Schwarze, ließ das Gewicht der Haven-Tags ein wenig schwerer werden, eine Erinnerung an ihre Bruderschaft und den Codex, nach dem sie lebten.
Es zählt nicht, woher ein Mann kommt, oder was er trägt. Was zählt, ist, was er aus seinem Leben macht.
Siebenundzwanzig Jahre hatten Axel und er nach diesem Mantra gelebt und sich selbst aus der Wohnwagensiedlung gezogen und in eine Bruderschaft hinein, die nur der Tod brechen könnte.
„Er hat recht“, sagte Zeke. „Du lässt zu, dass Pauls Kampagne dir in den Arsch kriecht und dich vom Kurs abbringt.“
Verdammt, er hasste es, wenn man ihm seine eigenen Mantras ins Gesicht rieb. Und noch mehr, wenn er es verdiente. Er entließ ein erschöpftes Schnaufen und sank auf die Ledercouch, betrachtete die Bildschirmreihe. „Spiel es nochmal.“
Trevor schüttelte den Kopf, navigierte aber dennoch durch das Menü auf dem Bildschirm.
„Keine Ahnung, warum du dir das antust, Kumpel.“ Zeke holte drei Flaschen mexikanisches Bier aus dem Edelstahl-Minikühlschrank unter der Bar und öffnete sie schneller als jeder Barkeeper. Er hatte damit während seines Medizinstudiums weiß Gott genug Erfahrung gesammelt. „Paul ist ein schmollender Politiker, sonst nichts. Das nochmal anzusehen, schadet dir nur selbst. Konzentriere dich auf das wirkliche Problem.“
Jace nahm das Bier, das Zeke ihm anbot, als die Story der Zehn-Uhr-Nachrichten über den Bildschirm flackerte. Die Drittbesetzung einer Reporterin mit viel zu breitem Lächeln und viel zu billiger Frisur schrie förmlich von einer Frau ohne jegliche Erfahrung, aber mit dem Willen sich einen Platz als Hauptsprecherin zu ergattern.
„Dallas’ angesagter Club, das Crossroads, ist wieder einmal in den Schlagzeilen, da dieses Silvester zwei weitere Stammgäste mit dem Verdacht auf Drogenbesitz und Drogenhandel verhaftet wurden. Die verdeckten Ermittler der Polizei geben noch keine Namen preis, aber es wird vermutet, dass beide zu einem Drogenring gehören, der von Hugo Moreno geleitet wird, einem in vielen nordöstlichen texanischen Landstrichen berüchtigten Dealer, der einige der gefährlichsten Substanzen auf der Straße vertreibt.“
„Damit hat sie nicht unrecht.“ Zeke ließ sich am anderen Ende der Couch nieder und deutete mit seiner Bierflasche in Richtung Bildschirm. „Die Zahl der Überdosen zwischen Baylor und Methodist sind in den letzten sechs Monaten durch die Decke gegangen. Die Leute vom Dallas Police Department sind sich sicher, dass die meisten durch eine Designerdroge aus Morenos Labors verursacht werden.“
Trevor lehnte sich zu ihnen rüber und pflanzte seine Ellbogen auf die Tischplatte, während er Jace ansah. „Glaubst du Otter hält lange genug durch, um Moreno aufzulauern?“
Wenn Jace das wüsste, wäre er weniger nervös und hätte einen Schnitt weniger in der Schulter. Ein pharmazeutisches Genie mit einem anderen aus dem Club zu drängen, war bestenfalls ein riskantes Manöver, aber es war verdammt noch mal besser, als Moreno auf eigene Faust zu verdrängen. „Otter ist ein guter Mann, mit einem kühlen Kopf auf seinen Schultern und einem starken Team. Wenn er sagt, dass er nur Gras im Club zulässt und Hugo in Schach hält, bekommt er von mir all die Unterstützung, die er braucht. Die Bullen werden sicher nicht hilfreich sein. Jedenfalls nicht die, die Paul in der Tasche hat.“
„Paul hat keine Taschen“, sagte Trev. „Nur sein Vater.“
Wie aufs Stichwort wechselte das Bild zu einem Interview mit Paul Renner. Die Reporter hatten ihn gerade abgepasst, als er eine Wahlkampf-Spendengala verließ.
„Stadtrat Renner, bei ihren Wahlkampfauftritten für den Kongress betonen sie immer wieder, dass Sie die Bemühungen des DPD im Kampf gegen die Drogenkriminalität unterstützen, und haben entsprechende Clubs, wie das Crossroads in der Innenstadt, öffentlich angeprangert. Haben Sie von den weiteren Verhaftungen dort im Zusammenhang mit Drogen heute Abend gehört und was ist Ihr Kommentar?“
Renner blickte betroffen zu Boden, das perfekte Abbild von Besorgnis und Enttäuschung. Als hätte der Wichser nicht schon versucht, Leute zu ficken, seit er zum ersten Mal aus der Kinderkrippe gekrabbelt war.
„Meine Besorgnis über solche Clubs, wie sie von Jace Kennedy und Konsorten geführt werden, wächst“, sagte Renner. „Es scheint, als würden sie andauernd der Gerechtigkeit entgehen und ihre verruchten Läden behalten. Am Ende zahlen unschuldige Bürger den Preis, umgarnt von niederträchtigen Individuen, die mit gefährlichen Substanzen und ihrem amoralischen Verhalten hausieren. Mein oberstes Ziel, sollte ich gewählt werden, ist eine Gesetzgebung zu verabschieden, die es für Männer wie Mr Kennedy und Mr Moreno schwierig macht, sich der Gerechtigkeit zu entziehen.“
Der Zahnstocher zwischen Jace’ Zähnen brach in zwei Hälften. Er warf ihn auf den Couchtisch und zog einen weiteren aus der Jackentasche.
„Jetzt ist es offiziell.“ Trevor hob sein Bier zum Gruß und tippte sich an den Kopf. „Du bist ein unmoralischer Bastard, der unschuldige Bürger in den Ruin treibt.“
In einem der kleineren Überwachungsbildschirme flackerte eine Bewegung auf. Die Toilettentür vor Trevors Büro öffnete sich weit genug, um die kleine Miss und ihre ziemlich betrunkene Schwester in bester Pingpong Manier den Gang entlang torkeln zu lassen. Die beiden waren gleich groß, aber man hätte die beiden nicht unterschiedlicher anziehen können. Die Schwester der kleinen Miss war bestenfalls für eine Bikerkneipe zurechtgemacht, Titten, Arsch und wackelige Stöckelschuhe. Sie war nicht hässlich. Ihr fehlte nur die natürliche, gesetzte Anmut der Nüchternen.
Verdammt, er musste sich zurückhalten. Oder flachgelegt werden. Allein der Blick auf den Arsch der kleinen Miss, in den engen Hosen, brachte ihn dazu, wie ein Verrückter an Sex zu denken. Dabei bedachte er noch nicht einmal das Rätsel, das sie bot. Trev hatte Recht – sie hatte eine Wagenladung Rückgrat, die feurig aus ihren Rehaugen schien. Die Kombination passte nicht zu ihrem Bild. Nichts brachte ihn so gut in Stimmung wie ein Rätsel.
„Scheint, als hätten wir einen Weg gefunden, ihn von Renner abzulenken.“ Zeke schüttete einen weiteren Schluck Bier hinunter.
„Was?“ Er warf seinen beiden Brüdern abwechselnd Blicke zu.
Trevor kicherte leise und änderte die Darstellung der Videos so, dass die Wanderung der kleinen Miss zur Bar in Großaufnahme gezeigt wurde. „Zeke sagte, das einzig Unmoralische, was du gemacht hast, war die Freakshow, die du mit Kat und Darcy beim letztmonatigen Barbecue angezogen hast.“
„Fick dich, Trev.“
„Fick sie, meinst du wohl“, sagte Trev. „Ist keine Schande, Bruder. Du hast sie nicht einmal aus der Nähe betrachtet. Hättest du das, würdest du sicher nicht hier rumsitzen und dir Tonfetzen von diesem Arschloch Renner anhören.“
„Auf keinen Fall“, sagte Jace. „Eine so verklemmte Frau ist das Letzte, was ich brauche. Oder hast du nicht bemerkt wie sie Zeke gemustert hat, während er meine Schulter zusammengeflickt hat, oder das blutige Shirt am Boden? Du kannst von Glück reden, wenn die Bullen nicht einen anonymen Tipp bekommen und hier antanzen.“
Die kleine Miss und ihre Schwester stolperten in den Frontbereich der Bar, die Schwester hatte den Arm auf eine Weise um den Nacken der kleinen Miss gelegt, dass man sicher davon ausgehen konnte, dass es noch am nächsten Tag schmerzen würde.
Nein. Süße Hüften, feuriger Blick und eine gute Dosis Geheimnis oder nicht, sie war das Letzte, das er gerade brauchte.
Zwei Männer stellten sich der kleinen Miss in den Weg.
Die Frauen hielten an und die betrunkene Schwester schwankte so stark, es war ein Wunder, dass sie nicht auf den Tisch neben sich stürzte.
Einer der Männer legte eine Hand auf den Nacken der kleinen Miss und sie schrak zurück.
Jace sprang auf die Füße, nahm seine Lederjacke vom Tisch. „Ich fahre nach Haven. Falls ihr mehr von Axel im Crossroads hört, oder euch die Bullen weiter Ärger machen, lasst es mich wissen.“
Beide Männer lachten laut auf und winkten ihm zum Abschied.
„Zwanzig Dollar, dass unser hochgeschlossener Gast ein wenig Hilfe auf ihrem Weg zur Tür bekommt“, sagte Trev.
Zeke stimmte hinter ihm mit ein. „Ja, lass uns wissen, ob der Knackarsch so gut schmeckt, wie er aussieht.“
Bastarde. Traurigerweise würde Trev einen Zwanziger von Zeke bekommen, denn Jace war zwar nicht gewillt, mit der kleinen Miss rumzumachen, aber er würde nicht zulassen, dass andere Männer sie betatschten.

Viv hielt Callies Taille fester umfasst und schüttelte den nicht ganz so schüchternen Griff des Mannes von ihrem Nacken ab. Seine Größe allein hätte schon ausgereicht, um ihn höchst einschüchternd wirken zu lassen, aber zusammen mit seinem rasierten Kopf und den Lederklamotten, wirkte er noch einmal doppelt so furchteinflößend. „Ich weiß das Angebot zu schätzen, aber wir brauchen nichts.“
„Ah, komm schon, Schätzchen.“ Er kam näher und warf seinem Partner ein schnelles verschwörerisches Grinsen zu. Sein Partner war ein sehr viel kleinerer Mann, der offensichtlich das struppige Haar wiedergefunden hatte, dass die Bowlingkugel vor ihr verloren hatte. „Wir versuchen nur zu helfen. Man kann so ein hübsches Ding wie dich doch um diese Zeit nicht mehr allein auf der Straße herumlaufen lassen.“
Dumme, dickköpfige Männer. Eine Sache an Typen, die einen harten Lebensstil pflegten, war, dass für sie das Wort nein immer nur ein schüchternes vielleicht bedeutete. Sie täuschte, so gut sie konnte, ein unschuldiges Lächeln vor, während Callie drohte, sie zu erwürgen. „Na ja, bevor ich auf dieses Angebot eingehe, sollte ich dich warnen, dass Callie in fünf Minuten wahrscheinlich alles und jeden in einem Umkreis von einem halben Meter vollkotzen wird. Und da ich direkt neben ihr stehe, bedeutet das wohl, ich bin alles und jeder. Willst du mir immer noch helfen?“
Dieser Stimmungskiller funktionierte besser, als sie erwartet hatte. Das geile Funkeln in den Augen der Männer verschwand schneller, als die Menschen an dem Tisch hinter ihnen ihre Shots herunterstürzen konnten. Der große Typ trat einen Schritt zurück und winkte sie ohne ein weiteres Wort durch.
Halb lachend, halb schnaubend, beugte Viv sich für die nächsten Schritte vor, um ein wenig mehr Schwung zu bekommen.
Callie stolperte näher und kuschelte sich an Viv. Ihre Worte waren nur noch ein betrunkenes, verschlafenes Lallen. „Danke, dass du mich holen kommst, Vivie.“ Der Geruch von Tequila und anderen Dingen, über die sie nicht weiter nachdenken wollte, schoss Viv durch die Nase und ließ auch den letzten Rest des Snacks, den sie sich auf der Neujahrsfeier gemopst hatte, verschwinden. „Du bist eine gute Schwester. Ich kann immer auf dich zählen.“
Ein unangenehmer Stich fuhr durch sie hindurch und die Erinnerungen an eine leere Wohnung, in der eigentlich Mom und Dad hätten sein sollen, schlugen plötzlich über ihr zusammen. In einer Familie sollte man füreinander da sein. Man sollte sich gegenseitig lieben und sich den Rücken freihalten, und einander nicht allein lassen, so dass jeder sich allein durchs Leben schlagen muss. „Ja, Callie. Ich bin da. Immer.“
Der Türsteher, der sie hereingelassen hatte, warf einen Blick auf ihre Schwester und trat aus der Gefahrenzone, für den Fall, dass sie sich übergab. „Wie ich sehe, hast du dein Mädchen gefunden.“
„Das habe ich, danke.“ Sie drückte die Eingangstür mit der Schulter auf und stützte Callie, als die mit einem wackligen Fuß auf den Gehweg trat. Noch ein wenig weiter und sie könnte endlich wieder heim, oder zumindest irgendwo sein, wo sie den Rest der Nacht barfuß und in einer bequemen Jogginghose verbringen konnte.
Hinter ihr wurde die Tür der Bar aufgerissen, ein paar Gäste, die sich davor gedrängt hatten, riefen dem Neuankömmling Gute Nacht zu und wünschten ihm ein frohes neues Jahr.
Viv betrat die Elm Street, Callie noch immer an ihre Hüfte gedrückt.
Plötzlich torkelte Callie und winkte jemandem auf der anderen Seite der Straße zu. „Stephanie!“ Dieser unerwartete Freudentanz brachte sie beide aus dem Gleichgewicht. Callie packte Vivs Haar in dem Versuch, nicht umzukippen, aber bevor sie zur Seite auswich, riss sie noch an Vivs Hals.
Viv stolperte, ihre Absätze klapperten über den Asphalt und mit den Armen suchte sie nach Halt.
Callie schlug mit dem Kopf auf dem Bordstein auf.
Viv machte sich auf ihren eigenen Sturz gefasst, aber starke Arme fingen sie auf und ihre Rücke wurde an eine warme, starke Brust gepresst, und landete nicht auf schmerzhafte Weise auf dem Asphalt, wie sie es eigentlich erwartet hatte.
Hinter ihr ertönte eine tiefe, grollende Stimme. „Hol Zeke und Trevor. Und sieh nach, ob Danny auch noch da ist.“
Sie klammerte sich an die mit Leder bedeckten Arme um ihre Taille und kämpfte darum, wieder zu Atem zu kommen.
Der Türsteher rannte auf die Straße und kniete sich neben Callie. Sanft hob er ihren Kopf an und bettete ihn auf seinem Schoß.
Diese verdammte Nacht. Diese furchtbare, peinliche, verdammte Nacht. Hinter ihr war das Gemurmel und das Kichern von Schaulustigen zu hören, das mit jeder Sekunde lauter wurde. Ihr Kopf drängte sie, wieder aufzustehen, sich um Callie zu kümmern und nach Hause zu fahren, wo es sicher war, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr, die Demütigung und der Schwall aus Adrenalin hielten sie an Ort und Stelle.
Der Griff des Mannes hinter ihr wurde fester, als hätte er ihre Unsicherheit gespürt. „Wir haben das im Griff, Süße.“ Eine winzige Bewegung ließ seine Lederjacke knarzen. Sein Duft drang durch den Nebel, der sie umgab, eine Kombination aus Meer und Sinne, die sie an mediterrane Inseln und faule Tage am Strand denken ließ. Ein Duft, den sie nicht an einem Mann erwartet hätte, der gerade aus einer Bar, wie der hinter ihr, gekommen war. Er fuhr mit den Fingern durch ihr Haar, das sich aus der Frisur gelöst hatte, schob es auf die Seite ihres Halses und eine lose Haarklammer fiel klappernd auf den Asphalt. „Geht es deinem Hals gut? Deine Schwester hat ganz schön daran herumgezerrt.“
Dieser Stimme. Jedes Wort durchdrang sie, rau und tief, wie der brummende Bass einer Stereoanlage, die man zu laut aufgedreht hatte.
Er streichelte über ihren Nacken, seine Berührung war selbstbewusst und absolut nicht platonisch.
Ihre Sinne erwachten, lechzten nach mehr von dieser köstlichen Berührung. Sie konnte kaum das Stöhnen aufhalten, das tief in ihrer Kehle lauerte. Sie schluckte und atmete stattdessen tief aus. „Ja, es geht mir gut.“
Er half ihr dabei, aufzustehen, wobei sich die Muskeln in seinen Armen und seiner Brust um sie herum anspannten, und das, was von ihrer Vernunft noch übrig war, zu einem hoffnungslosen Knoten degradierte.

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