A Delicious Domination

Erscheint: 05/2018

Genre: Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Contemporary

Location: Skihütte, Jamaika


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-106-0
ebook: 978-3-86495-107-7

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Erhältlich bei u.a.:

und allen gängigen Onlinehändlern und im Buchhandel

A Delicious Domination


Inhaltsangabe

"Ich mag dich." Diese drei Worte und ein Kuss bringen Jolas Vorsatz ins Wanken, sich nie und nimmer mit dem Frauenheld Rick einzulassen. Sein dominanter Charme sorgt dafür, dass sie nicht nur seiner romantischen Einladung auf eine einsame Skihütte folgt, sondern auch auf seinen Vorschlag, ein ungewöhnliches Spiel mit ihm zu spielen, eingeht: Sieben Tage und sieben Nächte, immer im Wechsel, müssen sie sich gegenseitig einen erotischen Wunsch erfüllen. Doch das ist nicht so einfach, wie geplant.

"Ein richtig guter Blowjob ist für mich, wenn ich merke, dass es der Frau Spaß macht. Wenn sie sich hingibt – für mich", vertraut Rick ihr an und Jola versteht, dass ihre Wünsche sich nur erfüllen, wenn sie sich selbst fallen lässt und ihm vertraut. 

Der Casanova entpuppt sich als ein Liebhaber, der die Zügel beim Liebesspiel fest in der Hand hält und Jola gleichzeitig den Weg zur Hingabe mit Einfühlsamkeit ebnet. Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde fühlt sie sich deswegen stärker zu ihm und seiner Dominanz hingezogen – und entdeckt, wie reizvoll es ist, sich ihm zu unterwerfen.

Als leise die Frage in ihr aufkeimt, ob da mehr als nur Begehren zwischen ihr und Rick sein könnte, ist Rick plötzlich verschwunden ...

Ein romantischer und emotionaler BDSM-Roman.

 

Über die Autorin

Die Literaturwissenschaftlerin Annabel Rose kam erst über Umwege zum Schreiben erotischer Literatur. Warum ausgerechnet erotische Literatur? Weil ihrer Meinung nach Erotik und Sex wichtiger Bestandteil im Leben eines jeden Menschen ist. 

Annabel Rose liebt liebt Frankreich und den Süden, Katzen, intelligente...

Weitere Bücher der Autorin

Leseprobe

XXL-Leseprobe bei Book2Look

 

Allmählich gewöhne ich mich daran, den ganzen Tag mehr oder weniger nackt herumzulaufen. Aber nach dem Frühstück haben Rick und ich uns ausnahmsweise angezogen und sind mit dem Schneemobil ins Dorf gefahren, um ein paar Besorgungen zu machen. Der Kühlschrank ist nämlich bis auf zwei angebrochene Gläser Marmelade und einen winzigen Rest Käse geplündert. Rick geht mit mir in den einzigen Supermarkt im Ort. Obwohl der Laden nicht übermäßig groß ist, ist er gut sortiert. Sogar eine kleine Flasche Marc de Champagne für die Macarons kann ich ergattern. Unser Einkaufswagen wird...

...voller und voller, und ich frage mich allmählich, wie wir das alles auf dem Schneemobil ins Ufo bringen sollen.

Rick stopft ein paar kleinere Teile in den Rucksack und hält ihn mir hin. »Meinst du, du kannst ihn tragen?«

Er erscheint mir schwerer als der, den ich umhatte, als wir hier angekommen sind, aber ich nicke. »Ja, ich denke schon. Was machen wir mit dem Rest?«

»Wir deponieren die Sachen im Kofferraum vom Auto. Dann bringe ich dich zur Hütte und fahre noch mal ins Dorf. Der Wagen muss repariert werden – und wenn ich zurückkomme, bringe ich den Rest mit. Einverstanden?«

»Wie lange wirst du weg sein?«

»Vielleicht zwei oder drei Stunden. Warum?«

Die Vorstellung, drei Stunden allein im Ufo zu sein, behagt mir irgendwie nicht. Was ist, wenn Rick etwas passiert? Da oben gibt’s keinen Empfang, kein Telefon, nichts … nur Schnee und Einsamkeit. Dann sitze ich dort fest und kein Mensch weiß, wo ich bin.

»Hast du etwa Angst, ich komme nicht wieder?«

»Nein, das nicht. Aber was ist, wenn dir unterwegs etwas passiert?«

»Mir passiert nichts«, sagt er bestimmt und schultert den großen Rucksack, in dem sich die übrigen Lebensmittel befinden. Gemeinsam gehen wir zum Auto, der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter unseren Schuhsohlen.

»Es kann immer etwas passieren. Das kannst du nicht wissen.«

»Mir passiert schon nichts, Jola. Oder vertraust du mir nicht?« Er mustert mich prüfend und fügt mit einem Lächeln hinzu, das nicht zu dem leicht drohenden Unterton in seiner Stimme passt: »Daran müssen wir dringend etwas ändern.«

Am Auto angekommen, öffnet Rick die Kofferraumhaube, lässt den schweren Rucksack von den Schultern gleiten. »Brauchst du noch etwas?«, fragt er und hat die Hand schon an der Haube, um sie wieder zuzuklappen.

»Ja. Warte bitte.« Ich grabe in meinem Gepäck herum, hole Ricks Geschenk hervor und überreiche ihm das ziemlich zerknitterte Päckchen. »Hier. Dein Weihnachtsgeschenk.«

Er nimmt es entgegen, lässt den Blick einen Moment darauf ruhen, bevor er die Handschuhe auszieht, das Papier aufreißt und den Deckel des Buches betrachtet.

»Ein Fotobildband.« Er kling überrascht, klappt ihn auf, blättert durch die Seiten. »Der war sicher teuer.«

»Gefällt er dir?«

Er nickt. »Ja. Die Fotos sind toll. Hier …«, er hält mir eine Seite hin, »siehst du? Wie der Fotograf mit Licht und Schatten spielt, wie das Bild dadurch fast grafisch wirkt? Das ist eine sehr schöne Aufnahme. Danke, Süße.« Das Buch verschwindet im Rucksack bei den Lebensmitteln, Rick drückt die Kofferraumhaube zu. »Ich sehe es mir nachher in Ruhe an, okay? Lass uns zurückfahren.«

Wir steigen auf das Schneemobil und sind eine halbe Stunde später wieder in unserem Liebesnest angekommen. Rick will sich umgehend verabschieden, aber dann hält er inne, stellt den Laptop auf den Küchenblock und macht ihn an.

»Wenn du Langeweile hast, kannst du ein paar von meinen Bildern ansehen.« Er zeigt mir ein Verzeichnis. »Das Passwort ist Gast1204. Kannst du dir das merken?«

Ich nicke. »Ja, sicher. Ist leicht. Zwölfter Vierter. Mein Geburtstag.«

Ein Grinsen umspielt seine Lippen. »Ich weiß. Und auch, dass du nächstes Jahr dreißig wirst.«

Mir klappt der Unterkiefer herunter. Ich bin sprachlos. »Du hast meinen Geburtstag als Passwort benutzt?«

»Ja. Hast du was dagegen?«

»Ich … ähm … nein. Natürlich nicht. Ich bin nur … überrascht. Und ich darf mir alles ansehen?«

»Ja. Alles, was sich mit dem Passwort öffnen lässt. Berufliches darf ich dir leider nicht zeigen – alles andere kannst du nach Herzenslust durchwühlen. Aber viel Spannendes wirst du nicht finden. Die Bilder sind wirklich das Beste auf diesem Rechner.« Er gibt mir einen Kuss auf die Stirn. »Bis nachher. Mach dich schön für mich. Wenn ich wiederkomme, spielen wir ein bisschen.«

Er geht zur Tür, ich sehe ihn auf das Schneemobil aufsteigen, er winkt noch einmal, dann entfernt er sich und verschwindet im Dunkel der Bäume. Ich bin allein. Ein merkwürdiges Gefühl macht sich in mir breit. Obwohl er kaum eine Minute fort ist, fühle ich mich ohne ihn plötzlich irgendwie leer. Es ist erschreckend, wie schnell ich mich an seine Anwesenheit gewöhnt habe – und wie sehr sie mir fehlt. Was soll das nur werden, wenn wir wieder in der Firma sind und uns nicht jeden Tag sehen? Will er das überhaupt? Mich weiterhin jeden Tag sehen? Jetzt reiß dich mal zusammen, Jolanka! Du machst dir schon wieder Gedanken über ungelegte Eier! Warte doch erst mal ab.

Ich gebe mir einen Ruck, gehe ins Schlafzimmer, um endlich den Overall loszuwerden, in dem ich bereits anfange zu schwitzen. Ich krame Strümpfe, Strapshalter und Hebe-BH aus der Schublade und ziehe alles an. Sofort fühle ich mich besser, auf eine sonderbare Art befreit. Als ob ich eine Verkleidung getragen hätte und mich jetzt ungeschminkt geben kann. Eben so, wie ich wirklich bin.

Ich beschließe, mit den Macarons anzufangen und Rick damit zu überraschen, wenn er zurückkommt. Die Zutaten dafür waren alle im Rucksack: Milch, Mandeln, Puderzucker, Vanillepudding, Eier, Butter, zwei Sorten Likör und Lebensmittelfarbe. Ich binde mir eine Schürze um, lasse zunächst die Butter weich werden und kümmere mich darum, die gemahlenen Mandeln und den Puderzucker noch einmal durchzusieben, danach koche ich den Vanillepudding und lasse ihn abkühlen. Jetzt geht’s an den Macarons-Teig: Eiweiß steif schlagen, dann erst Puderzucker und zuletzt die Mandeln unterheben. Ich stelle eine Hälfte in den Kühlschrank, in die andere gebe ich ein paar Tropfen rote Lebensmittelfarbe, bis die Masse einen schönen, rosaroten Pastellton hat. Eine Spritztülle gab es in dem Supermarkt leider nicht, aber ein Gefrierbeutel mit abgeschnittener Spitze tut es auch. Vorsichtig tupfe ich fünf Reihen mit je sechs Tuffs auf das Backpapier und betrachte mein Werk. Sie haben einen guten Stand und sind fast alle gleich groß. Perfekt. Ich entsorge die Plastiktüte und mache ein bisschen Ordnung, denn jetzt beginnt die langweilige Phase beim Macaronsbacken: das Warten, bis die Masse genügend angetrocknet ist, bevor sie in den Ofen kann. Verdammt! Der Ofen! Den hätte ich beinahe vergessen. Ich schalte ihn ein, stelle den Timer auf zwanzig Minuten, damit der Backofen die richtige Temperatur hat, wenn die Macarons so weit sind, und stehe danach etwas ratlos in der Küche.

Mein Blick fällt auf Ricks Laptop. Soll ich wirklich? Ich meine: Kennen wir uns bereits so gut, dass ich in seinen Privatsachen herumstöbern darf? Ich gebe zu: Es juckt mich in den Fingern. Alles, was sich mit dem Passwort öffnen lässt, kannst du nach Herzenslust durchwühlen, klingt mir seine Stimme im Ohr. Na schön! Rick hat leider recht: Ich bin wohl tatsächlich die neugierigste Person der Welt. Offenbar hat er aber Vorkehrungen getroffen, damit ich nur das sehen kann, was ich soll. Also gehe ich um den Block herum, setze mich auf einen der beiden Hocker, klappe den Bildschirm nach oben und gebe das Passwort ein. Sofort erscheint das Verzeichnis, das er mir gezeigt hat, bevor er abgefahren ist. Ich klicke auf den Ordner Bilder, der Datenbaum öffnet sich. Fünf Unterordner sind dort. Alle heißen mehr oder weniger gleich: Menschen, gefolgt von einer Jahreszahl.

Ich entscheide mich für die goldene Mitte. Wieder gibt es zwei Ordner: Öffentlich und Privat. Ich führe die Maus auf den öffentlichen Ordner und es erscheint eine Flut von Bildern. Alles Menschen aus dem öffentlichen Leben: viele Politiker, Leute aus Film und Fernsehen, Sportler … alles Mögliche. Eins ist aber allen Bildern gemein: Es sind Momentaufnahmen, Schnappschüsse, die in einem Augenblick entstanden sind, in dem die Personen sich unbeobachtet gefühlt haben müssen, denn sie schauen besorgt, wütend, traurig … nach innen gekehrt. Es ist, als wenn Rick ein kleines Stück ihrer Seele fotografiert hätte. Ich bin so fasziniert davon, dass ich zusammenzucke, als der Timer des Backofens piepst.

Widerstrebend erhebe ich mich, schiebe das vorbereitete Blech in den Ofen und hole die andere Hälfte der Macarons-Masse aus dem Kühlschrank, spritze wieder fünf Reihen mit je sechs Tuffs auf das Backpapier und kehre zum Laptop zurück.

Meine Wahl fällt dieses Mal auf Privat. Ich bin enttäuscht. Nur gut ein Dutzend Bilder. Alles Porträts von Leuten, die ich nicht kenne. Sie gucken ernst, müde, traurig … Ich nehme mir den nächsten Ordner vor, wähle direkt den privaten Unterordner. Schon besser. Eine ganze Reihe von Aufnahmen mit Porträts – ausschließlich Frauen. Sie haben fast alle die Augen geschlossen, den Mund wie zum Schrei geöffnet, aber sie sehen nicht aus, als ob sie Schmerzen hätten. Im Gegenteil, manche lächeln sogar. Die Fotos zeigen ihre Gesichter in Nahaufnahme, einen Teil des Halses oder der Schultern kann man auch erkennen, aber irgendetwas fehlt. Ich blättere vor und zurück, betrachte die Aufnahmen wieder und wieder – und dann habe ich es. Auf keinem der Bilder ist ein Kleidungsstück zu sehen. Nicht mal der Ansatz eines Kragens oder T-Shirts. Nichts. Die Erkenntnis durchzuckt mich wie ein Blitz: Sie sind alle nackt! Und nicht nur das. Dieser Ausdruck im Gesicht, der geöffnete Mund … sie haben einen Orgasmus.

Oh mein Gott! Rick hat all diese Frauen fotografiert, als sie Sex hatten. Aber mit wem? Doch nicht mit ihm? Oder? Der Gedanke, Rick könnte mit all diesen Frauen Sex gehabt haben, gefällt mir überhaupt nicht und hinterlässt ein bohrendes Gefühl in meinem Bauch. Zum Glück meldet sich der Timer des Backofens. Die erste Charge ist fertig. Ich hole sie heraus, setze das Blech vorsichtig ab und schiebe die weißen Tuffs in den Ofen. Die Butter ist inzwischen weich genug und lässt sich gut mit dem abgekühlten Vanillepudding verrühren. Auch diese Masse teile ich und gebe in die eine Hälfte ein wenig Cassislikör, in die andere Marc de Champagne. Ich löse das Gebäck von dem Backpapier, bestreiche die eine Hälfte der Füßchen mit der Cassiscreme und setze einen zweiten Tuff dagegen. Fertig. Die rosaroten Macarons wandern in den Kühlschrank, gerade rechtzeitig, um die weißen aus dem Ofen zu nehmen und ebenfalls mit Creme zu bestreichen. Nachdem auch sie im Kühlschrank verstaut sind, lege ich die Schürze ab und setze ich mich wieder vor den Laptop.

Der letzte Ordner ist der aktuellste. Es juckt in meinen Fingern. Ein Klick und er öffnet sich. Hier gibt es wie zuvor zwei Unterordner, aber keinen Öffentlichen mehr. Der eine heißt Privat und der andere Privatissime. Vor lauter Aufregung bekomme ich feuchte Hände, fühle mein Herz pochen. Dann strecke ich die Hand nach der Maus aus und bewege den Zeiger auf Privatissime. Es ploppt ein Fenster auf:

Geben Sie das Passwort ein.

Ich versuche es mit Gast1204.

Fehlanzeige. Geben Sie das Passwort ein.

Hm. Schade. Aber damit habe ich rechnen müssen. Also gehe ich ein weiteres Mal auf Privat. Ein Klick und der kleine Aktenordner auf dem Bildschirm klappt auf. Ich erkenne jede Menge Schwarz-Weiß-Bilder, ein Video ist ebenfalls dabei. Ich beschließe, mir zunächst die Bilder anzusehen und das Video für später aufzuheben. Dieses Mal sind nicht nur Frauen abgelichtet, es sind auch Männer dabei – aber die Gesichter der Frauen stehen wieder im Vordergrund. Je länger ich sie betrachte, umso mehr Emotionen entdecke ich darin. Und obwohl es sich um alltägliche Personen handelt und nicht etwa um Models, liegt eine ganz eigene Schönheit in den Gesichtern. Im Gegensatz zum letzten Ordner hat Rick hier auch die Körper der Frauen fotografiert. Einige sind mit Seilen gefesselt. Bondage, schießt es mir durch den Kopf. Natürlich kenne ich den Begriff, aber das hier hat rein gar nichts mit meiner Vorstellung von Gefesseltsein zu tun. Die Frauen auf den Bildern sind nämlich nicht einfach an einen Stuhl oder ein Bett gebunden. Die Seile und Knoten um ihre Körper ergeben interessante Muster und lassen ganz neue Formen entstehen. Eins der Fotos zeigt den Körper einer Frau, nachdem die Fesseln entfernt wurden. Die Rillen des Seils sind deutlich als Abdrücke in der Haut zu erkennen. Es sieht wunderschön aus. Aber tut das nicht weh? Wenn ich mir die Gesichter der Frauen ansehe, möchte ich meinen nein. Sie sehen nicht so aus, als ob sie unter schrecklichen Schmerzen leiden. Vielmehr ist ihr Blick irgendwie abwesend. Entrückt. Ich meine sogar so etwas wie Genuss in den Gesichtern zu bemerken.

Ich möchte wissen, was auf dem Video ist und bewege den Mauszeiger auf das Symbol. Der Filmbetrachter öffnet sich, das Video lädt. Die Kamera ist unruhig, wackelig, ich muss genau hinsehen, um etwas zu erkennen – dann wird das Bild ruhig und klar. Ich sehe ein Podest, auf dem ein stabiles Metallgerüst aufgebaut ist. Drumherum stehen viele Leute, die auf irgendetwas zu warten scheinen. Ein Mann und eine Frau betreten die Bühne. Er trägt eine schwarze Hose, sonst nichts, sie hat einen halb transparenten schwarzen Body an, ihre Haare sind zu einem Dutt hochgesteckt. Er fesselt zunächst ihre Hände, indem er Seile um die Handgelenke wickelt und die Enden durch einen Metallring zieht, sodass die Frau mit erhobenen Armen im Raum steht. Als Nächstes knotet er das Seil um ihre Taille, Hüfte, Oberschenkel und führt auch hier die Enden durch den Metallring. Schließlich zieht er mit aller Kraft an dem Seil – und die Frau schwebt mit einem Mal waagerecht in der Luft.

Es folgt ein Cut. Die Aufnahme ist kurz unterbrochen, dann sehe ich den Mann aus einer anderen Perspektive an den Seilen ziehen. Er legt sich dabei sogar auf den Boden – bis die Frau kopfüber und senkrecht in der Luft schwebt. Er fixiert sie in dieser Position und gibt ihr einen Schubs. Sie schwingt sanft hin und her. Ihr Körper hängt nur an den Seilen, die sich um ihre Taille, Hüfte und das eine Bein winden, das andere Bein ist frei und angewinkelt, die Hände hinter dem Kopf gefesselt. Die Kamera zoomt auf ihr Gesicht. Es sieht geradezu friedlich aus. Dann ist der Film zu Ende, die Frau ist als Standbild auf dem Monitor zu sehen.

Ich betrachte sie noch einen Moment, bin fasziniert von ihrer Ausstrahlung, ihrem friedvollen Gesicht. Dann aber drücke ich die Escape-Taste und blättere ein weiteres Mal durch die Fotos. Eins gefällt mir besonders gut. Es zeigt eine Frau, die mit dem Rücken an der Brust eines Mannes lehnt, ihr Kopf ist seitlich nach hinten gekippt. Sein linker Arm umschließt ihre Taille, der andere Arm liegt halb auf ihrem Brustkorb, seine Hand an ihrer Kehle. Die Augen der Frau sind geschlossen, ihr Mund ist leicht geöffnet. Es erinnert mich daran, wie Rick seine Hand auf meine Kehle gelegt hat. Es hat sich gut für mich angefühlt – und ich kann beinahe nachempfinden, was die Frau auf dem Bild gefühlt haben muss, als das Foto entstanden ist.

Ich bin so in den Anblick versunken, dass ich nicht mitbekommen habe, dass das Schneemobil vor dem Ufo angehalten hat. Erst als sich die Tür zum Ufo öffnet und kalte Luft hereinströmt, merke ich, dass Rick zurück ist.

»Wie ich sehe, hast du die Bilder gefunden«, sagt er, indem er den Riesenrucksack auf der Tischplatte absetzt und mir einen Kuss auf die Wange haucht. »Was siehst du dir gerade an? Zeig mal her.« Er beugt sich über mich und schaut auf den Monitor. »Gefällt dir das Bild?«, fragt er und zieht sich den Overall aus.

»Ja. Ich finde es sehr schön.«

»Ich auch«, entgegnet er, öffnet den Kühlschrank und beginnt, den Rucksack zu leeren. »Oh, du warst ja fleißig!« Er nimmt sich eins von den frischen roten Macarons und schiebt es sich in einem Happs in den Mund. »Mmmh! Wundervoll!«, murmelt er mit halb vollem Mund und schnappt sich eins von den weißen. Ich verlasse meinen Platz vor dem Laptop und helfe Rick, die Sachen in den Kühlschrank und die Regale zu räumen. »Die sind köstlich.« Er greift sich noch eins von den roten. »Alle für mich?«

»Du kannst sie gern alle aufessen«, entgegne ich großzügig.

»Womit sind die weißen gefüllt?«

»Marc de Champagne. Ich dachte, sie passen gut zu deiner heißen Schokolade.«

Er nickt, kaut zu Ende. »Um auf die Bilder zurückzukommen«, sagt er, nachdem er den Mund geleert und sich die Finger genießerisch abgeleckt hat, »ich mag diese Geste. Sehr. Sie hat so etwas Archaisches an sich.«

»Archaisch?«

»Ja. Etwas, das tief in uns verwurzelt ist, das an unsere Instinkte appelliert. Wie bei Raubtieren zum Beispiel. Hast du mal gesehen, was die machen, wenn eine Situation zu brenzlig wird? Dann drehen sie sich auf den Rücken und bieten dem Anführer ihren Bauch und ihre Kehle dar. Ihre verwundbarsten Stellen. Sie liefern sich ihm auf Gedeih und Verderb aus. Es ist eine Geste der Unterwerfung.« Er stellt sich ganz nah vor mich, fixiert meinen Blick, legt seine Hand in meinen Nacken. »Nicht nur bei Raubtieren«, sagt er leise und lässt die Hand um meinen Hals herum gleiten, bis sein Daumen auf meiner Kehle liegt. »Wie ist das für dich? Hast du Angst, wenn ich dich so anfasse?«

»Nein.«

»Nein? Ich könnte aber zudrücken. Macht dir das keine Angst?«

»Nein.«

»Sag mir, was du fühlst.«

»Als du das gestern gemacht hast, habe ich gedacht, du willst mich haben. So, als wenn ich dir gehören soll.«

»Und fühlst du das jetzt auch?«

»Ja.«

Ein kleines Lächeln erscheint um seine Mundwinkel, er nickt. »Ja«, flüstert er und zieht mich mit dem anderen Arm an sich. »Und ist das ein gutes Gefühl für dich?«

Meine Emotionen fahren schon wieder Achterbahn. Es kommt mir alles so unwirklich vor. Als wäre ich eine Schauspielerin in einem Liebesfilm. Ja, es fühlt sich wunderbar an. Aber es zu sagen, es zuzugeben … Ich habe Angst, es auszusprechen. Angst vor dem, was danach mit mir geschieht. Schweigend erwidere ich Ricks Blick, meine Lippen sind wie zugetackert.

»Sag es, Jola«, flüstert er und kommt meinem Gesicht noch näher. »Fühlt es sich gut für dich an? Sag’s mir!«

Ich schlucke hart, schließe die Augen. Es fällt mir irgendwie leichter, wenn ich ihn dabei nicht ansehen muss.

»Ja«, wispere ich kaum hörbar. »Es fühlt sich gut für mich an.«

Er klingt erleichtert, ein Anflug von Freude und Glück ist in seiner Stimme, als er flüstert: »Oh Jola!«

Im nächsten Augenblick wird mein Kopf nach hinten gebogen, Ricks Lippen berühren meine. In null Komma nichts erobert seine Zunge meinen Mund. Sein Kuss ist stürmisch. Leidenschaftlich. Besitzergreifend. Mir wird schwindelig, ich muss mich an ihm festhalten.

»Dann vertraust du mir also doch ein wenig?«

Ich bringe ein schwaches Nicken zustande. Er lächelt, seine Augen blitzen. »Mach die Augen zu, Süße.«

Ich tue es und höre erst einen Reißverschluss, danach das Rascheln einer Plastiktüte. Seltsam. Ich dachte, wir hätten den Rucksack komplett ausgepackt. Was hat er denn noch darin? Ich komme nicht dazu, mir die Frage zu beantworten. Stattdessen zucke ich zusammen, als sich etwas Seidiges um meine Augen legt und am Hinterkopf festgezurrt wird.

»Was … ist das?«, frage ich und taste über mein Gesicht.

Rick nimmt meine Hände von den Augen und hält sie fest. Mein Puls schaltet umgehend einen Gang höher.

»Eine Augenbinde. Siehst du noch etwas?«

Ich schüttele den Kopf. »Nein. Es ist alles pechschwarz.«

»Gut.«

»Warum …? Wieso …? Was hast du vor?«

»Sehen, wie weit du mir vertraust. Bleib bitte einen Moment so stehen.«