Jameson Force Security Group: Codename Genesis

Ori­gi­nal­ti­tel: Code Name: Ge­ne­sis
Über­set­zer: Ute Hein­zel; Da­nie­la Mans­field Trans­la­ti­ons

Er­schie­nen: 09/2019
Serie: Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty Group
Teil der Serie: 1

Genre: Con­tem­pora­ry Ro­mance, Ro­man­tic Thrill
Zu­sätz­lich: Se­cond Chan­ce

Lo­ca­ti­on: USA

Sei­ten­an­zahl: 352


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-397-2
ebook: 978-3-86495-398-9

Preis:
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ebook: 6,99 €[D]

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Jameson Force Security Group: Codename Genesis


In­halts­an­ga­be

Vor vie­len Jah­ren waren sie ein Lie­bes­paar. Sie, ein auf­stei­gen­der Su­per­star, er, der un­fass­bar at­trak­ti­ve Leib­wäch­ter, ver­ant­wort­lich für ihre Si­cher­heit.
Lei­der waren nicht alle in ihrem Um­feld mit ihrer Be­zie­hung ein­ver­stan­den, und so sorg­te ein Netz aus Lügen für das Ende des­sen, was sie einst hat­ten.

Nach­dem Kynan McGrath erst vor Kur­zem die Lei­tung des lan­des­weit be­kann­ten Si­cher­heits­un­ter­neh­mens "Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty" über­nom­men hat, hat er wirk­lich keine Zeit, sich mit sei­ner Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Ob­wohl seit ihrer Tren­nung be­reits über ein Jahr­zehnt ver­gan­gen ist, er­in­nert er sich nach wie vor an den Schmerz, den der Ver­lust sei­ner ers­ten Liebe ihm zu­ge­fügt hat. Und als Jos­lyn Mey­ers ihn um Hilfe bit­tet, er­klärt Kynan sich nur wi­der­stre­bend be­reit, sie vor einem angst­ein­flö­ßen­den Stal­ker zu be­schüt­zen, der ihr Leben be­droht.

Wäh­rend die Be­dro­hung durch den Stal­ker wei­ter zu­nimmt, merkt Kynan, dass er vor nichts zu­rück­schreckt, um die Frau zu be­schüt­zen, der noch immer noch sein Herz ge­hört. Wer­den Kynan und Jos­lyn end­lich zu­ein­an­der fin­den oder haben die Lügen der Ver­gan­gen­heit eine un­über­wind­ba­re Dis­tanz zwi­schen ihnen ge­schaf­fen?

Teil 1 der Reihe um die Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty Group. 

Über die Au­to­rin

Seit ihrem De­büt­ro­man im Jahr 2013 hat Sa­wy­er Ben­nett zahl­rei­che Bü­cher von New Adult bis Ero­tic Ro­mance ver­öf­fent­licht und es wie­der­holt auf die Best­sel­ler­lis­ten der New York Times und USA Today ge­schafft.
Sa­wy­er nutzt ihre Er­fah­run­gen als ehe­ma­li­ge Straf­ver­tei­di­ge­rin in...

Wei­te­re Teile der Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty Group Serie

Le­se­pro­be

XXL-Le­se­pro­be bei Boo­k2­Look

Kynan

Nor­ma­ler­wei­se würde ich nicht ans Te­le­fon gehen, wäh­rend eine schar­fe Rot­haa­ri­ge einen Strip­tease in mei­nem Schlaf­zim­mer hin­legt, aber bei der An­ru­fe­rin han­delt es sich um Ra­chel Hart-Wright. Als meine stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin der Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty würde sie nicht an­ru­fen, wenn es nicht wirk­lich wich­tig wäre. Davon ein­mal ab­ge­se­hen bin ich ge­ra­de ar­ro­gant genug, um einen ge­schäft­li­chen Anruf an­zu­neh­men, wäh­rend mir pri­vat Lust be­rei­tet wird.
»Du hast bes­ser einen guten Grund an­zu­ru­fen, Hart«, sage ich kurz an­ge­bun­den, nach­dem ich die Ver­bin­dung her­ge­stellt habe. Ich lasse den Blick rasch zu dem fast lee­ren Glas Scotch in mei­ner Hand schwei­fen,...

...​bevor ich auf die Frau zu­ge­he, die sich ge­ra­de zu einer mir un­be­kann­ten Rock­num­mer an mei­nem Bett­pfos­ten reibt. Sie be­ob­ach­tet mich aus Augen, die sich unter schwe­ren Li­dern be­fin­den, in dem Wis­sen, dass ich sie be­loh­nen werde.
»Ich weiß nicht, ob das Wort gut pas­send ist«, ant­wor­tet sie. »Es geht um sehr viel Geld, aber es wird dir nicht ge­fal­len, von wem es stammt.«
»Wenn es sich um die­sen ver­damm­ten Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten han­delt, der uns an­ge­heu­ert hat, damit wir sei­nen lo­bo­to­mier­ten Sohn ba­by­sit­ten, dann lau­tet die Ant­wort nein.« Die­ser Job hat mich ge­lehrt, dass es Dinge gibt, die man mit Geld nicht kau­fen kann.
»Was zur Hölle be­deu­tet ›lo­bo­to­miert‹?«, fragt Ra­chel.
»Das be­zeich­net je­man­den, dem sie das Ge­hirn am­pu­tiert haben«, sage ich ab­ge­lenkt, denn die Frau vor mir streift sich den BH ab und ent­blößt wun­der­ba­re, kna­cki­ge Brüs­te.
»Ihr Bri­ten habt eine selt­sa­me Art zu spre­chen«, gibt Ra­chel zu­rück. »Warum hät­test du nicht ein­fach ›nutz­los‹ sagen kön­nen?«
Ich spüre, wie sich meine Mund­win­kel nach oben zu einem be­lus­tig­ten Lä­cheln ver­zie­hen, aber das wird sie nie er­fah­ren. Meine Stim­me klingt un­ge­dul­dig, als ich mur­me­le: »Sag mir ein­fach, um wel­chen Job es sich han­delt, und dann werde ich ihn ge­neh­mi­gen oder ab­leh­nen.«
»Es ist Jos­lyn Mey­ers.«
Mein Blut­druck schießt so­fort in die Höhe und ich pres­se die Fin­ger so fest um mein Glas, dass ich über­rascht bin, es nicht zu zer­bre­chen. Es fällt mir schwer, nicht ins Te­le­fon zu brül­len, aber die Wut, mit der ich ant­wor­te, ist un­miss­ver­ständ­lich. »Nicht nur nein, son­dern auf gar kei­nen Fall! Was auch immer sie braucht, die Ant­wort lau­tet ganz deut­lich nein.«
»Ich finde, du soll­test dir an­hö­ren –«
»Ich habe Nein ge­sagt«, belle ich ins Te­le­fon, doch dann senke ich so­fort die Stim­me. »Gibt es jetzt noch ir­gend­et­was an­de­res zu be­spre­chen, das nichts mit Jos­lyn Mey­ers zu tun hat, oder kann ich nun wie­der mit dem fort­fah­ren, was ich getan habe, bevor du ver­sucht hast, mir den Abend zu ver­der­ben?«
»Sie steckt in ernst­haf­ten Schwie­rig­kei­ten!«, fährt Ra­chel mich an.
»In­ter­es­siert mich nicht«, knur­re ich.
»Ihr Leben ist in Ge­fahr.«
Jeder Mus­kel in mei­nem Kör­per ver­steift sich. Auf mei­ner Stirn bricht leich­ter Schweiß aus, der nichts damit zu tun hat, dass die Rot­haa­ri­ge sich ge­ra­de aus ihrem Hös­chen schält. Ich schüt­te­le den Kopf und frage mich, wie es sein kann, dass Jos­lyn es nach all die­sen Jah­ren immer noch schafft, solch eine Wir­kung auf mich zu haben. Trotz­dem ge­lingt es mir, durch zu­sam­men­ge­press­te Zähne zu zi­schen: »In­ter­es­siert. Mich. Nicht.«
»Willst du, dass ich ihr das sage?«, fragt Ra­chel ruhig.
»Es in­ter­es­siert mich einen Scheiß, was du ihr er­zählst, so­lan­ge in dei­nem Satz ir­gend­wo das Wort ›Nein‹ vor­kommt.« Ich schie­be jede Form der Sorge über Jos­lyn bei­sei­te, die an­fängt, mir ihren häss­li­chen Kopf zu­zu­wen­den. »Ver­wei­se sie an die Agen­tur von Mil­ler. Seine Leute sind sehr gute Per­so­nen­schüt­zer.«
Es folgt ein lan­ger Mo­ment des Schwei­gens, in dem Ra­chel ver­daut, was ich ge­sagt habe. Sie weiß sehr genau um meine Feind­schaft mit der welt­be­kann­ten Jos­lyn Mey­ers und ich ver­ste­he nicht, warum sie mich um­stim­men will. Ich lasse den Blick über die nun voll­stän­dig ent­klei­de­te Frau wan­dern – die in der Tat eine echte Rot­haa­ri­ge ist – und hoffe, dass mich ihr An­blick von die­ser ge­schmack­lo­sen Un­ter­hal­tung ab­len­ken wird.
»Na schön«, sagt Ra­chel seuf­zend.
Ich fühle mich be­schwingt, diese An­ge­le­gen­heit ge­klärt zu haben, igno­rie­re je­doch die Tat­sa­che, dass ich selt­sam un­ru­hig bin, weil sie eben genau das nicht ist – zu­min­dest nicht für Jos­lyn.
»Ich ver­ste­he und re­spek­tie­re deine Ent­schei­dung. Aber die kannst du ihr auch selbst mit­tei­len.«
Es sinkt nicht voll­stän­dig ein, was als Nächs­tes pas­siert, denn ehe ich mich ver­se­he, klingt schon Jos­lyns sanf­te Stim­me durch die Lei­tung.
»Kynan«, sagt sie zö­gernd.
Ich rich­te mich blitz­ar­tig in mei­nem Ses­sel auf, mein Rück­grat ist steif und un­be­weg­lich. Nach­dem ich mein Glas auf dem Tisch neben mir ab­ge­stellt habe, sehe ich nichts mehr, ob­wohl ich die tan­zen­de Frau an­star­re, die sich nun auf die schmut­zigs­te Art und Weise selbst be­rührt.
»Kynan«, sagt Jos­lyn noch ein­mal. Ihre Stim­me zit­tert vor Auf­re­gung. »Ich könn­te wirk­lich deine Hilfe ge­brau­chen.«
Schei­ße.
Ich reibe mir mit einer Hand übers Ge­sicht und blin­ze­le dümm­lich zu der Frau in mei­nem Schlaf­zim­mer, die mit der Hand zwi­schen ihren Bei­nen be­schäf­tigt ist. Sie stöhnt leise auf, aber es hat kei­ner­lei Wir­kung auf mich.
Mein Kie­fer ver­krampft sich einen Mo­ment lang und ich rede mir in­ner­lich zu, stark zu blei­ben. »Wir bie­ten für Pro­mi­nen­te kei­nen Per­so­nen­schutz mehr an. Wir kön­nen dich an eine gute Agen­tur ver­wei­sen, die dei­nen Be­dürf­nis­sen an­ge­passt ist.«
Das ist nicht die ganze Wahr­heit, aber das braucht sie nicht zu wis­sen.
Die Ja­me­son Group ist in den letz­ten zwei Jah­ren ex­trem ge­wach­sen, seit ich sie für sie­ben Mil­lio­nen Dol­lar von Je­ri­co Ja­me­son er­wor­ben habe. Als Ers­tes habe ich den Namen in Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty ge­än­dert, um mein neues Ge­schäfts­mo­dell bes­ser re­prä­sen­tie­ren zu kön­nen. Der Groß­teil un­se­res Ge­schäfts be­steht aus nor­ma­ler Ar­beit – Per­so­nen­schutz für Pro­mi­nen­te und die In­stal­la­ti­on von Si­cher­heits­sys­te­men der Spit­zen­klas­se –, doch un­se­re lu­kra­tivs­ten Ver­trä­ge schlie­ßen wir immer noch mit der US-Re­gie­rung und Ver­bün­de­ten an­de­rer Län­der ab, für die wir »Spe­zi­al­auf­trä­ge« aus­füh­ren, die schwer zu be­kom­men sind. Oder um es ge­nau­er aus­zu­drü­cken … für die es schwer ist, eine Ge­neh­mi­gung zu er­hal­ten. Die Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty ist zur An­lauf­stel­le Num­mer eins der pri­va­ten Si­cher­heits­dienst­leis­ter ge­wor­den. Wir bie­ten die Art von »nicht re­gis­trier­ter Un­sicht­bar­keit«, die eine Re­gie­rung be­nö­ti­gen könn­te, wenn streng ge­hei­me Auf­trä­ge aus­ge­führt wer­den müs­sen.
Und weil die nor­ma­le Ar­beit un­se­res Un­ter­neh­mens so ex­zel­lent funk­tio­niert wie eine gut ge­öl­te Ma­schi­ne, die Geld aus­spuckt, und ich an­ge­fan­gen habe, mich etwas zu lang­wei­len, habe ich be­schlos­sen, die Ge­heim­auf­trä­ge aus­zu­wei­ten. Des­we­gen wurde die Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty ins Leben ge­ru­fen, ent­wi­ckelt und ist nun be­reit, mehr Ar­beit an­zu­neh­men.
So be­reit sogar, dass ich tat­säch­lich ge­ra­de kurz davor stehe, eine Reihe neuer Büros in Pitts­burgh zu er­öff­nen, weil ich mich näher an Wa­shing­ton, D.C. be­fin­den muss. Ra­chel hat mich ge­fragt, warum ich nicht ein­fach nach D.C. um­zie­he, aber ich kann diese Stadt nicht lei­den. Pitts­burgh fand ich je­doch immer schon hübsch. Eine Stadt, die in Stahl, Mut und Ent­schlos­sen­heit ver­wur­zelt ist, und ge­nau­so würde ich die Ja­me­son Force Se­cu­ri­ty be­schrei­ben. Ich werde nach Pitts­burgh zie­hen und Ra­chel wird in Las Vegas blei­ben, um sich um die pri­va­ten Si­cher­heits­dienst­leis­tun­gen des Un­ter­neh­mens zu küm­mern.
»Falls es ums Geld geht –«, sagt Jos­lyn und un­ter­bricht meine ab­schwei­fen­den Ge­dan­ken.
Ich falle ihr ins Wort. »Tut es nicht.«
»Bitte Kynan«, fleht sie und ich kann die Trä­nen in ihrer Stim­me hören.
Zum Glück bin ich einen Au­gen­blick lang ab­ge­lenkt, als die Rot­haa­ri­ge auf allen vie­ren auf mich zu­kriecht. Aus ihren blau­en Augen sprüht die Hitze und ihre Brüs­te schau­keln pro­vo­ka­tiv. Leise und mit einer leich­ten Be­frie­di­gung wird mir klar, dass diese Frau vor mir genau das ist, was ich will und brau­che, wäh­rend die Frau am Te­le­fon, die ver­mut­lich in ihrer mil­lio­nen­schwe­ren Villa in Ma­li­bu hockt, es nicht ist.
Sie legt ihre Hände auf meine Ober­schen­kel, schiebt sie nach oben und nes­telt an mei­nem Gür­tel. Mein Schwanz, der end­lich be­schlos­sen hat mit­zu­spie­len, fängt an, sich bei die­ser Aus­sicht zu ver­stei­fen. Ich lehne mich im Ses­sel zu­rück und hebe kurz mei­nen Hin­tern an, damit sie in meine Un­ter­ho­se grei­fen und mei­nen Schwanz be­frei­en kann.
Ich un­ter­drü­cke ein Stöh­nen, als sie ihn mit der Hand fest um­schließt und be­ginnt, mich zu strei­cheln. Ich stre­cke eine Hand aus, grei­fe nach ihrer Brust und ge­nie­ße das Ge­wicht, bevor ich sie in die Brust­war­ze knei­fe. Ihre vol­len Lip­pen ver­zie­hen sich zu einem Grin­sen, dann stülpt sie ihren Mund über mei­nen Schwanz.
Ja, ver­dammt. Das ist genau das, was ich brau­che.
Ich schie­be meine Hände in ihre Haare und grei­fe mit den Fin­gern nach ihren feu­ri­gen Lo­cken. Ich nutze mei­nen Halt wie einen Kol­ben und helfe ihr dabei, sich auf mir auf und ab zu be­we­gen. Dabei ver­lie­re ich mich in dem Ge­fühl, das sie mir be­schert.
»Letz­te Nacht hat er mich bei­na­he um­ge­bracht«, sagt Jos­lyn und einen Mo­ment lang nehme ich ihre Worte nicht wahr.
Aber dann ver­ste­he ich, was sie sagt, und ziehe die Rot­haa­ri­ge un­sanft von mei­nem Schwanz her­un­ter. Ihre Augen wer­den vor Über­ra­schung ganz groß, doch ich schüt­te­le le­dig­lich den Kopf und rich­te mich wie­der im Ses­sel auf.
»Was?«, ge­lingt es mir mit rauer Stim­me zu fra­gen.
»Ein Stal­ker«, flüs­tert sie. »Er be­läs­tigt mich schon sehr lange. Aber ver­gan­ge­ne Nacht ist es ihm tat­säch­lich ge­lun­gen, in mein Haus ein­zu­bre­chen. Ich habe es nicht mehr recht­zei­tig in mei­nen Schutz­raum ge­schafft.«
Mir ge­friert die Luft in der Lunge. Sie hat einen Schutz­raum. Was be­deu­tet, dass sie einer ernst­haf­ten Ge­fahr aus­ge­setzt ist. Alles um mich herum scheint sich zu ver­lang­sa­men, wäh­rend ihre Of­fen­ba­rung in mei­nen Ohren wi­der­hallt.
»Er hat die her­an­na­hen­den Si­re­nen ge­hört, bevor er …« Als sie plötz­lich auf­hört zu spre­chen, steigt mir die Galle hoch. Sie hus­tet und fährt dann leise fort. »Er ist weg­ge­lau­fen und ihnen ent­wischt.«
Ich räus­pe­re mich, um die auf­ge­stie­ge­nen Emo­tio­nen aus mei­ner Kehle zu ent­fer­nen. »Wo bist du? Ist ge­ra­de je­mand bei dir?«
Jos­lyn lacht trau­rig. »Ich bin in dei­nem Büro. In der Clar­ke Ave­nue.«
Sie ist hier?
In Las Vegas?
»Lass mich mit Ra­chel spre­chen«, weise ich sie an, meine Worte ab­ge­hackt und un­per­sön­lich.
Ich höre un­ver­ständ­li­ches Ge­mur­mel zwi­schen den bei­den Frau­en, als das Te­le­fon her­über­ge­reicht wird. Ra­chels for­sche und pro­fes­sio­nel­le Stim­me er­tönt. »Was soll ich tun?«
Sehn­süch­tig bli­cke ich zu der Rot­haa­ri­gen, die sich mitt­ler­wei­le in auf­rei­zen­der Pose auf mei­nem Bett rä­kelt. Ich möch­te mich in ihr ver­lie­ren. Will alles an­de­re ver­ges­sen.
Es ge­lingt mir nicht, das er­nüch­tern­de Seuf­zen zu un­ter­drü­cken, das mir ent­fährt. »Wir neh­men uns die­ses Falls an. Bring sie zu mir nach Hause.«
»Zu dir nach Hause?«, fragt Ra­chel über­rascht.
»Aus Si­cher­heits­grün­den wird sie bei mir blei­ben, bis ich her­aus­ge­fun­den habe, wem wir die­sen Fall über­ge­ben kön­nen.«
Ra­chel schweigt einen Mo­ment, dann mur­melt sie: »Aber du bist nicht al­lein.«
»Stimmt«, ant­wor­te ich und er­he­be mich. Meine Hose hängt mir ge­ra­de noch so auf den Hüf­ten. Ich habe sogar meine Erek­ti­on ein­ge­büßt, eine An­ge­le­gen­heit, die so­fort wie­der be­ho­ben wer­den muss. Nach­dem ich um das Bett her­um­ge­gan­gen bin, be­trach­te ich die wun­der­ba­re, sinn­li­che Krea­tur mit lüs­ter­nen Bli­cken, die dort aus­ge­brei­tet vor mir liegt. »Aber das geht Jos­lyn nichts an. Uns beide ver­bin­det le­dig­lich das Ge­schäft.«
»Alles klar, Boss«, sagt Ra­chel hör­bar be­lus­tigt. Sie kennt mich be­reits seit Jah­ren. Ver­dammt, wir waren sogar eine Zeit lang mal Freun­de mit Vor­zü­gen. Sie hat mich in der Schluss­pha­se der Tren­nung von Jos­lyn ken­nen­ge­lernt und ich habe mich zwi­schen ihren Bei­nen ver­lo­ren, wäh­rend wir ge­mein­sam die Welt auf der Suche nach Aben­teu­er und Ner­ven­kit­zel be­reis­ten. Ich konn­te mich gut mit ihr un­ter­hal­ten, des­we­gen sind ihr die Grund­zü­ge des­sen be­kannt, was zwi­schen uns vor­ge­fal­len ist.
Aber Ra­chel und ich sind nicht mehr auf diese Weise mit­ein­an­der ver­bun­den. Seit mehr als einem Jahr­zehnt sind wir Kol­le­gen bei Ja­me­son. Als wir an­ge­fan­gen haben, mit­ein­an­der zu ar­bei­ten, ist unser Ver­hält­nis rein be­ruf­lich ge­wor­den. Nach­dem Je­ri­co an mich ver­kauft hat, ist Ra­chel für mich die ver­trau­ens­wür­digs­te Part­ne­rin in die­sem Un­ter­neh­men. Dar­über hin­aus ver­ur­teilt sie mich nicht. Wenn ich Jos­lyn nicht an­stän­dig be­han­de­le, wird Ra­chel mir das nicht vor­hal­ten.
Die Rot­haa­ri­ge kniet sich hin und rutscht auf mich zu. Mit ihren Fin­gern öff­net sie meine Hemd­knöp­fe. Nach­dem sie mei­nen Ober­kör­per ent­blößt hat, beugt sie sich nach vorne und küsst mich auf die Brust.
Mein Schwanz zuckt, er­wacht wie­der zum Leben und ich be­en­de den Anruf.
Jos­lyn ist ver­ges­sen. Zu­min­dest vor­erst.


Jos­lyn

»Kynan hat sich ganz schön was er­ar­bei­tet«, sage ich zu Ra­chel, als wir in die Ein­fahrt einer mons­trö­sen Villa im spa­ni­schen Ko­lo­ni­al­stil bie­gen. Sie ist grö­ßer als mein Haus, und das will etwas hei­ßen, weil es aus mehr als sechs­hun­dert­fünf­zig Qua­drat­me­tern Flä­che be­steht, die für mich nutz­los ist.
»Das hat er wohl«, ant­wor­tet sie, stellt den Schalt­he­bel ihres Ma­se­ra­ti Quat­tro­por­te auf die Park­po­si­ti­on und schal­tet den Motor aus.
Ich mache keine An­stal­ten, die Tür zu öff­nen. Auch Ra­chel be­wegt sich nicht. Bei der Aus­sicht, Kynan nach all die­sen Jah­ren wie­der­zu­se­hen, klopft mein Herz wie ver­rückt, aber diese Si­tua­ti­on hier ist nicht so furcht­er­re­gend wie das, was ges­tern Nacht ge­sche­hen ist. Un­ter­be­wusst be­rüh­re ich mit den Fin­gern mei­nen Hals und strei­che über die li­la­far­be­nen Blut­er­güs­se, die sich dort be­fin­den.
»Wie alt ist dein Kind?«, frage ich und drehe mich etwas in ihre Rich­tung. Sie blin­zelt mich über­rascht an, aber ich deute mit dem Dau­men über die Schul­ter auf den Kin­der­sitz auf der Rück­bank.
»Am drei­und­zwan­zigs­ten wird er sechs Mo­na­te.«
Ich rech­ne kurz in mei­nem Kopf nach, dann lä­che­le ich. »Dann wäre er ja bei­na­he ein Weih­nachts­ba­by ge­wor­den.«
»Ja.« Sie lacht. »Mein Mann Bodie be­stand dar­auf, dass wir ihn mit zwei­tem Vor­na­men Chris nen­nen, um die­sen Fei­er­tag zu wür­di­gen.«
Christ­kind. Süß. »Wie lau­tet sein ers­ter Vor­na­me?«
»An­t­ho­ny, aber wir nen­nen ihn Tony.«
Tra­di­tio­nell. »Ist der üb­lich bei euch in der Fa­mi­lie?«
Sie schüt­telt la­chend den Kopf. »Nein. Wir haben ihn nach Tony Stark be­nannt.«
»Machst du Witze?«
»Über die Aven­gers mache ich nie­mals Witze«, sagt sie ernst. Sie legt den Kopf schief, be­trach­tet mich ei­ni­ge Se­kun­den lang und lä­chelt mich auf­mun­ternd an. Dann je­doch fängt mein Puls er­neut an zu rasen, als sie fragt: »Bist du be­reit, es hin­ter dich zu brin­gen?«
Ich nicke, aber ei­gent­lich hätte ich es viel lie­ber, wenn sie den Wagen wie­der an­las­sen, mich zum nächst­bes­ten Flug­ha­fen brin­gen und mich in ein Flug­zeug set­zen würde, das ir­gend­wo­hin fliegt, wo mich nie­mand fin­det. Auf diese Weise könn­te ich in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten und den Psy­cho­pa­then, der mich ver­folgt, weit hin­ter mir las­sen.
Es ist nur so … in den letz­ten Jah­ren hat er es immer wie­der ge­schafft, mich aus­fin­dig zu ma­chen. Ich bin vier­mal um­ge­zo­gen, habe Häu­ser unter ver­schie­de­nen Deck­na­men ge­kauft, aber ir­gend­wie spürt er mich auf. Den schrift­li­chen Dro­hun­gen fol­gen Lie­bes­brie­fe. Und er hin­ter­lässt am Ein­gangs­tor mei­nes be­wach­ten Hau­ses ent­we­der Blu­men­sträu­ße oder ge­köpf­te Eich­hörn­chen, das kommt ganz auf seine Laune an. Sel­ten genug kam es vor, dass ich mich fälsch­li­cher­wei­se in Si­cher­heit wägte – weil ich dach­te, ich wäre ihm lang­wei­lig ge­wor­den und er hätte sich von mir ab­ge­wandt –, aber dann ist immer wie­der etwas an­de­res pas­siert.
Er ist je­doch noch nie zuvor in mein Haus ein­ge­bro­chen. Und ich weiß, dass er es war.
Mein Stal­ker.
Es ist ihm ge­lun­gen, den Strom ab­zu­schal­ten, was mich dar­auf auf­merk­sam mach­te, dass etwas nicht stimm­te. Als ich hörte, wie in der Nähe der Ter­ras­se Glas zer­brach, wähl­te ich in­ner­halb einer Na­no­se­kun­de den Not­ruf und lief zum Schutz­raum. Ob­wohl er mir die Strom­ver­sor­gung ab­ge­schnit­ten hatte, funk­tio­nier­te mein Si­cher­heits­sys­tem trotz­dem mit einer Not­strom­ver­sor­gung durch Bat­te­ri­en. Ich wuss­te, dass ir­gend­wo ein stil­ler Alarm aus­ge­löst wurde, der hof­fent­lich die Po­li­zei be­nach­rich­ti­gen würde.
Und das war auch gut, denn der Mann brach­te mich im Flur nur we­ni­ge Meter von der Tür zum Schutz­raum ent­fernt zu Fall, bevor mein Not­ruf über­haupt an­ge­nom­men wurde. Meine ein­zi­ge Ret­tung war das Si­cher­heits­un­ter­neh­men ge­we­sen, das die Po­li­zei ver­stän­dig­te, und ein Strei­fen­wa­gen, der nur we­ni­ge Blocks von mei­nem Haus Strei­fe fuhr. Das Si­re­nen­ge­heul, das lau­ter wurde, als sie sich mei­nem Haus nä­her­ten, hat ihn zur Flucht be­wo­gen. Gott sei Dank, denn ich stand be­reits kurz davor, ohn­mäch­tig zu wer­den, weil er seine Hände fest um mei­nen Hals zu­sam­men­ge­drückt hatte.
Ich höre auf, den Blut­er­guss zu be­rüh­ren, doch Ra­chel schaut dort­hin und be­trach­tet sich die Wür­ge­ma­le, die er hin­ter­las­sen hat. Als sie mich an­sieht, wird ihr Blick hart. »Kynan wird dich be­schüt­zen. Wir wer­den her­aus­fin­den, wer die­ser Scheiß­kerl ist, und wenn wir erst mit ihm fer­tig sind, wird er dich nicht mehr be­läs­ti­gen.«
Mir ge­lingt ein ängst­li­ches Lä­cheln. »Das ist das Be­ru­hi­gends­te, das ich seit Lan­gem ge­hört habe. Die Po­li­zei hat nicht viel aus­rich­ten kön­nen, weil in all den Jah­ren nur we­ni­ge In­for­ma­tio­nen zu­sam­men­ge­tra­gen wer­den konn­ten.«
Ihr Aus­druck wird sanft und bei­na­he ent­schul­di­gend. »Ich kenne keine Ein­zel­hei­ten dar­über, was zwi­schen dir und Kynan vor­ge­fal­len ist, aber mir ist das We­sent­li­che be­kannt.«
Ich spüre, wie ich er­rö­te, und senke den Blick. »Er hasst mich. Ich konn­te es am Te­le­fon hören.«
»Ich habe keine Ah­nung, ob das stimmt«, be­merkt sie ein­fach nur. »Aber er­war­te nicht, dass er freund­lich zu dir ist. Wenn du ihn für diese Auf­ga­be willst, soll­test du dar­auf vor­be­rei­tet sein, mit sei­nem Ver­hal­ten um­ge­hen zu kön­nen.«
Ich nicke, ver­stän­dig über die Dinge, die sie nicht näher hatte aus­füh­ren müs­sen. Kynan und ich haben uns vor zwölf Jah­ren ge­trennt und es war ganz und gar nicht freund­schaft­lich ab­ge­lau­fen. Ich habe ihn so sehr ge­liebt. Es hatte ein­mal eine Zeit ge­ge­ben, in der er meine Welt ge­we­sen ist, meine ge­sam­te Zu­kunft. Aber dann habe ich etwas Schreck­li­ches über ihn her­aus­ge­fun­den und es tat mir ein­fach zu sehr weh, bei ihm zu blei­ben. Des­we­gen bin ich ge­gan­gen, ohne auch nur ein Mal zu­rück­zu­bli­cken. Ihn ver­las­sen zu haben be­reue ich ver­mut­lich mehr als alles an­de­re in mei­nem Leben, doch mo­men­tan macht das die Sache zwi­schen uns auch nicht bes­ser.
Ich rich­te mich auf und bli­cke Ra­chel in die Augen. »Ich weiß sehr gut, wie Kynan über mich denkt. Trotz­dem bin ich hier. Er ist der idea­le Mann für die­sen Job.«
»Warum?«, fragt sie und legt den Kopf schief. »Dort drau­ßen gibt es noch eine Menge an­de­re ex­zel­len­te Si­cher­heits­un­ter­neh­men.«
Das ist wahr. Ich habe mich in den Jah­ren, seit das Stal­king be­gon­nen hat, über sie in­for­miert. Ich habe sogar ei­ni­ge von ihnen mit dem Per­so­nen­schutz be­auf­tragt. Es wäre mir ein Leich­tes, die­sel­ben Fir­men noch ein­mal zu nut­zen.
Ich ver­zie­he meine Lip­pen zu einem süf­fi­san­ten Lä­cheln. »Un­ge­ach­tet der Ge­füh­le, die Kynan für mich hat, ist er ein in­te­grer Mann. Er wird diese Auf­ga­be weit­aus erns­ter neh­men, als es ir­gend­je­mand an­de­res tun würde. Ich ver­traue ihm.«
»Also gut«, sagt sie, streckt die Hand nach dem Griff aus und öff­net die Wa­gen­tür. »Gehen wir hin­ein.«
Ich folge Ra­chel über den klei­nen Pfad, der seit­lich mit vie­len Kak­te­en und tro­pi­schen Pflan­zen be­wach­sen ist. Ob­wohl es Juni in Las Vegas ist, ziehe ich mir die Ka­pu­ze mei­nes Pull­overs zum Schutz tief ins Ge­sicht. Ich sehe nicht ge­ra­de um­wer­fend aus, so viel ist si­cher. Nach­dem ich mich ge­wei­gert habe, mit dem Am­bu­lanz­wa­gen ins Kran­ken­haus zu fah­ren, nahm ich den­noch dan­kend das An­ge­bot eines Po­li­zis­ten an, mich auf di­rek­tem Weg zum Flug­ha­fen zu brin­gen. Ich hatte mir eine Yo­gaho­se und ein Trä­ger­hemd an­ge­zo­gen und mei­nen Ka­pu­zen­pull­over aus dem Klei­der­schrank ge­schnappt. Weil ich diese Um­ge­bung so schnell wie mög­lich ver­las­sen woll­te, hatte ich nichts an­de­res mit­ge­bracht als meine Hand­ta­sche. Ich trage kein Ma­ke-up, mein Haar ist voll­kom­men zer­zaust und ich be­sit­ze nicht ein­mal eine Bürs­te, weil sich keine in mei­ner Ta­sche be­fin­det. Nein, so etwas Um­sich­ti­ges würde ich nicht tun. Zu­sätz­lich zu mei­ner Hand­ta­sche nehme ich nor­ma­ler­wei­se immer eine große Kos­me­tik­ta­sche mit, in der sich alle ent­schei­den­den Dinge be­fin­den, die ich brau­che, um si­cher­zu­ge­hen, dass ich im­mer­zu fa­bel­haft aus­se­he. Ich habe nicht ein­mal daran ge­dacht, diese Ta­sche mit­zu­neh­men, weil mein ein­zi­ger Ge­dan­ke war, Santa Bar­ba­ra zu ver­las­sen und Kynan auf­zu­su­chen, damit er mir hilft.
In mir hat es nie einen Zwei­fel ge­ge­ben, wohin ich gehen würde, als ich erst an den Ver­kaufs­schal­ter im Flug­ha­fen her­an­ge­tre­ten war. Der Po­li­zei­be­am­te hatte mich freund­li­cher­wei­se be­glei­tet und war an mei­ner Seite ge­blie­ben, bis ich den Si­cher­heits­be­reich be­tre­ten hatte. Trotz­dem hörte ich nicht auf, mich über die Schul­ter um­zu­bli­cken, bis ich im Flug­zeug nach Las Vegas saß und der letz­te Pas­sa­gier ein­ge­stie­gen war. Mein Leben wurde nun durch Angst und Über­le­bens­in­stinkt ge­lei­tet und ich wuss­te, dass ich es al­lei­ne nicht durch­ste­hen würde.
Zu mei­ner Über­ra­schung er­rei­chen wir Kyn­ans Ein­gangs­tür, wo Ra­chel einen Si­cher­heits­code ein­gibt, um sie zu öff­nen. Sie drückt sie nach innen auf und be­deu­tet mir ein­zu­tre­ten.
Die Pracht sei­nes Hau­ses igno­rie­re ich voll­kom­men – nicht weil ich immun gegen Opu­lenz bin, son­dern weil es mir nicht wich­tig ist. In all den Jah­ren sind mir sehr viele Dinge un­wich­tig ge­wor­den, von denen ich einst dach­te, ich könn­te ohne sie nicht exis­tie­ren.
Ich ver­schrän­ke die Arme vor der Brust und bli­cke mich mit nur wenig Neu­gier um. Haupt­säch­lich des­we­gen, weil ich ner­vös bin, den Mann wie­der­zu­se­hen, den ich einst ge­liebt habe und der mich jetzt hasst. Ra­chel schließt die Tür und ich folge ihr in den of­fe­nen Wohn­be­reich, der den Blick auf eine ge­räu­mi­ge Ter­ras­se bie­tet. Dort ste­hen un­zäh­li­ge Topf­pflan­zen, ein rie­si­ger Grill und teure Gar­ten­mö­bel, doch all das fällt mir kaum auf.
Das Ge­räusch einer sich öff­nen­den Tür im obe­ren Stock­werk er­weckt meine Auf­merk­sam­keit. Ich lasse den Blick die enor­me, ge­schwun­ge­ne Trep­pe hin­auf wan­dern, die sich zwi­schen der Ein­gangs­hal­le und dem Wohn­be­reich be­fin­det. Ich höre Ge­läch­ter – männ­li­ches und weib­li­ches – und dann er­scheint Kynan mit einer hin­rei­ßend schö­nen Frau, die nichts wei­ter als einen kur­zen Mor­gen­rock aus Seide trägt. Er ist so lo­cker um ihre Tail­le ge­bun­den, dass ihre Brüs­te her­aus­schau­en. Kynan hat sei­nen Arm um sie ge­schlun­gen und flüs­tert ihr etwas ins Ohr, von dem sie immer wie­der ki­chern muss, wäh­rend sie die Trep­pe hin­un­ter­ge­hen. Kynan ist in Jog­ging­ho­se und T-Shirt ge­klei­det. Sein dun­kel­blon­des Haar ist zer­zaust. Es ist of­fen­sicht­lich, dass die bei­den das Bett so­eben erst ver­las­sen haben.
Es ist das erste Mal, dass ich ihn nach zwölf Jah­ren wie­der­se­he, und mein ers­ter Ge­dan­ke ist, dass die Zeit ihm ab­so­lut nichts hat an­ha­ben kön­nen. Er trägt sein Haar noch un­ver­än­dert, zu­sam­men mit sei­ner un­ver­kenn­ba­ren Ge­sichts­be­haa­rung, die sich ir­gend­wo zwi­schen einem kur­zen Bart und Drei­ta­ges­stop­peln be­wegt. Es ist nicht zu über­se­hen, dass ihm seine Ge­sund­heit wich­tig ist, denn sein Kör­per ist so durch­trai­niert und seh­nig, wie er es mit sechs­und­zwan­zig schon war. Für seine voll­stän­dig tä­to­wier­ten Arme hatte ich immer schon eine Schwä­che. Und schein­bar habe ich sie noch immer, denn ich star­re sie zu lange an.
Vor Pein­lich­keit, mich un­an­ge­mel­det in Kyn­ans Haus zu be­fin­den und dabei ganz of­fen­sicht­lich einen Abend mit sei­ner Freun­din zu rui­nie­ren, werde ich rot. Und es ist sogar noch schlim­mer, dass ich ihn wei­ter­hin scham­los an­bli­cke.
Als er die un­ters­te Stufe er­reicht, schaut er in meine Rich­tung, aber nur kurz und voll­kom­men emo­ti­ons­los, bevor er sich an Ra­chel wen­det. »Heute Abend brau­che ich nichts mehr, Rach. Fahr nach Hause zu Bodie und Tony.«
Ra­chel neigt den Kopf und lä­chelt mir dann ein letz­tes Mal auf­mun­ternd zu, aber das be­kom­me ich nur am Rand mit. »Auf Wie­der­se­hen, Jos­lyn.«
»Auf Wie­der­se­hen«, flüs­te­re ich. Meine Kehle ist wegen der Ner­vo­si­tät furcht­bar tro­cken und immer noch emp­find­lich von dem gest­ri­gen An­griff.
Als sich die Tür hin­ter Ra­chel schließt, fasst Kynan der Frau an den Hin­tern und drückt ein­mal kräf­tig zu. »Sei ein Schatz und hol mir ein So­da­was­ser von der Bar.«
Die­ser ver­damm­te bri­ti­sche Ak­zent ist immer noch un­heim­lich sexy und ich hoffe, dass wir uns heute Abend nicht sehr viel un­ter­hal­ten müs­sen. Ich bin voll­kom­men mit Rei­zen über­flu­tet.
»Nicht noch einen Scotch?«, schnurrt die Frau mit der Hand auf sei­ner Brust, wäh­rend sie sich an ihn schmiegt.
Er schüt­telt den Kopf, dann schaut er zu mir. »Willst du etwas trin­ken?«
»Nein danke.«
Kynan blickt kurz auf mei­nen Hals. Er müss­te schon blind sein, um den Blut­er­guss nicht zu be­mer­ken, aber auf sei­nem Ge­sicht kann ich kei­ner­lei Re­ak­ti­on er­ken­nen. Sein Aus­druck ist voll­kom­men un­be­rührt.
Die Rot­haa­ri­ge stol­ziert davon, wobei kei­ner von bei­den sich die Mühe macht, sie vor­zu­stel­len. Ich sehe ihr kurz nach, wie sie mit wie­gen­den Hüf­ten zu einer Bar geht, die in eine Wand ein­ge­las­sen ist, bevor ich mich wie­der zu Kynan um­dre­he. Ich schlu­cke, um meine Kehle zu be­net­zen. »Es tut mir leid. Ich soll­te hier nicht so her­ein­plat­zen und dich und deine Freun­din stö­ren. Ich kann in ein Hotel gehen und wir kön­nen uns mor­gen in dei­nem Büro tref­fen.«
So­wohl Kynan als auch die Frau schnau­ben be­lus­tigt, aber sie ist die­je­ni­ge, die ant­wor­tet: »Oh, ich bin nicht seine Freun­din.«
Ver­wirrt bli­cke ich zwi­schen den bei­den hin und her. Kynan zuckt le­dig­lich mit den Schul­tern. »Wir haben uns erst heute Nach­mit­tag ken­nen­ge­lernt.«
»Oh«, sage ich leise und mir däm­mert, was das be­deu­tet. Ich bin wegen eines One-Night-Stands nun wirk­lich nicht scho­ckiert, denn an ein wenig Spaß ist nichts aus­zu­set­zen, aber warum um alles in der Welt hat er Ra­chel ge­be­ten, mich hier­her­zu­brin­gen?
»Wir haben uns im Wi­cked Horse ge­trof­fen«, fügt die Frau in Plau­der­lau­ne hinzu. »Ich war ge­ra­de in einem Stock ein­ge­sperrt und Kynan hat mich be­freit. Dann hat er mich zu sich in seine lu­xu­riö­se Villa mit­ge­nom­men, um etwas Spaß zu haben.«
Ich blin­ze­le dümm­lich, wäh­rend ich ver­su­che, die selt­sa­men Sätze zu ver­ar­bei­ten. »Es tut mir leid. Das Wi­cked Horse?«
»Das ist ein Sex-Club, bei dem ich Mit­glied bin«, ant­wor­tet Kynan spon­tan auf dem Weg zu einem teuer aus­se­hen­den Ses­sel. Er lässt sich wür­de­voll und ele­gant hin­ein­fal­len und deu­tet dann auf das Sofa, um mir mit­zu­tei­len, dass ich mich set­zen soll.
Jetzt bin ich scho­ckiert. So sehr, dass ich mich nicht be­we­gen kann. »Sex-Club?«
»Oh, kling doch nicht so un­ge­bil­det, Jos­lyn«, ta­delt Kynan mich in die­sem gott­ver­dammt schar­fen bri­ti­schen Ak­zent. »Du soll­test dem Per­ver­sen eine Chan­ce geben. Die Film­stars und Göt­ter der Rock­mu­sik wür­den bei dir ga­ran­tiert Schlan­ge ste­hen.«
Die Hitze steigt mir den Na­cken hin­auf und ich bin voll­kom­men sprach­los. Mit einem Glas So­da­was­ser in der Hand schlen­dert die Frau zu Kynan hin­über. Sie setzt sich di­rekt auf sei­nen Schoß. Als er die Hand zwi­schen ihre Beine schiebt, er­star­re ich am gan­zen Kör­per.
Und er tut das nicht, um ihren Ober­schen­kel zu drü­cken oder sie kurz zu strei­cheln.
Nein, er schiebt sie di­rekt an ihre Mu­schi. Der Saum ihres Mor­gen­rocks be­deckt zwar das, was er tut, doch es ist of­fen­sicht­lich, dass es sich gut an­füh­len muss, denn ihre Augen rol­len nach hin­ten und sie legt den Kopf auf seine Schul­ter. Sie öff­net die Beine etwas, ver­mut­lich, um ihm bes­se­ren Zu­gang zu ge­wäh­ren. Ich bli­cke ge­ra­de recht­zei­tig zu sei­nem Ge­sicht, um sein Grin­sen zu sehen, wäh­rend er mich an­schaut und auf eine Re­ak­ti­on von mir war­tet.
Ich wende mich ab, be­schämt, aber gleich­zei­tig auch ver­dammt wü­tend. Es be­steht kein Zwei­fel, dass er sich mit Ab­sicht so ver­hält, damit ich mich un­wohl fühle. Ich fange an, in Rich­tung Tür zu gehen, weil ich nicht wil­lens bin, mir an­zu­se­hen, was immer es auch ist, das er mir zu be­wei­sen ver­sucht.
»Bleib hier!«, be­fiehlt er und einen Mo­ment lang ge­hor­che ich ihm fast. Seine Stim­me ist … sehr ge­bil­det, aber trotz­dem so ar­ro­gant und for­dernd. In Sa­chen Sex habe ich ihm sehr oft ge­horcht, aber ich schie­be das auf die Tat­sa­che, dass ich ein­fach so ver­dammt jung war, als wir zu­sam­men waren.
Ich bin je­doch nicht mehr jung und naiv, des­we­gen gehe ich wei­ter. Ich schaf­fe es bis in die Ein­gangs­hal­le, bevor er ruft: »Jos­lyn, du weißt sehr genau, dass dein Leben in Ge­fahr ist, wenn du durch diese Tür gehst. Dein Psy­cho­path könn­te sich in die­sem Au­gen­blick dort drau­ßen auf­hal­ten.« Es sind die rich­ti­gen Worte.
Ich er­star­re, spüre, wie meine Schul­tern vor Re­si­gna­ti­on und ab­so­lu­ter Hilf­lo­sig­keit nach unten sa­cken. Mir stei­gen die Trä­nen in die Augen und ich ver­su­che wie wild, sie weg zu blin­zeln.
Ich stehe kurz vor der Auf­ga­be. Ich be­fin­de mich nicht nur in einer Si­tua­ti­on, in der ich nicht ge­win­nen kann, ich werde dar­über hin­aus ak­zep­tie­ren müs­sen, dass ich mehr als nur Geld werde zah­len müs­sen, um Kyn­ans Hilfe zu be­kom­men. Als Mit­tel, um mich zur Buße für die Dinge zu zwin­gen, von denen er glaubt, dass ich sie ihm an­ge­tan habe, ist es of­fen­sicht­lich, dass er mich zu­nächst er­nied­ri­gen wird, indem er mich dazu bringt hier­zu­blei­ben, wäh­rend er es die­ser Frau be­sorgt.
Doch zu mei­ner Über­ra­schung sagt er zu ihr: »Wir müs­sen lei­der auf­hö­ren, meine Liebe. Geh und zieh dich an, dann ruf dir ein Taxi. Ich habe etwas Geld in mei­nem Porte­mon­naie, um dafür zu be­zah­len. Es liegt auf der Kom­mo­de.«
»Kein Pro­blem«, ant­wor­tet sie. Da­nach ist nur das Ge­räusch von Küs­sen, Stöh­nen und einem tie­fen Äch­zen von Kynan zu hören. Ich kann mir nur vor­stel­len, was sie mit ihm macht, aber ich wei­ge­re mich, mich um­zu­dre­hen.
Erst als ich die lei­sen Schrit­te der Frau auf der Trep­pe ver­neh­me, schen­ke ich Kynan wie­der meine Auf­merk­sam­keit.
»Nimm Platz«, sagt er und nickt zum Sofa.
Mein Gang ist lang­sam und be­däch­tig. Ich hinke leicht, was ich nicht ver­ber­gen kann, weil ich mir letz­te Nacht das Knie an­ge­sto­ßen habe, als ich zu Boden ge­wor­fen wurde. Mein ge­sam­ter Kör­per ist mit Blut­er­güs­sen über­sät, die dem Kampf ge­schul­det sind, der folg­te, als der Stal­ker ver­such­te, sich auf mich zu rol­len. Ich dach­te, er würde mich ver­ge­wal­ti­gen, doch er legte mir nur die Hände um den Hals und fing an, mich zu wür­gen.
Als ich beim Sofa an­kom­me, setze ich mich ver­le­gen auf die Pols­ter­kan­te, falte die Hände fest im Schoß und senke den Kopf.
»Er­zähl mir alles«, sagt Kynan.
Ich bli­cke auf und sehe dem Mann ins Ge­sicht, den ich ein­mal mit jedem Atem­zug mei­nes Kör­pers ge­liebt habe.
Und dann tue ich das, wozu er mich auf­ge­for­dert hat.

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