Lucrezia und ihr unwilliger Liebessklave
von Mona Vara

Erschienen: 08/2015
Buchtyp: Novelle

Genre: Historical Romance, Romantic Comedy
Zusätzlich: Historical, Vanilla

Location: Italien, Venedig

Seitenanzahl: 140

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Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-189-3
ebook: 978-3-86495-190-9

Preis:
Print: 7,90 €[D]
ebook: 2,49 €[D]

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Lucrezia und ihr unwilliger Liebessklave


Inhaltsangabe

Venedig 1459: Lucrezia ist auf der Suche nach Raffaelo, der ihr die Ehe versprochen und sie dann sitzen lassen hat. Sie überredet ihren Vetter, sie mit seiner Galeere bei der Suche nach dem Ungetreuen zu unterstützen, und fängt diesen tatsächlich ein. Nun droht sie ihm, aus Rache alle wichtigen Körperteile abzuschneiden, es sei denn, er wird ihr Liebessklave. Nach einigem Hin und Her willigt der Gefangene ein und Lucrezia ist zufrieden.
Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass sie anstelle von Raffaelo dessen Zwillingsbruder Sebastiano in die Hand bekommen hat. Der ist von der hübschen Venezianerin entzückt und spielt das Spiel einige Zeit mit.
Allerdings entpuppt er sich als weitaus gefährlicher als sein Bruder, denn als es ihm gelingt, einen osmanischen Pascha samt dessen Harem gefangen zu nehmen, dreht er den Spieß um und Lucrezia findet sich als Haremsdame unter der liebreizenden Beute ihres ehemaligen Gefangenen wieder ...

Über die Autorin

Mona Vara schrieb jahrelang erfolgreich erotische Liebesromane. Das  Wichtigste beim Schreiben war für sie, Figuren zum Leben zu erwecken, ihnen ganz spezifische Eigenschaften und Charaktere zu geben und ihre Gefühle und Erlebnisse auf eine Art auszudrücken, die sie nicht nur...

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Leseprobe

Als Lucrezia wieder aufwachte, lag sie mit dem Rücken gegen einen Warenballen gelehnt unter den Planen, die man zum Schutz gegen die Sonne über das hintere Deck gespannt hatte. Tatjana saß neben ihr, fächelte ihr Kühlung zu und bespritzte ihr Gesicht mit Wasser. Einige der Männer hockten an der Reling und sahen neugierig herüber.
„Ist er tot?“, fragte sie schwach.
Tatjana grinste. „Nein, sogar noch ziemlich lebendig.“
„Und…“ Lucrezia zögerte, die Frage zu stellen.
„Und hat noch alles dran. Das Messer hat sich in seinen Oberschenkel gebohrt, aber die Wunde ist nicht schlimm. In einigen Tagen merkt er sie nicht...

...mehr.“
Lucrezia atmete erleichtert auf. „Wo ist er jetzt?“
„Benito hat ihn verbunden, ihm zu essen und zu trinken gegeben, und jetzt liegt er ganz bequem in der Kajüte auf einem Strohsack und dankt vermutlich mit jedem Atemzug seinem Schöpfer, der ihm seine Männlichkeit bewahrt hat.“
Als Lucrezia ein wenig später ihren Gefangenen aufsuchte, fand sie ihn, wie Tatjana ihr gesagt hatte, recht bequem auf einem Strohsack liegend. Sein linkes Hosenbein war bis oben hin aufgeschlitzt und er hatte einen dicken Verband um seinen Oberschenkel. Benito hatte ihm lediglich die Hände locker vor dem Körper gefesselt. Neben ihm stand ein Krug mit Wein, und in einer Ecke war ein irdener Topf mit einem Deckel darauf – die Gewähr dafür, dass auch für andere Seiten des Lebens gesorgt war.
Sie hockte sich neben ihn und sah ihn schuldbewusst an. „Es tut mir leid“, sagte sie schließlich, „das wollte ich nicht.“
Als Sebastiano tatsächlich Tränen in den schönen Augen sah, gab er dem unwiderstehlichen Drang nach, hob seine gefesselten Hände und strich ihr mit dem Finger tröstend über die Wange. So weich, so zart, so… Er schluckte, etwas in seinem Körper regte sich für sie, wollte sie haben, besitzen, mehr von dieser Haut streicheln - nicht nur die Wange. „Das ist nur eine Kleinigkeit, die schnell verheilt.“ Diese Frau hatte wirklich etwas an sich, das ihn anzog. Sie war wohl ein bisschen wirr im Kopf, aber vermutlich war sie so sehr in seinen Bruder verliebt gewesen, dass sie zu so absurden Mitteln gegriffen hatte, um seiner wieder habhaft zu werden. Möglicherweise hatte sie ja auch niemals vorgehabt, ihm etwas anzutun, sondern ihn nur erschrecken wollen.
Und ihn hatte sie damit wahrhaftig erschreckt. Er unterdrückte ein Lächeln bei dem Gedanken, wie entsetzt er bei der Erkenntnis gewesen war, dass er diesen beiden Frauen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war. Nein, dieses einfältige Mädchen war keine Spionin des Gegners, sondern nur ein dummes Ding, das betrogen worden war.
Lucrezia schniefte leicht auf und griff nach einem feinen Tüchlein, das sie in die Schärpe gestopft hatte. „Es war ja nur, weil ich so gekränkt war. Und dann die Geschichte …“
„Welche Geschichte denn?“
„Jene von der Frau, der die Ehe versprochen und die dann betrogen wurde, während ihr Liebhaber eine andere, reiche Frau heiratete. Sie hat sich dann gerächt und ihn zerstückelt … und … Tatjana sagte ... ich dachte … ich wollte …“
„Du wolltest es genauso machen“, ergänzte Sebastiano verständnisvoll ihren Satz. Zu seiner eigenen Überraschung konnte er ihr die Entführung, den Schlag auf den Kopf und die Wunde an seinem Bein nicht einmal übel nehmen. Sein Bruder hatte ihr offensichtlich böse mitgespielt, und alles, was er empfand, war steigender Zorn auf diesen gewissenlosen Kerl. Es sah ihm ähnlich, ein Mädchen zu verführen und es dann sitzen zu lassen. In diesem Fall jedoch war er, Sebastiano, völlig unschuldig einer Verwechslung zum Opfer gefallen. Zu allem, was sein Bruder sich bereits hatte zuschulden kommen lassen, kam jetzt auch noch diese Verführung und sein eigener Ärger dazu!
Sie führte das Tuch an die Augen, und Sebastiano folgte einer inneren Eingebung, beugte sich vor und küsste sie zart auf die Wange. Sie roch wunderbar nach exotischen Düften, die ihm fast sofort den Verstand vernebelten, und als sie sich ihm ganz zuwandte und ihr Mund so verlockend nahe war, zögerte er nicht lange. Warum auch nicht nehmen, was sich ihm bot? Es war Monate her, dass er zuletzt zwischen den Beinen einer Frau gelegen war. Und kurz, bevor es endlich so weit gewesen wäre, hatten sie ihn niedergeschlagen und entführt. Es war nur recht und billig, dass er sich jetzt seine Befriedigung an ihr holte.
Sie hielt zu seiner Genugtuung still, als er mit seinen Lippen ihre weichen streichelte, aber gerade, als er sie so weit hatte, sie ein wenig weiter zu öffnen, sodass seine Zunge, die zuerst ihre Unterlippe gekostet hatte, Raum fand tiefer zu dringen, zog sie sich zurück.
„Es steht dir nicht zu, mich zu küssen“, sagte sie ein wenig vorwurfsvoll. Ihr Blick glitt von seinem braunen Haar, das ihm in die Stirn hing, über sein gutgeschnittenes, bartstoppeliges Gesicht, seine breite Brust. Die schmutzige Jacke war vor der Brust aufgerissen und gab einen Blick auf das dunkle Kraushaar und eine rosa Brustwarze frei, an der sich Lucrezias Blick einige Herzschläge lang fing, bis er weiterglitt, hinab zu seinen schmalen Hüften und der Hose, die sich zwischen seinen Beinen ein wenig beulte und kaum verbergen konnte, dass ihn der Kuss gereizt und erregt hatte.
Sie erinnerte sich an den Tag, als sie ihn kennen gelernt hatte. Sie hatte auf dem Landsitz ihres Vaters gelebt, fast eine Tagesreise von der Stadt. Und eines Tages, als sie durch die Obstgärten spaziert war, hatte sie ihn getroffen. Einen anziehenden, beredsamen und gebildeten jungen Mann, der angeblich bei Freunden wohnte, die ihr Gut nicht weit von dem ihren hatten. Von diesem Tag an war sie immer wieder heimlich mit ihm zusammengetroffen, zuerst froh, dem Einerlei dieses Lebens zu entgehen, und dann, weil sie sich in ihn verliebt hatte. Mit all der stürmischen Leidenschaft ihres jungen Herzens hatte sie sich seinen Liebkosungen hingegeben und seinen Worten, die von Treue, Liebe und Ehe sprachen, geglaubt. Und dann war er eines Tages fort gewesen. Ohne Abschied.
Sie musterte ihn im Halbdunkel der Kajüte abschätzend. Er hatte sich verändert, seit er sie verlassen hatte. Seine Züge waren härter geworden, so, als hätte er viel erlebt in diesem Jahr, in dem sie ihn so sehr vermisst hatte. Zuerst hatte sie noch gewartet, angenommen, er würde zurückkehren, bis sie hatte einsehen müssen, dass er tatsächlich fort war. Anfangs hatte sie gehofft, es wäre eine Macht, die stärker war als sein Wille, zu ihr zurückzukommen, aber dann hatte sie hören müssen, dass er anderen seine Gunst zugestanden hatte. Nein, schlimmer noch. Von Tatjana hatte sie sogar erfahren, dass er, um seinen Geldbeutel zu füttern, reichen Damen zu Diensten gewesen war. Wenn sie aber sein energisches Kinn betrachtete, seinen schmalen Mund, der zwar ebenso wohlgeformt war, wie sie ihn in Erinnerung hatte, jetzt jedoch einen Zug aufwies, der von Entschlossenheit und sogar Härte sprach, so konnte sie kaum glauben, dass dieser Mann sich tatsächlich kaufen ließ.
Er hatte, während ihr diese Dinge durch den Kopf gegangen waren, keinen Blick von ihr gelassen und lehnte sich nun abermals vor, um nach ihr zu greifen.
Lucrezia schob ihn etwas von sich. Sie hatte eine Entscheidung getroffen. Er würde für das bezahlen, was er ihr angetan hatte. Aber auf eine Art, die ihr vorerst mehr Befriedigung verschaffte als die Heirat - dazu war später immer noch Zeit genug. Es gab in allen Ländern genügend Männer, die sich Sklavinnen kauften, um an ihnen ihre Launen und Gelüste zu befriedigen. Auch von Frauen hatte sie gehört, die sich, wenn auch wesentlich unauffälliger und im Verborgenen, Liebesdiener hielten. Weshalb also nicht auch sie? Zumal er am Vortag ja auch noch so ungestüm darauf bestanden hatte, ihr zu Diensten zu sein. Und außerdem hatte sie ja auch weitaus überzeugendere Möglichkeiten, ihm ihren Willen aufzuzwingen, als Geld. Und wie entsetzt er reagiert hatte, als sie an ihm hatten herumsäbeln wollen, ließ darauf schließen, dass er durchaus willig sein würde, auf ihre Forderungen einzugehen.
Sebastiano, der kaum auf etwas anderes achten konnte, als auf den weichen roten Mund, der nur zwei Handbreit weit von ihm entfernt war, unterdrückte ein ärgerliches Brummen, als sie sich ihm entzog, und zauberte statt dessen ein Lächeln auf seine Lippen. „Ich weiß, meine schönste Lucrezia, ich habe gestern versprochen Buße zu tun, wenn du mich ganz lässt, aber...“
„Du hast versprochen, mein Sklave zu sein“, unterbrach ihn Lucrezia mit einer Bestimmtheit in der Stimme, die ihn aufhorchen ließ. „Und danach musst du dich auch richten. Andernfalls findest du dich sehr schnell wieder am Boden gefesselt wie gestern, und dann werde ich meine Leute bitten, das zu tun, wozu ich zu zartfühlend war.“
Er lehnte sich zurück und ließ keinen Blick von den entschlossenen blauen Augen. „Dein Sklave … stimmt. Dass habe ich versprochen.“ Er musterte sie nachdenklich, während ein Lachen in seine Kehle stieg. Ausgerechnet er, Sebastiano Camponi, der Erstgeborene der Zwillingssöhne des Giacommo Camponi, Patrizier aus einem alten, wenn auch verarmten, venezianischen Adelsgeschlecht, und kampferprobter Soldat, hatte versprochen, einer Frau zu Diensten zu sein.
Es war jedoch unmöglich, seinen Schwur zu halten. Er musste sehen, dass er schnellstens seinen Bruder fand, bevor dieser tatsächlich geheime Auskünfte an den Sultan weiterverkaufte, auch wenn es ihm undenkbar war, wie Raffaelo überhaupt dazu gekommen sein sollte. Er musste ihn fassen, bevor er Schaden anrichten konnte und die Familie in Schande stürzte.
Allerdings durfte er das eben aufkeimende Vertrauen dieses Mädchens nicht gefährden. Ein Gefühl von Beklommenheit ließ ihm seine Brust eng werden, als er erkannte, dass er kein bisschen besser war als sein leichtfertiger Bruder. „Das habe ich versprochen“, wiederholte er ernst, „und ich bin gewohnt, meine Versprechen auch zu halten.“
„Gut.“ Sie klang zufrieden. „Du wirst von jetzt an tun, was ich sage, ohne Widerrede und ohne Zögern. Nur für mich da sein. Du wirst mein Liebessklave sein!“, fügte sie triumphierend hinzu.
Er stieß hörbar den Atem aus. „Was?!“
„Mein Liebessklave“, wiederholte sie entschlossen. Es war nur recht und billig, dass er es wurde und ihr jeden Wunsch erfüllte. Schließlich hatte er sie belogen, betrogen, benutzt und ausgenutzt und dann einfach zurückgelassen wie ein altes Hemd, für das er keine Verwendung mehr fand. Aber jetzt war er in ihrer Hand, und sie würde diesen Umstand weidlich ausnutzen und sich all das von ihm holen, was er ihr durch seine Untreue verweigert hatte.
Sebastiano setzte sich auf. „Madonna! Ihr mögt mich in Eurer Hand haben, Ihr mögt über mein Wohlergehen und über mein Leben entscheiden, aber ein Camponi wird niemals so tief sinken, der Liebesdiener einer Frau zu werden wie ein …“
„Aber du hast es versprochen!“, erwiderte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Sie war erstaunt. Für einen Mann, der sich erwiesenermaßen bereits früher verkauft hatte und dessen Gliedmaßen noch zusätzlich in Gefahr waren, einem scharfen Dolch zum Opfer zu fallen, erschien er überraschend aufsässig.
„Ich habe versprochen, Euch zu dienen“, erwiderte er heftig. „Aber damit meinte ich andere Dienste! Euch zu beschützen! Für Euch da zu sein!“ Nicht, dass er etwas dagegen gehabt hätte, diesen Schutz auch in sehr unmittelbarer Art und Weise auf ihren Körper auszudehnen, aber es war ein gewaltiger Unterschied für ihn, sie zu verführen oder als eine Art Sklave ihren Launen ausgesetzt zu sein. Liebessklave! Ha!, dachte er wütend.

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