Safe Harbor: Sweetest Poison: Es gibt nur dich

Erschienen: 03/2019
Serie: Safe Harbor
Teil der Serie: 3

Genre: Contemporary Romance
Zusätzlich: Second Chance, Secret Baby / Unwanted Pregnancy, Vanilla

Location: New York, USA

Seitenanzahl: 424


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-393-4
ebook: 978-3-86495-394-1

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Safe Harbor: Sweetest Poison: Es gibt nur dich


Inhaltsangabe

Der Mensch, den du am meisten liebst, ist gleichzeitig die Person, die dich am meisten zu hassen scheint.

Naomi Grey hat viele Spitznamen: Cholera, Eiskönigin oder auch kranke Bitch. Beschimpfungen, über denen sie stehen könnte, würde zumindest der Mensch, den sie am meisten liebt, anders über sie denken.

Es gab eine Zeit, in der hätte Asher Knight alles für Naomi getan, doch dann ließ sie ihn voller Zweifel und mit einem gebrochenen Herzen sitzen, um mit einem anderen Mann scheinbar glücklich zu werden.

Jahre voller Schmerz und Sehnsucht vergehen, in denen sie einander nie vergessen konnten.
Als sie dann gemeinsam mit ihren Freunden einen Kurztrip unternehmen, kommt es, wie es kommen muss: Sie geben in einem Moment der Schwäche endlich ihren lang unterdrückten Gefühlen nach und verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander.

Eine Nacht, die ihr Leben in mehrerlei Hinsicht dramatisch auf den Kopf stellen soll, denn plötzlich ist Naomi schwanger und Asher sich ganz sicher – er kann niemals der Vater ihres Kindes sein ...

Über die Autorin

Cheryl Kingston wurde 1990 in einer kleinen nordrhein-westfälischen Stadt geboren und studiert Kommunikations- und Multimediamanagement. Bereits in ihrer frühen Kindheit hat sie die Liebe zu Büchern entdeckt. Die Idee, ebenfalls Geschichten schreiben zu wollen, entwickelte sich in ihrer Jugend und...

Weitere Teile der Safe Harbor Serie

Leseprobe

 

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Naomi

Cholera, Elsa, Eiskönigin … Jede dieser Bezeichnungen tut mir weh. Hat sich überhaupt irgendjemand jemals Gedanken darüber gemacht, weshalb jemand so ist, wie er ist? Warum ich zurückhaltend und meist verschlossen bin? Dass ich nicht arrogant oder hochnäsig, sondern einfach nur einsam bin - mich aus Angst, verletzt und wieder abgewiesen zu werden, schützen will? Kayla ist meine älteste und einzig wahre Freundin. Mit ihr habe ich die gesamten Höhen und Tiefen meines Lebens durchlebt. Für eine Weile habe ich gedacht, dass Asher ebenfalls ein wichtiger Mensch in meinem Leben werden...

...würde, aber das wurde er nicht. Letztlich hat mich mein Vater John wohl am meisten geliebt, doch er ist gestorben, bevor wir all die verlorenen Jahre nachholen und meine Wunden heilen konnten. Ich kann also die Menschen, denen ich wirklich etwas bedeute, an einer Hand abzählen. Bin ich erbärmlich, weil ich mich allein fühle und nach Liebe sehne? Aus Angst davor, wieder weggestoßen zu werden, aber lieber einsam bleibe? Möglich, doch was spielt das für eine Rolle? Jeder denkt doch sowieso über mich, was er will.
Wir essen in einem der besten Restaurants des Ortes zu Abend und dennoch stochere ich ohne Appetit in meinen Ofenkartoffeln herum. Selbst der köstliche Duft des Rinderfilets mit den scharf angebratenen Pilzen und den Zwiebeln kann mich nicht davon überzeugen, zu essen.
»Morgen kommst du aber mit auf die Piste?«, fragt mich Wade. Er hält bereits den ganzen Abend das Gespräch mit mir aufrecht. Er ist nett zu mir, und das tut gut.
»Ich fahre ehrlich gesagt nicht so gerne Ski. Rodeln ist eher mein Ding oder Schneemobil fahren.«
»Das geht mir ähnlich, ich bevorzuge auch eher das Snowboard. Skifahren kommt mir so schickimicki vor.«
»Schickimicki? Dieses Wort habe ich ewig nicht mehr gehört.« Zu meiner Überraschung bringt er mich damit zum Lachen.
»In welcher Welt lebst du?«, neckt er mich.
»Scheinbar in einer, in der das Wort schickimicki außer Mode ist und wo man nur schickimicki ist.«
»Die Hauptsache ist, dass du dich nicht wie eine Schickimicki-Tante verhältst.« Lächelnd schiebt er sich ein blutiges Stück Steak in den Mund. »Erzähl mir ein bisschen über dich. Was machst du außer Rodeln und Schneemobilfahren sonst noch gerne?«
Er zeigt Interesse an mir, ehrliches Interesse, und das freut mich. Die Frage ist jedoch, will ich ihm sagen, was mich glücklich macht?
»Ich reise viel«, antworte ich ein wenig ausweichend. »Ansonsten eben die üblichen Sachen.«
»Falls du die Geheimnisvolle spielen willst, um meine Neugier zu wecken – das hast du bereits«, witzelt Wade. »Aber gut, dann fange ich an. Ich zeichne gerne, bin - wie nicht anders zu erwarten – Gamer und Comic-Fan. Ich bin viel und gerne unterwegs, mache auf meinen Reisen Fotos und lasse mich vom Leben inspirieren.«
»Der typische Herumtreiber also. Wir sind uns scheinbar gar nicht so unähnlich.« Mit nun doch ein wenig Appetit schneide ich ein Stück Filet ab und esse, während Wade fortfährt, mir seine Lebensgeschichte zu erzählen. Ich bin ihm dankbar, denn er ist liebenswert, aber eher wie ein kleiner Bruder. Unauffällig lasse ich meinen Blick schweifen. Alle anderen scheinen ebenfalls in Gespräche verwickelt zu sein, wobei Kayla und Ethan eher balzen als miteinander zu reden. Mein Gesicht beginnt plötzlich zu prickeln und ich schaue auf. Asher starrt mich mit bitterböser Miene an, und ich weiß wieder mal nicht, weshalb. Eigentlich müsste ich ihn mit Blicken erdolchen, immerhin hat er mich vorhin beleidigt und nicht ich ihn. Einige Sekunden erwidere ich sein Starren, doch dann konzentriere ich mich wieder auf Wade.
»Sag Bescheid, wenn du das nächste Mal Lust auf Surfen hast, ich bin gerne am Meer«, antworte ich, aber eigentlich nur, um Asher eins auszuwischen. Ich weiß, mein Verhalten ist kindisch, aber es ist ebenso kindisch von Asher, uns zu belauschen. »Was wohl auch gleichzeitig einen Teil deiner Frage beantwortet. Ich mag das Meer und Wassersport, obwohl ich eigentlich eher ein Schneemensch bin.«
»Weißt du, was du am dringendsten über unsere Eisprinzessin wissen solltest? Sie verdient ihr Geld mit der Produktion von Pornos. Die Firma hat sie von einem alten Sack geerbt und sie stand deshalb sogar unter Mordverdacht. An deiner Stelle würde ich also aufpassen, wen du dir da ins Bett holen willst«, eröffnet Asher und lächelt Wade dabei gehässig an.
Seine Worte sind wie ein Messer, das er mir mit jedem Satz tiefer in mein Herz stößt. Selbst für Ashers Verhältnisse ist das ein Schlag unter die Gürtellinie gewesen. Plötzlich nehme ich alles um mich herum nur noch durch einen Nebel wahr und realisiere nur verschwommen, wie mein Stuhl knallend zu Boden fällt und ich auf den Ausgang zulaufe. Tränen verschleiern mir die Sicht, und ich stoße mit dem Arm schmerzhaft gegen den Türrahmen, aber das hinter mich nicht daran weiterzugehen. Wichtig ist bloß, dass ich hier rauskomme - weg, ganz weit weg.
Erst einige Meter vom Steakhaus entfernt, komme ich zum Stehen. Mein Atem geht keuchend und meine Lunge brennt, aber es ist mein Herz, das schmerzt. Zu ahnen, dass Asher mich verabscheut, ist das eine, aber zu hören, wie wenig er wirklich von mir hält, ist noch um vieles schlimmer. Müsste er mich nicht besser kennen? Wissen, dass ich mehr bin als ein nettes Anhängsel, vor allem mehr als eine Erbschleicherin und Mörderin? Ich wollte das Erbe nicht, auch wenn es mir rechtlich zustand. Was also hätte ich machen sollen? Das Geschenk des Mannes mit Füßen treten, der mich bedingungslos und von Herzen geliebt hat? Ihm so danken, dass er mir nach all den Jahren den Halt gegeben hat, den ich so vorher nie gekannt habe?
»Naomi, komm zurück! Es ist scheiße kalt hier draußen, du holst dir noch den Tod!«, flucht Asher ungehalten hinter mir und stampft durch den Schnee auf mich zu.
Er kommt mir nach? Doch selbst wenn, mittlerweile ist sogar meine selbstzerstörerische Schmerzgrenze erreicht. »Willst du das denn nicht? Wünschst du dir nicht genau das? In deinen Augen bin ich doch sowieso nichts wert. Noch nicht mal einen Funken Toleranz verdiene ich deinem Verhalten nach. Geschweige denn, dass du Respekt mir gegenüber hast. Macht es dir Spaß, mich immer wieder vor allen und jedem so niederzumachen? Was zum Teufel habe ich dir getan?« Ich drehe mich zu ihm um, mir ist egal, dass er sieht, wie sehr er mich verletzt hat.
Gerade mahlt er noch mit den Zähnen, doch im nächsten Moment überzieht tiefe Trauer sein Gesicht. »Fuck!«, schreit er. »Es gab Zeiten, da hast du das Beste aus mir herausgeholt. Mittlerweile zerrst du immer wieder das Monster in mir hervor!«
Sprachlos starre ich ihn an. Was will er mir damit zu verstehen geben?
»Es tut mir leid, ich hätte das nicht sagen sollen«, gibt er leise, aber deutlich zu.
»Warum tust du es dann?« Es beginnt zu schneien und ein Schauer überkommt mich.
»Ich weiß es nicht, zum Teufel. Ich kann einfach nicht anders.« Er weicht meinem Blick aus und dennoch ist mir klar, dass Asher nicht die volle Wahrheit sagt; er verbirgt etwas vor mir. »Können wir es nicht einfach dabei belassen? Ich sage es noch mal, es tut mir ehrlich leid, ich hätte das nicht sagen sollen. Bitte komm mit mir zurück ins Warme.«
»Hey, ist alles okay bei euch?« Wade kommt auf uns zu und reicht mir meinen Mantel und meine Tasche.
Erneut sehe ich, wie Asher mit dem Kiefer mahlt. Was ist bloß los mit ihm?
»Alles okay, ich möchte bloß zurück auf die Hütte und ins Bett«, antworte ich matt.
»Dann lass uns fahren, ich bringe dich«, bietet Wade sofort an und klingt ernsthaft besorgt.
»Kümmere dich um deinen eigenen Scheiß, ich bringe Naomi zurück«, mischt sich Asher wieder ein.
»Ich lasse Naomi ganz sicher nicht mit dir Arschloch allein.«
»Ich sag’s dir noch mal: Naomi geht dich einen Scheiß an!«
Wie zwei aufgeblasene Gockel stehen sie voreinander und fechten einen Kampf mit Blicken aus. Es würde mich nicht wundern, wenn sie sich als Nächstes sogar prügeln würden.
»Es wäre sehr nett, wenn du mich zurück zur Lodge bringst, Wade«, beende ich letztendlich die Auseinandersetzung zwischen ihnen und ignoriere Asher. Ich weiß auch ohne zu hinzuschauen, dass er vor Wut regelrecht schäumt, aber das ist sein Problem, ich habe im Moment für weitere Streitereien mit ihm keine Kraft mehr. Ohne zurückzuschauen, gehe ich zum Parkplatz und steige in Wades Pick-up.
Wir haben die halbe Strecke zurückgelegt, als Wade das Wort ergreift: »Was war das vorhin? Bin ich ihm ins Gehege gekommen? Seid ihr irgendwie zusammen oder so?«
Ich stoße ein bitteres Lachen aus. »Nein, wie du gehört hast, sind wir weit davon entfernt.«
Wieder schweigt er eine Weile. »Wenn er gekonnt hätte, hätte Asher dich angepinkelt und als die Seine markiert. Das, was er gesagt hat, war wirklich hässlich und sicher auch sehr verletzend, aber ich habe ihn beobachtet. Ihm hat es nicht gefallen, dass wir uns gut verstehen. Er ist regelrecht vor Eifersucht explodiert.«
»Sollen wir die Plätze tauschen? Muss ich den restlichen Weg zurückfahren? Du scheinst nämlich zu viel Bier getrunken und nun Halluzinationen zu haben, anders kann ich mir nicht erklären, wie du auf so einen Unsinn kommst - Asher hasst mich!«
»Selbst wenn er das wollte, er kann es nicht. Ich erkenne, wenn Männer Anspruch auf eine Frau erheben, und das hat er. Seine Art, das umzusetzen, ist daneben, aber er hat mich in meine Schranken verwiesen. Was auch immer also zwischen euch abgeht und ganz egal, wie krank der Scheiß ist, das mit euch ist noch lange nicht vorbei.«
Wades Worte bringen mich zum Grübeln. Er muss sich irren. Asher ist weder eifersüchtig noch erhebt er in irgendeiner Art und Weise Anspruch auf mich - wie dämlich ist der Ausdruck überhaupt?

 

Asher

Ich schäume vor Wut. Sie lässt mich stehen? Schon wieder, ist das ihr Ernst? Fuck! So ein verdammter Drecksscheiß!
Wäre ich nicht so stinksauer darüber, dass sie mit diesem Wichser abgehauen ist, würde ich mir eingestehen, dass nichts anderes zu erwarten gewesen ist. Immerhin habe ich sie zutiefst gedemütigt. Ich könnte mir dafür in den Arsch beißen. Was ist bloß in mich gefahren? Ich wusste nicht mal, dass ich so etwas überhaupt denke. Ich meine, natürlich denke ich so nicht über sie. Naomi kann tausende Beweggründe gehabt haben, diesen alten Sack mir vorzuziehen, aber nicht, um ihn zu ermorden und sein Geld zu kassieren. Das hat sie nicht getan und das würde sie auch niemals machen … ganz egal, was ich von der Sache halte. Naomi hat diesen Kerl so sehr geliebt, dass sie sich nach seinem Tod umbringen wollte. Allein der Gedanke, dass ihr jemanden so viel bedeutet hat und dieser Mensch nicht ich gewesen bin, zerfrisst mein Herz.
Scheiße! Scheiße! Scheiße! Ich bin so ein verdammtes Arschloch! Vollkommen außer mir raufe ich mir die Haare. Naomi und Wade sind seit einer Viertelstunde weg, und trotzdem stehe ich immer noch in der Kälte und kann nicht zurück zu unseren Freunden. Nicht weil ich Angst vor ihrem Unmut habe, sondern weil ich mein Verhalten bereue und mich schäme. Statt sie bloßzustellen, hätte ich die Chance nutzen und bereits heute Mittag mit ihr reden und endlich alles klären sollen. So hätte ich die Vergangenheit vielleicht ruhen lassen können, und es wäre nicht zu der hässlichen Situation gerade gekommen. Hoffentlich entschließt sie sich nicht wegen mir, frühzeitig abzureisen. Ich wünsche mir wirklich, dass wir an diesem Wochenende doch noch dazu kommen, uns auszusprechen. Andererseits ist es möglicherweise keine so gute Idee, vier Jahre gereifte Probleme im Beisein von sechs anderen Menschen aus dem Weg zu räumen.
Der Schneefall wird stärker und die Kälte durchdringt meinen dicken Pullover. Seufzend schaue ich in den Himmel. Ich sollte ihr hinterherfahren, letztlich gehe ich jedoch wieder zurück ins Restaurant. Als ich mich an den Tisch setze, sehen mich alle wütend an. Kayla scheint sogar ihr Steakmesser gewetzt zu haben und bereit zu sein, mich von oben bis unten aufzuschlitzen.
»Ich habe es versaut, ich weiß!«, gebe ich zu und lasse mich mit erhobenen Händen auf meinen Stuhl fallen.
Kayla legt mir die Hand auf den Arm und drückt so fest zu, dass ich mich frage, woher sie so verdammt viel Kraft hat. »Wo ist sie?«
Ohne mit der Wimper zu zucken, sehe ich sie an. Ich wäre enttäuscht, wenn Kayla nicht für sie einstehen würde. »Wade bringt sie zurück zur Hütte.«
Sie beugt sich noch näher zu mir und zischt, sodass nur ich sie hören kann: »Wenn das hier nicht Olivia und Blairs Wochenende wäre, würde ich dir die Eier abschneiden und sie dir in dein dreckiges Maul stopfen. Asher Knight, du bist das Allerallerletzte.«
»Es tut mir leid«, erwidere ich lediglich und mache mir weiter Selbstvorwürfe. Wie ist es nur so weit gekommen?
»Sollte es auch, Asher. Ernsthaft, du weißt gar nicht, was du angerichtet hast.«
Zum ersten Mal frage ich mich, ob hinter der Sache mit dem alten Sack mehr steckt. Dinge, von denen ich nichts weiß und die womöglich jeglichen Horizont meiner Vorstellungskraft überschreiten.
Ich sehe auf und begegne Kanes Blick. Er sieht nicht nur wütend aus, sondern mordswütend. Wir hatten vor einiger Zeit schon mal ein Gespräch dieser Art, wir hatten ja sogar vor zwei Wochen einen Disput über genau das, was ich heute angerichtet habe. Ich hätte es besser wissen, aber vor allem besser machen müssen. Was mich aber wirklich trifft, ist sein enttäuschtes Kopfschütteln.
Zornig ramme ich die Gabel in mein mittlerweile kaltes Steak und schneide ein großes Stück ab. Warum bin ich bloß immer so verbittert, wenn ich auf Naomi treffe? Kenne ich in Verbindung mit ihr überhaupt ein anderes Gefühl? Auch wenn ich mich selbst bemitleide, realisiere ich die unterkühlte Stimmung am Tisch, aber zum Glück finden die anderen nach einiger Zeit wieder in ihre Gespräche und ich kann schweigend dasitzen und meinen Gedanken nachhängen. Als wir letztendlich eine Stunde später aufbrechen und zur Hütte zurückkommen, sitzt Wade allein im Wohnzimmer und schaut irgendeinen Film. Ich würde mir niemals die Blöße geben und ihn fragen, wo Naomi ist, oder sie suchen gehen, daher ist es gut, dass Kayla nachfragt. Die komplette Antwort bekomme ich nicht mit, nur das Essenzielle, und zwar, dass Naomi zu Bett gegangen sei. Ich fühle mich ein wenig nutzlos, weiß zumindest nicht, was ich mit mir anfangen soll, und gehe in die Küche. Auf dem Tresen steht immer noch die Schachtel mit den Cookies, und mein schlechtes Gewissen wächst.
»Zufrieden?«, schnaubt mein bester Freund und knallt die Weinflasche, die er öffnen will, etwas zu fest auf die Theke. »Stimmungskiller Asher hat gewütet, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Was hat dir eigentlich das Hirn so vernebelt? Dein Verhalten war einfach geschmacklos!«
»Ich fühle mich schon schlecht genug, spar dir deine Vorwürfe also, okay?«
Kane muss irgendetwas in meinem Blick gesehen haben, denn er reitet nicht weiter auf meinen verbalen Entgleisungen herum, lässt das Thema aber auch nicht fallen. »Du und Naomi, ganz egal, was zwischen euch ist, du solltest endlich die Arschbacken zusammenkneifen und das klären, statt dich ihr gegenüber wie ein elender Bastard zu benehmen!«
Nun verliere ich doch die Fassung. »Habe ich dich je so von oben herab behandelt, als du es mit Olivia versaut hast? Habe ich dir Vorhaltungen gemacht oder dich als Bastard bezeichnet? Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe. Ich habe mich immerhin entschuldigt.«
Überrascht von meinem Ausbruch schaut Kane von der Flasche auf. »Du hast recht, ich bin zu weit gegangen. Mein Problem ist einfach, dass ich nicht verstehe, was los ist. Jedes Mal, wenn ihr aufeinandertrefft, endet es so. Du bist Feuer und sie ist Benzin. Naomi muss bloß in deine Nähe kommen und du legst quasi das ganz Dorf in Schutt und Asche.«
»Das Leben ist nun mal kein Ponyhof, und nicht jeder bekommt das, was er will.«
»Du willst also Nao…«
»Ich werde jetzt ins Bett gehen, macht ihr euch einfach noch einen schönen Abend. Wie du schon sagtest, ich bin heute der Stimmungskiller«, unterbreche ich Kane, bevor er die Wahrheit laut aussprechen kann. Ohne seine Antwort abzuwarten, stürme ich die Treppe hoch.
Kurz stehe ich im Flur und frage mich, ob Naomi ebenfalls hier oben schläft oder einen von den unteren Räumen bezogen hat. Im Endeffekt spielt es keine Rolle, ich würde sowieso nicht an ihrer Tür klopfen. Was hätte ich auch machen sollen? Mich noch mal entschuldigen? Wenn ich wüsste, dass es helfen und sie mit mir reden oder mir wenigstens zuhören würde, dann wäre das Ganze eine zweite Überlegung wert, aber so? Nachdenklich gehe ich auf mein Zimmer und schließe die Tür. Dann tue ich etwas, das ich schon ewig nicht mehr gemacht habe. Ich greife nach meinem Smartphone und öffne die Cloud. In einem Ordner ganz weit unten finde ich sie – Bilder von Naomi und mir.
Wehmütig fahre ich mit dem Finger ihren Mund mit dem strahlenden Lächeln nach. Wie konnte es bloß so weit kommen, dass wir uns fremd geworden sind und jedes Aufeinandertreffen mit ihr Freude, aber vor allem Leid bei mir auslöst?

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