Raleigh Rough Riders: Filthy Player

Erscheint: 08/2019
Serie: Raleigh Rough Riders
Teil der Serie: 2

Genre: Sport Romance
Zusätzlich: Contemporary, Millionärsromanze

Location: USA


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-405-4
ebook: 978-3-86495-406-1

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Raleigh Rough Riders: Filthy Player


Inhaltsangabe

Die Raleigh Rough Riders sind zurück, und dieses Mal ist es der Super Bowl-Quarterback Beaux Hale, der das wichtigste Spiel seines Lebens spielen muss.

Jede Frau weiß, dass Beaux Hale sich für nichts als seinen Sport interessiert. Doch ab dem Moment, in dem das Rough Riders-Team das Restaurant betritt in dem Paige Halloway kellnert, fühlt Paige ein Prickeln in Beaux‘ Gegenwart. Dann hört sie ihn mit seinen Teamkollegen über sie reden, und schlagartig vergeht ihr das Prickeln.
Beaux scheint zu denken, dass er mit seinem Geld, Ruhm und sexy Aussehen jede Frau rumkriegen kann – doch er irrt sich. Denn Paige hat keine Zeit für die Liebe. Sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, Geld zu verdienen um ein Dach über dem Kopf zu haben und die Pflege ihres kranken Vaters bezahlen können.

Wie gut, dass Beaux kein Mann ist, der beim geringsten Widerstand aufgibt, sondern jemand, der notfalls auch schmutzig spielt …

Teil 2 der Raleigh Rough Riders-Reihe.

Über die Autorin

Stacey Lynn verbrachte den größten Teil ihres Lebens im mittleren Westen der USA, bevor es sie kürzlich an die Ostküste verschlug. Vielleicht lag es an den langen und kalten Wintern, dass sie aus lauter Langeweile jedes Buch verschlang, das sie...

Weitere Teile der Raleigh Rough Riders Serie

Leseprobe

Paige

„Du bist mal wieder zu spät.“
Ich sah meinen Boss Paulie an und versuchte, bei seinem angesäuerten Gesicht und den Schweißperlen auf der Stirn nicht zusammenzuzucken. „Ich weiß, und es tut mir furchtbar leid, aber mein Dad …“
„Schluss mit den Ausreden. Kennt man eine, kennt man alle.“
Mit einer Handbewegung wischte er meine Begründung vom Tisch, die gar keine Ausrede war. Schließlich konnte ich nichts dafür, dass mein Vater aus dem Rollstuhl gefallen war, als er sich in seinen Fernsehsessel begeben wollte, und dass ich ihn erst nach zwanzig Minuten endlich vom Boden hochbekommen hatte. Ich sollte dringend...

...einen Gewichtheberkurs besuchen. Allerdings brauchte ich erst einmal das Geld, um ihn zu bezahlen.
„Geh an die Arbeit“, fuhr Paulie fort. „Annabelle hat sich für heute Abend krankgemeldet, also fehlt uns eine Bedienung, und ich habe gehört, dass die Riders nach ihrer Pressekonferenz hierherkommen wollen.“
„Na toll“, murmelte ich wegen beidem: dass das Raleigh-Rough-Riders-Footballteam aufschlagen wollte und dass Annabelle mal wieder nicht da war. Ich verspätete mich ab und zu einmal, aber wenigstens ließ ich mich blicken. Annabelle war hier die unzuverlässigste Kellnerin. Und wenn sie da war, war sie von allen die Faulste, was mich noch mehr ärgerte.
„Aber ich warne dich, Paige“, sagte Paulie und kam mir so nahe, dass ich zurückweichen musste. Der Mann war übergewichtig und hätte mich mit seinem Bauch gegen die nächste Wand schubsen können. „Das ist deine letzte Chance. Sei pünktlich oder komm gar nicht mehr.“
Am liebsten hätte ich ihn daran erinnert, dass Annabelle heute schon mindestens das zehnte Mal nicht erschienen war, während ich erst zum dritten Mal zu spät kam, doch das würde keinen Unterschied machen. Annabelle war seine Nichte. Sie konnte machen, was sie wollte.
Ich hingegen …
Während ich mir die schwarze Schürze umband, fluchte und meckerte er weiter und schlurfte davon. Als ich angefangen hatte, im Ride’Em Rough Saloon zu arbeiten, versicherten mir die Kellnerinnen, dass Paulie zwar bellte, aber nicht zubiss. Ich hoffte, sie hatten recht. Der Name des Barbecue-Restaurants war selbst für amerikanische Verhältnisse echt primitiv – Reite sie hart. Aber es funktionierte wegen der unmittelbaren Nähe zum Rough-Riders-Stadion.
Ein paar Stunden später schwitzte ich unter den Brüsten, was beeindruckend war, denn besagte Brüste waren alles andere als beeindruckend. Das Haar klebte mir am Nacken. Es musste sich in Raleigh herumgesprochen haben, dass die Rough Riders nach der Pressekonferenz hier erscheinen würden. Jedes Jahr nach der Vorsaison, noch bevor die erste Woche der Hauptsaison anfing, hielten sie eine Pressekonferenz ab. Es war so voll hier, dass die Leute draußen Schlange standen.
An solchen Tagen stellte Paulie Türsteher ein, die professionellen Wrestlern das Fürchten lehren könnten. Doch es war derartig überfüllt, dass ich mich fragte, ob vielleicht ein paar von denen auch nicht gekommen waren.
Meine Füße schmerzten und meine Knöchel brannten in den Sandalen, die wir zusammen mit Jeansshorts und engen bauchfreien T-Shirts – in den Trikotfarben der Rough Riders – tragen mussten, und ich hatte genug davon. Genug von Kerlen, die meinen Hintern betatschten, weil ich diese Uniform am Körper kleben hatte. Genug von betrunkenen Jungs, die gerade einmal alt genug waren, hier hinein zu dürfen, und die einen Blick auf ihre Helden werfen wollten, weil diese ein Stück Schweinsleder wie eine Rakete mit Zielvorrichtung dreißig Yards weit werfen konnten. Zwar war mir die Liebe zu den Rough Riders in die Wiege gelegt worden, doch nach vier Stunden Schicht hatte ich von denen ebenfalls genug.
Mein Dad liebte Football – absolut alles an dem Spiel. Er hatte selbst für die Purdue University gespielt, ehe er wieder nach Raleigh gezogen war, um die Autowerkstatt seines Vaters zu übernehmen. Mom hatte jedoch den Footballspieler aus dem College haben wollen, und nicht den Mann, der jeden Penny zweimal umdrehen musste. Schließlich hatte sie genug gehabt von der Ehe mit einem Automechaniker, anstatt das luxuriöse Leben zu führen, mit dem sie aufgewachsen war und das sie sich von Dad erhofft hatte, und zog zurück in ihre Heimatstadt in Michigan. Scheinbar wollte sie mich ebenfalls nicht mehr haben. Ich war vier Jahre alt, als sie ging. Trotzdem, Dad und ich haben das ganz gut hinbekommen.
Zumindest, bis er vor einem Jahr einen Schlaganfall erlitten hatte und ein paar Monate später einen zweiten, nach dem seine rechte Körperhälfte teilweise gelähmt war. Inzwischen hatte er etwas von seiner Beweglichkeit zurückerlangt und konnte manchmal einen Rollator benutzen, doch er benötigte immer noch Hilfe für sich und das Haus. Zu der Lähmung kam erschwerend hinzu, dass die Schlaganfälle seine geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt hatten, sodass er manchmal nicht gerade die besten Entscheidungen traf.
Jetzt war ich dazu gezwungen, nicht nur das Büro der Werkstatt zu führen, sondern auch für Paulie zu arbeiten, damit wir die astronomischen Arztrechnungen bezahlen konnten, denn eine Krankenversicherung hatten wir nicht.
Eigentlich konnte ich es nicht allein schaffen und brauchte Hilfe, doch auf keinen Fall würde ich jemanden um etwas bitten. Das ging nie gut, sondern brachte nur Verpflichtungen mit sich, die schlimmer waren, als die ursprüngliche Hilfe wert war.
„Verdammt, Paige“, sagte Hannah und stieß mich mit der Hüfte an, damit ich ihr auch zuhörte. „Du bist vielleicht ein Glückspilz.“
„Was? Warum?“ Ohne sie anzusehen, gab ich Bestellungen in das Computersystem ein.
„Du verarschst mich, oder? Ray hat soeben sechs Mann aus dem Team an einem deiner Tische platziert. Was würde ich nicht alles für ein Stück dieses wunderbaren Klasse-A-Premium-Fleisches machen.“
Ihre Stimme war leise geworden und ich musste lachen. Ausgeflippte Hannah. Mit mehr Sternchen in den Augen als Hirn im Kopf versuchte sie ständig, sich einen Rider zu angeln. Ihr Problem war, dass sie es übertrieb und vom ersten Augenblick an zu viel Anhänglichkeit ausstrahlte. Mehr als einen Spieler hatte ich erschrocken zurückweichen sehen, obwohl Hannah mit großen Möpsen und einem Hammer-Body ausgestattet war. Außerdem war sie süßer als der Kirschkuchen meiner Oma. Aber sie überrumpelte die Männer, wirkte leicht irre und zu sehr wie ein durchgeknallter Fan.
„Verdammter Mist“, murmelte ich. „Willst du das übernehmen?“
„Schön wär’s. Beaux Hale ist da. Ich schwöre, als er das letzte Mal hier war, hat er mich voll abgecheckt. Aber Paulie schmeißt mich sofort raus, wenn ich das Team noch einmal bediene.“
Paulie und seine Drohungen. Es war nicht unbedingt Hannahs Schuld, dass ihr beim Anblick der NFL-Spieler die Knie weich wurden. Sie konnte nichts dafür, dass diese Männer so viel Testosteron verströmten, dass die weibliche Libido schon beim bloßen Anblick ansprang. Sie trugen ihre Pheromone genauso mit sich herum wie ich meine Unabhängigkeit. Hell und strahlend wie der Times Square an Silvester.
Diese Männer hatten einfach das gewisse Etwas.
Ich konnte nicht lügen und behaupten, dass sie mich kaltließen. Doch das Letzte, was ich im Leben gebrauchen konnte, war ein Footballspieler, die bekannt dafür waren, solche Aufreißer zu sein, als moralisch vertretbar war.
„So schlimm war es gar nicht“, sagte ich zu Hannah, nahm mein volles Tablett und bedankte mich bei den Köchen.
„Paige, ich habe vier Schalen Tomatensuppe über Oliver Powell gekippt.“
Ich prustete. Ich konnte es nicht stoppen, es war einfach zu witzig gewesen. Der berühmte Tight End der Rough Riders wirkte immer so verkrampft, dass ich gar kein Mitleid gehabt hatte, als er in Suppe ertränkt wurde.
Außerdem war es schwierig genug, die schweren Tabletts zu schleppen, und jemand hatte Hannah gestoßen. Die Jungs um Powell hatten sich kaputtgelacht, und es hatte niemanden weiter gestört außer Paulie, der Angst hatte, sie als Kunden zu verlieren.
„Gut, das war unangenehm, aber ich gebe dir trotzdem mein ganzes Trinkgeld, wenn du sie übernimmst. Ich finde eine Ausrede für Paulie, falls er es merkt.“
Ich hatte bis jetzt ein paar Hundert an Trinkgeld bekommen und wir brauchten jeden Penny, aber ich war erschöpft und sechs Rough Riders zu bedienen, stellte momentan alles andere als Spaß dar.
Sie verdrehte die Augen. „Als ob ich das annehmen würde. Du brauchst die Kohle.“
Hannah war einfach die Beste.
Zwar verbarg ich nicht viel, doch ich war auch kein offenes Buch. Dad hatte mich jedoch oft genug hier besucht, sodass die meisten meiner Kollegen wussten, dass er nicht gesund und ich für ihn verantwortlich war.
„Weißt du, was du noch brauchst?“
Ich balancierte das Tablett mit den Hamburgern aus und sah über meine Schulter. „Was?“
„Du solltest dich mal wieder flachlegen lassen.“ Sie grinste und hüpfte herum. „Und sieh dir nur die sexy Jungs an deinem Tisch an. Ich bin sicher, alle Singles würden das gern für dich übernehmen.“
„Du bist unverbesserlich“, sagte ich und ließ Hannahs Lachen hinter mir. Die Frau war verrückt. Aber sie hatte recht. Es war so lange her, dass ich Sex gehabt hatte, dass ich schon anfing zu vergessen, wie ein Penis aussah.
Das bedeutete aber nicht, dass ich mich von einem Rough Rider flachlegen ließ.
Auf keinen Fall.
Niemals.
Nie.

„Willkommen im Ride’Em Rough, was kann ich euch bringen?“
Ich versuchte, selbstbewusst und höflich zu klingen. Eine Meisterleistung bei einem Haufen Männer am Tisch. Sechs Rough Riders, alle groß und stark, alle grinsend als wäre ich ihre nächste Mahlzeit. Nicht zum ersten Mal bediente ich einige der Spieler, doch es war nie einfach, in deren Gegenwart die Ruhe zu bewahren.
Ich war schon ein Fan des Teams, bevor ich sprechen konnte, und der Babystrampelanzug, in dem ich aus dem Krankenhaus gekommen war, bewies das. Obwohl ich die Jungs seit über zwanzig Jahren im Fernsehen betrachtete, war ich nicht auf die instinktive Reaktion meines Körpers vorbereitet gewesen, als ich hier im Sommer anfing zu arbeiten und die Spieler das erste Mal leibhaftig sah.
Heute war es das erste Mal, dass ich Beaux Hale bediente, obwohl er schon öfter hier gewesen war. Er war der Stammquarterback und saß nun genau neben mir, nah genug, dass ich seine Körperhitze, die durch sein T-Shirt drang, spüren konnte.
Ich blickte die Männer am Tisch an und alle sahen zu Beaux. Gott helfe mir, der Mann war so unglaublich sexy. Seine Augen waren blau und er hatte dichtes blondes Haar. Sein Rasierwasser umgab ihn in sanften, unaufdringlichen Duftwellen, die ich durch den Geruch von Hamburgern und Bier hindurch dennoch wahrnahm. Er war der Einzige in der Gruppe, der anstatt Hemd und Krawatte nur ein graues T-Shirt trug.
Voll cool.
Dem Grinsen nach zu urteilen, das er mir zuwarf, war ihm dies bewusst.
„Zwei Krüge von was auch immer für eine Marke ihr im Fass habt.“
„Wir haben Vortex und Freak Nature.“ Und da ging meine Stimme dahin. So viel zu selbstbewusst. Sie schwankte schlimmer als unser Weidenbaum im Wind.
Normalerweise hatte ich keine Probleme damit, bei diesen Männern die Nerven zu behalten. Es waren Kerle wie alle anderen auch, nur hatten sie mehr Millionen, als ich je sehen würde, und mussten sich keine Sorgen um ihre pflegebedürftigen Eltern machen. Doch Beaux Hale hatte etwas an sich, das mich an Stellen berührte, die ich nicht unbedingt hasste.
Persönliche, empfindsame Stellen.
„Ich weiß nicht, was die anderen Säcke hier wollen“, sagte Beaux und lehnte sich zu mir. „Aber mir gefällt ab und zu eine etwas verrückte Art.“ Womit er sich auf den Namen des Biers Freak Nature bezog, es aber eindeutig zweideutig meinte.
Guter Gott! Ich hätte mir Luft zugefächelt, wäre das nicht zu offensichtlich gewesen. So viel zu meiner Fähigkeit, bei diesen Jungs cool zu bleiben. Hale stand einfach auf einem anderen Blatt.
Ich hatte ihn zu oft auf Sportsendern gesehen und auf den Titelblättern von People und GQ. Er war Raleighs neuer Held, der das Team in der letzten Saison zum Super-Bowl-Sieg geführt hatte.
Man sagte, dass sie bereit und fähig seien, es dieses Jahr erneut zu schaffen. Das Talent dazu hatten sie jedenfalls. Das wusste ich, weil ich mit Dad öfter den Sportkanal ESPN als irgendeinen anderen Sender sah. Und seit dem Sieg im letzten Jahr redeten alle nur davon, dass die Rough Riders es ein zweites Mal schaffen könnten. Da sie alle vier Spiele der Vorsaison gewonnen hatten, sah es ganz danach aus.
„Okay, na dann“, sagte ich und meine Stimme war total leise geworden. Verträumt. Himmel noch mal, dreißig Sekunden in der Nähe dieses Mannes und ich verwandelte mich in Hannah. Ich zwang mich, den Blick von Beaux zu nehmen. „Noch etwas?“
„Ich glaube, das reicht erst mal“, sagte einer, dessen Name ich nicht kannte.
„Oh“, warf der Wide Receiver, Kolby Jones, ein. „Ich nehme das, was Hale bekommt.“
„Niemand kriegt das, was ich haben werde.“ Die Entschlossenheit und der volle Klang in Beaux’ Stimme erstaunte mich und ich sah ihn an. „Ich teile nicht“, fuhr er fort. Er sah auf den Tisch und dann wieder zu mir. Seine blauen Augen funkelten mich an und er zwinkerte kurz.
Das holte mich aus den Fantasien zurück in die Wirklichkeit.
Genau. Dieser Mann machte jeden Sommer eine Reise mit dem Wohnmobil. Und laut den Schundzeitungen, aus denen mein Dad berichtete – denn er berichtete immer alles über Hale –, waren das recht irre Urlaube. Partys mit Blondinen, Brünetten und ein paar Rothaarigen. Anscheinend diskriminierte der Mann keinen Frauentyp. Auf den Fotos trugen diese Frauen kaum vorhandene Bikinis, und Beaux stellte tief sitzende Shorts, seine nackte Brust und einen Bauch, der Waschbretter in den Schatten stellen konnte, zur Schau. Zwar mochte der Kerl einen Arm wie eine Rakete haben und besser zielen können als ein olympischer Bogenschütze, doch pflügte er sich auch schneller durch die Frauen, als er einen Pass werfen konnte.
Das war wirklich das Letzte, was ich brauchen konnte.
„Ich bin in wenigen Minuten mit den Getränken zurück und nehme die Essensbestellungen auf“, sagte ich und sah Beaux nicht noch einmal an.
Bei den Männern am Tisch saß das freche Grinsen genauso locker wie ihre Krawatten. Kein Trinkgeld der Welt war diesen Stress wert. Ich wollte an Hannah übergeben und dafür nächstes Wochenende eine Doppelschicht machen.
„Was, wenn ich schon weiß, was ich will?“, fragte Beaux und drehte sich auf dem Stuhl um.
Einen Arm hatte er auf die Rückenlehne des Stuhls gelegt und den anderen auf den Tisch. Seine Hände waren mir nahe genug, um meine Schenkel zu berühren. Mich durchlief ein Schauer und ich verstand seine Anspielung.
„Ich bin ziemlich sicher, dass das, was Sie wollen, nicht zu haben ist.“
Ich eilte zur Bar und gab die Bestellung ein, blickte nicht zurück und wollte nicht wissen, ob er mir nachsah.
Ich wusste es auch so.
Ich spürte seinen heißen Blick auf meinem Hinterteil, als ob es seine Hände wären.

Beaux

„Korb gekriegt, was, Kleiner? Mann, das ist scheiße. Passiert dir wohl nicht oft, oder?“
Ich schubste Kolbys Ellbogen vom Tisch und von mir fort. „Träum weiter, und wen nennst du hier klein?“
Verdammt, er hatte recht. Wann hatte ich das letzte Mal so eine Abfuhr bekommen? Ich hatte das Interesse in den Augen unserer schönen Kellnerin entdeckt, als sie mich ansah. Es war unmöglich, ihre roten Wangen und ihre beschleunigte Atmung zu übersehen. Das war eine Sekunde vorher passiert, ehe sich mein Schwanz regte, als sie neben mich trat. Sie war verflucht umwerfend und fiel mir nicht zum ersten Mal hier auf.
Sie versuchte, es zu überspielen, doch mir hatten sich schon genug Frauen an den Hals geworfen, um die Zeichen deuten zu können.
Außerdem hatte ich die Schnauze voll davon. Der Sommerurlaub, den ich jedes Jahr machte, um vor dem Vorsaisontraining Dampf abzulassen, hatte mir verdeutlicht, wie leid ich die weiblichen Fans war. Die Brüste, die mir ins Gesicht gehalten wurden, die Autogramme, die von mir verlangt wurden, das ständige Berühren meines Körpers, als ob sie dazu ein Recht hätten, nur weil ich wöchentlich dreieinhalb Stunden lang im Fernsehen zu sehen war.
Was war aus Sitte und Anstand geworden?
Ich hatte den Trip vorzeitig beendet, als ich feststellte, wie sehr ich meine Schwester und die Jungs vom Team vermisste, weil sie zu so etwas wie Brüdern für mich geworden waren.
Nicht, dass mich Shannon besonders vermisst hatte. Sie hatte sich in Oliver Powell verliebt, unseren Tight End und amtierenden Arschloch-Team-Captain. Glücklicherweise liebte er sie auch. Sie hatten sich verlobt und planten die Hochzeit für gleich nach dem Ende dieser Saison.
Sosehr ich auch der Frauen müde war, die mir ihre Titten ins Gesicht drückten, fand ich die schnelle Abfuhr dieser Frau, die errötete und Atemschwierigkeiten in meiner Gegenwart bekam, erfrischend neu.
Irgendwie gefiel mir das.
Grinsend rieb ich mir die Unterlippe und trank dann etwas Wasser, während wir auf unsere Getränkebestellung warteten.
„Ich weiß, wovon du heute Nacht träumst“, sagte Brian Matthews.
Er war unser Center und wir waren eng befreundet. Ging auch nicht anders, wenn man bedachte, dass ich die Hände in jedem Spiel ziemlich nah an seinen Eiern hatte. Er war mein erster Verteidiger und rettete mir auf dem Spielfeld oft den Arsch.
„Fick dich“, knurrte ich. Himmel, ich war angespannt. In dieser Saison bekam ich Druck von allen Seiten, mehr als letztes Jahr. Die Pressekonferenz hatte die hohen Erwartungen an uns in Stein gemeißelt. „Übrigens macht Siegen keinen Spaß, wenn der Kampf leicht ist.“
Matthews schlug seine Faust gegen meine und nickte. „Genau, Alter.“
Die Jungs am Tisch stimmten alle zu, doch ich brauchte deren Bestätigung nicht. Ich war nicht per Zufall der beste Quarterback der NFL geworden. Es war teilweise mein Talent und jede Menge Anstrengung. Natürlich half mir dabei auch, dass mein Körper für Schnelligkeit und Kraft wie geschaffen war, und an beidem arbeitete ich bereits, seit ich zwölf Jahre alt war und bei meinem ersten Jugend-Football-Championship-Finale auf den Geschmack gekommen bin.
Ich riss mir den Arsch auf für das, was ich erreichen wollte, ließ nie nach und gab niemals auf. Falls unsere hübsche kleine Kellnerin dachte, eine kleine Abfuhr würde bei mir wirken, wusste sie nicht, mit wem sie es zu tun hatte.
Sie positionierte sich am anderen Ende des Tisches, so weit wie möglich von mir entfernt, und stellte zwei Bierkrüge ab. „Zweimal Freaky Nature. Wissen die Herren schon, was sie essen wollen?“
Langsam wusste ich es. Bei genauerer Betrachtung war sie nicht nur schön, sondern schien auch müde und erschöpft zu sein. Unter den Augen befanden sich leicht dunkle Schatten, doch mich faszinierte das glänzende braune Haar, dessen Pony ihr in die Stirn fiel. Schlanke Finger wischten ihn zur Seite und ich erhielt einen guten Blick auf ihre Augen. Wunderschöne mandelförmige, braune Augen, schokobraunes Haar und schimmernde rosa Lippen. Oh ja. Ich wusste genau, was ich essen wollte.
„Ich bin bereit“, sagte ich. Meine raue Stimme stellte meine Absichten klar.
Ihre Lider flatterten kurz und ich war wie erschlagen von der Tiefe in ihrem Blick. Sie war nicht einfach nur erschöpft und müde von einer harten Spätschicht. Diese Frau war fix und fertig. Es war so deutlich wie bei meiner Mom, als sie drei Jobs gehabt hatte, damit wir ein Dach über dem Kopf hatten und meine Football-Gebühren bezahlt werden konnten.
Plötzlich kam ich mir wie ein Arschloch vor, sie so zu bedrängen. Ich war nicht der Playboy oder der arrogante Sack, für den viele mich hielten. Ich arbeitete verdammt hart. Und ich war von zwei Frauen erzogen worden, die meinen Arsch zur Hölle und zurück treten würden, wenn ich eine Frau wie Dreck behandelte.
„Doppelter Cheeseburger ohne Fritten und einen Salat mit Joghurtdressing, bitte“, sagte ich und schob die Speisekarte in die Mitte des Tisches.
Ich hatte die Frau, Paige, nur geneckt. Ihren Namen kannte ich jetzt, weil er über ihrer linken Brust auf das T-Shirt gestickt war. „Und bevor die Blödmänner hier anfangen, sich über das Teilen der Rechnung zu streiten und dir sechsfach mehr Arbeit machen, geht heute alles auf mich.“
„Was ist denn mit dir los?“ Kolby lachte. „Du bist doch viel zu geizig, um für alle zu bezahlen.“
„Nicht geizig. Sparsam.“
Diese Diskussion hatten wir schon gehabt. Kolby hielt mich für einen Geizhals, bloß weil mir Klamotten scheißegal waren und ich mir kaum etwas Neues kaufte, es sei denn, es war wirklich nötig. Das ganze Team machte sich über meinen alten Ford Pick-up lustig, den ich schon seit der Highschool fuhr.
Warum zum Teufel sollte ich mir einen neuen Wagen kaufen, wenn der alte noch einwandfrei funktionierte?
Na gut, abgesehen von den seltsamen Spuckgeräuschen, die er in letzter Zeit von sich gab, aber das hatte mit dem Prinzip nichts zu tun. Ich war aus der Scheiße gekommen, hatte mich hocharbeiten müssen und wollte nie wieder in diese Lage geraten. Ein unglücklicher Tackle und meine Karriere mitsamt den Werbeverträgen könnte noch vor Weihnachten vorbei sein. Ich hatte alles so eingerichtet, dass ich den Rest meines Lebens sorgenfrei existieren konnte. Noch nie hatte ich es für notwendig befunden, Millionen für Villen und Sportwagen auszugeben, die futsch wären, sobald der Ruhm vorbei war. Kolby hatte das verstanden, obwohl er selbst in einer Villa wohnte, aber er musste auch für seine Tochter und seine Mutter sorgen. Er brauchte ein richtiges Zuhause.
Ich war zufrieden mit meinem Reihenhaus.
„Ich mache es Paige nur einfacher. Es ist voll hier und ich wollte nur helfen.“
Ich sah sie an. Ihr Mund öffnete sich, sie blinzelte und schüttelte dann den Kopf. Ihre Wangen glühten. Ein hübsches Rosa, das ich mir näher ansehen wollte, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt. Ich konnte sie jederzeit aufsuchen, wenn sie sich nicht gerade die Füße wund laufen musste.
„Bestellt schon, ihr Idioten.“ Ich klopfte mit den Fingerknöcheln auf den Tisch. „Wir müssen zum Meeting zurück.“
Während die Jungs bestellten, füllte ich ihre Gläser mit Bier. Als alle fertig waren, sammelte ich die Speisekarten ein und reichte sie Paige über den Tisch. Mein Arm war lang genug, dass sie sich nicht zu sehr strecken musste.
„Danke“, wisperte sie mit leicht glasigen Augen.
„Kein Problem. Meine Mom hat auch bedient, und ich weiß, was das für ein harter Job ist.“ Ich lächelte und hoffte, dass es ehrlich rüberkam, denn ich meinte es ernst.
Sie nahm die Speisekarten und blickte noch einmal in die Runde. „Noch irgendwas?“
Quinten öffnete den Mund.
Ehe er etwas sagen konnte, sprach ich. „Das war alles.“ Er war einer unserer besten Running Backs. Aber er war auch wählerisch ohne Ende. Ich malte mir aus, wie er sechs Sonderwünsche äußerte und alles zusätzlich verkomplizierte. Heute sollte er gefälligst mit dem zufrieden sein, was er bekam.
„Okay. Ich bringe alles, sowie es fertig ist.“
„Danke, Paige.“
Sie errötete noch mehr und schien auf ihr Namensschild zu schielen. Dann nickte sie und ging.
Kolby stieß mich an, so wie ich ihn vorhin. „Was zur Hölle …?“
„Was denn?“ Ich trank einen Schluck Bier. Verdammt gut. Ich liebte das Bier in Raleigh.
„Du warst so nett zu ihr.“
„Ich will ihr an die Wäsche, Alter. Da werde ich doch nicht unhöflich sein.“
Hinter mir hörte ich jemanden nach Luft schnappen.
Oh Scheiße.
Ich drehte mich um und natürlich stand ausgerechnet Paige hinter mir. In ihren braunen Augen schimmerte Wut und sie hatte einen Krug mit Eiswasser in der Hand. Sie hob besagte Hand, und ehe ich ausweichen oder irgendwie reagieren konnte, kippte sie mir das Wasser über den Kopf.
„Scheiße!“ Ich duckte mich und Eiswürfel kullerten über mich.
„Das kannst du vergessen, Arschloch.“ Sie wirbelte herum und stampfte wütend davon.
„Ahh, fuck!“ Mir war kalt, Eiswasser lief mir übers Gesicht, drang durch das T-Shirt und sammelte sich in meinem Schoß.
Im gesamten Lokal war es totenstill geworden.
Bis meine Teamkameraden in schallendes Gelächter ausbrachen, sodass ihnen Tränen über die Gesichter liefen.
„Leckt mich doch am Arsch.“ Ich schüttelte die Hände aus und bespritzte alle, die in meiner Nähe saßen. Dann lehnte ich mich vor und schüttelte mein Haar wie ein Hund, verteilte die Nässe überall in meiner näheren Umgebung und erhob mich.

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