Jameson Force Security Group: Codename: Rook

Originaltitel: Code Name: Rook
Übersetzer: Joy Fraser

Erschienen: 06/2021
Serie: Jameson Force Security Group
Teil der Serie: 6

Genre: Romantic Thrill
Zusätzlich: Contemporary

Location: USA, Pittsburgh


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-507-5
ebook: 978-3-86495-508-2

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Jameson Force Security Group: Codename: Rook


Inhaltsangabe

Ein hochqualifizierter Mitarbeiter für ein Unternehmen wie Jameson Force Security zu sein, ist eine aufregende und wichtige Arbeit für einen Ex-SEAL wie mich. Meinen Beruf halte ich jedoch unter Verschluss, denn einiges von dem, was wir tun, ist streng geheim, das meiste, was wir tun, ist gefährlich, und mehr als eine Frau hat versucht, sich an mich zu klammern, weil sie meinen Job noch aufregender fand als mich. Da ich eher ein One-Night-Stand-Typ bin, hat diese kleine Notlüge mir noch nie geschadet.

Bis jetzt. Denn ich habe eine umwerfende Frau getroffen und das Undenkbare getan: Ich habe sie geheiratet! Und nun glaubt meine ebenso schöne wie ahnungslose Frau, dass ich ein Gebrauchtwagenhändler bin.

Da Lügen bekanntermaßen kurze Beine haben, wird die Wahrheit ans Licht kommen, als Jaime unabsichtlich an einige zwielichtige Typen gerät und ich zusammen mit dem Team der Jameson Force Security eingreifen muss. Nun muss ich nicht nur meine Frau retten, sondern auch noch meine Ehe, denn es gibt nichts, was Jaime mehr hasst, als belogen zu werden.

Ich sage es mal so: Ich habe einiges zu erklären ...

Über die Autorin

Seit ihrem Debütroman "Off Sides" im Januar 2013, hat Sawyer Bennett mehr als 30 Bücher von New Adult bis Erotic Romance veröffentlicht und es wiederholt auf die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today geschafft.
Sawyer nutzt ihre Erfahrungen...

Weitere Teile der Jameson Force Security Group Serie

Leseprobe

Cage

Morgensex sollte langsam und köstlich sein. Zumindest war das bisher mit Jaime so. Schon dreimal.
Einmal war ich als Erster wach und streichelte sanft ihre Hüfte, um zu testen, ob sie schon wach ist. Meine Hand glitt zwischen ihre Beine, bearbeitete sie langsam, bis sie nass war, halb wach und schläfrig um mehr bittend.
Ein anderes Mal war ich mit Jaimes Mund um meinen Schwanz erwacht. Ich habe gedacht, ich hätte den besten Traum überhaupt, bis ich feststellte, dass es noch besser war als ein Traum. Sie hatte mich bis an die Grenze gebracht und sich dann auf mich...

...gesetzt, bis ich einen langsamen, aber heftigen Orgasmus hatte.
Heute Morgen scheinen wir beide voller Energie zu sein. Ich hocke auf dem Bett mit dem Hintern auf meinen Fersen und halte Jaime über den Rippen fest. Sie reitet meinen Schwanz und hat die Füße flach auf der Matratze. Sie bewegt sich auf und ab, und ich helfe ihr, damit es nicht zu anstrengend für sie wird. Ihr Blick ist wild … verschleiert und geht ins Leere. Um Atem ringend kann sie nicht viel mehr tun, als den Kopf zurücksinken zu lassen und zu stöhnen, während ich in sie hämmere.
„Fuck“, stöhne ich und spüre meinen Höhepunkt kommen. Ich möchte, dass sie langsamer wird, es länger ausdehnt, weil es sich so wunderbar anfühlt, aber ich will sie nicht stören. Sie ist so schön in ihrer Hingabe, das rote Haar fließt um sie herum und ihre Titten bewegen sich mit. Ich schaue nach unten und mich durchzuckt noch ein Lustblitz bei dem Anblick meines Schwanzes in ihrer Pussy. Meine Eier ziehen sich zusammen. Sie kam heute bereits durch meine Finger, aber ich will, dass sie noch einmal kommt.
Ich packe ihre Haare hinter ihrem Rücken und zwinge ihren Kopf nach oben. Ihr Blick ist immer noch verschleiert vor Lust und Begierde. „Sieh mich an, Jaime“, knurre ich.
Sie blinzelt einmal, zweimal, ändert aber ihren Rhythmus nicht. Sie krallt ihre Finger in meine Schultern.
„Komm schon, Baby, konzentrier dich“, dränge ich sie.
Sie lächelt, leckt sich über die Lippen und hält dann endlich meinen Blick. Ihre Worte, die sie bei jedem Stoß spricht, klingen betrunken.
„Fühlt sich so gut an. Will nicht aufhören.“
„Ich will, dass du noch mal kommst“, knirsche ich.
„Werde ich“, keucht sie und ihre Stirn berührt meine.
Ich spüre ihren Atem an meinen Lippen und da geschieht es. Fast auf Kommando versteift sie sich, als der Orgasmus sie gefangen nimmt. Ihre Pussy pulsiert um meinen Schwanz. Ich stoße die Hüften nach oben. Noch drei Stöße und ich komme mit ihr. „Fuck!“, rufe ich aus, als ich mich entlade.
Himmel, das ist so gut.
So verfickt gut.
Das Schönste, und es wird jedes Mal schöner.
Wer ist diese Frau und was macht sie mit mir?
Nachdem die letzte Welle vergangen ist, fallen wir seitlich aufs Bett und mein Schwanz rutscht aus ihr. Nase an Nase liegen wir uns gegenüber und lächeln uns benebelt an.
„War das auch nicht zu grob?“, frage ich.
„Gott, nein.“ Sie streckt und dehnt sich genüsslich wie eine Katze. „Das war fantastisch.“
„Gut.“ Ich küsse kurz ihre Lippen und weiche dann so weit zurück, dass ich sie ansehen kann. „Wie war dein Tag gestern?“
Vor neun habe ich es nicht zu ihr geschafft und es blieb keine Zeit für Gespräche. Sie hatte mir versaute Sachen geschrieben, sodass ich zum Ficken bereit war, sowie ich über ihre Schwelle getreten bin.
Ich habe ihr eine Halbwahrheit erzählt. Dass ich zu einem geschäftlichen Meeting musste. Der wahre Teil war, dass ich in der Firma mit Kynan und Rachel über das Sicherheitsseminar sprach, bei dem ich Rachel in ein paar Wochen helfen soll. Rachel nahm nur per Videoschaltung daran teil, da sie in Vegas ist.
Der gelogene Teil war, dass Jaime immer noch glaubt, dass das Meeting im Autohaus stattfand, denn ich habe ihr immer noch nicht die Wahrheit gesagt. Obwohl es wunderbar mit ihr ist, warte ich immer noch darauf, eines Tages aufzuwachen und festzustellen, dass es vorbei ist. Noch nie habe ich mich so lange mit ein und derselben Frau getroffen, noch nie so viel Energie in eine Person gesteckt, und ich traue mir selbst nicht, dass dies anhalten wird. Das entspricht einfach überhaupt nicht meinem Charakter.
Bis die Lüge über meinen Beruf mit meinem Moralempfinden so kollidiert, dass ich das Gefühl habe, es könnte Jaime schaden, belasse ich die Dinge, wie sie sind.
Jaime antwortet nicht auf meine Frage. Die hätte ich ihr gestern auch gestellt, falls wir vorher zusammen gegessen hätten. Ich höre ihr gern zu, wenn sie von der Arbeit spricht, die wichtig ist und oft lebensrettend. Wenn Jaime über meine Arbeit sprechen will, sage ich, dass es sie nur langweilen würde, oder dass es ein scheiß Tag war und ich lieber nicht darüber rede.
„Bist du in ein orgastisches Koma gefallen?“, necke ich sie, erfasse ihr Kinn mit zwei Fingern und schüttele leicht ihren Kopf.
Sie grinst und streckt sich erneut. „Entschuldige. Ich glaube, du hast mich gerade ein bisschen fertiggemacht. Auf die schönste Art natürlich.“
„Wir können es jederzeit so machen, wenn du willst“, verspreche ich ihr und lasse ihr Kinn los. Ich schiebe meinen Arm unter meinen Kopf. „Also, wie war die Arbeit gestern?“
Jaimes Ausdruck wird düster und sie senkt die Mundwinkel. „Nicht so gut.“
„Was ist passiert?“ Automatisch gleitet meine Hand an ihre Taille, um sie näher an mich zu ziehen und die Hand auf ihren Rücken zu legen. Meine Bewegungen führe ich tröstend aus.
„Eine Frau, die ich letzte Woche in einem Frauenhaus untergebracht habe, ist wieder gegangen. Wahrscheinlich zurück zu ihrem Schläger.“
Nie nennt Jaime die Männer, vor denen sie diese Frauen beschützt, Ehemann oder Freund. Es sind nur Schläger oder Missbrauchstäter. Für sie haben sie keine Menschlichkeit.
„Und?“ Diese Geschichte hat kein Happy End.
„Sie ist im Krankenhaus“, wispert Jaime und ihre Augen werden feucht.
Ich habe sie noch nie weinen sehen. Wir kennen uns zwar erst seit einer Woche, aber sie ist so ein glücklicher Mensch und Optimist. Es gab noch keine Situation, in der ich sie in Tränen aufgelöst sah. Die schlimme Seite ihrer Arbeit kenne ich nicht.
„Was ist passiert?“, frage ich.
„Er hat sie mit einem Schlagstock verprügelt.“ Jaime verzieht das Gesicht. „Sie hat Hirnblutungen und es sieht schlecht aus.“
„Wurde er verhaftet?“
Sie nickt. „Nur ein schwacher Trost, nicht wahr?“
Mit einem Arm ziehe ich sie an mich. Die andere Hand lege ich an ihren Hinterkopf, und ich drücke Jaime an meine Schulter, um sie fester halten zu können. Ich presse meine Lippen auf ihren Kopf. „Das tut mir sehr leid. Es muss dir das Herz brechen.“
Sie hebt den Kopf leicht und sieht mich an. „Das Herz zerbricht mir nicht“, sagt sie mit noch feuchten Augen. „Ich bin stinkwütend.“
Bei der Vehemenz in ihrer Stimme blinzele ich.
„Ich bin wütend, weil sie zu ihm zurückgegangen ist. Sie wusste genau, dass das passieren wird, aber sie liebt ihn trotzdem. Aber das ist doch keine Liebe, wenn du verstehst, was ich meine. Ein Mann kann doch keine Frau lieben und ihr so etwas antun. Es zeigt nur absolute Respektlosigkeit, was ich verabscheue. Das Schlimmste ist, dass sie wieder zu ihm gegangen ist, nachdem wir sie gerade in Sicherheit gebracht hatten.“
Ich ziehe langsam den Atem ein. „Ich kann mir vorstellen, dass es für manche Frauen schwer ist, diese Verbindung zu brechen. Sie haben Angst, es allein nicht zu schaffen, und finden, dass die Gewalt besser ist, als einsam zu sein.“
„Ja“, knurrt sie und schnaubt frustriert. „Ich weiß. Ich verstehe die Psychologie hinter der Opferhaltung. Das ist mein Fachgebiet. Aber ich ärgere mich trotzdem darüber.“
„Weil du gern hättest, dass jede Frau, der du hilfst, Erfolg hat.“
„Genau.“ Sie schmiegt sich eng an mich und spricht an meiner Brust. „Ich hatte nicht vor, meinen Scheiß bei dir abzuladen.“
„Du kannst jederzeit alles bei mir abladen“, versichere ich ihr. Doch innerlich quält mich ein schlechtes Gewissen. Werde ich wirklich immer für sie da sein? Und es hat bei mir einen Nerv getroffen, als sie von Respekt sprach. Zwar missbrauche ich Jaime nicht, aber ich zeige keinen Respekt, weil ich sie weiterhin anlüge.
Himmel noch mal, ich sollte ihr genau jetzt die Wahrheit sagen. Aber etwas in mir schlägt Alarm. Sie wird verletzt reagieren, ja. Doch ich nehme an, dass sie noch wütender sein wird, und ich bin noch nicht bereit, unsere Verbindung – was auch immer für eine es ist – jetzt schon loszulassen.
Gott, was bin ich nur für ein egoistischer Hund.
Ich gehe davon aus, dass wir nur eine lockere, unkomplizierte Freundschaft haben. Bisher haben wir noch nicht über Verpflichtungen oder Monogamie gesprochen. Allerdings würde ich durchdrehen, sollte sie sich noch mit einem anderen treffen wollen. Wir amüsieren uns zusammen. Haben Spaß. Nichts deutet auf mehr hin, als dass zwei Menschen gern zusammen sind und sich im Bett unglaublich gut verstehen.
Außer, dass ich ihr Leid spüren konnte bei der Geschichte über die Frau, die zu ihrem Schläger zurückgekehrt ist. Ich hatte das Bedürfnis, Jaime zu trösten.
Und verflucht … ich habe ihr diese Woche Blumen zur Arbeit geschickt. Aus keinem bestimmten Grund. Auf die Karte hatte ich geschrieben: Weil mir danach war. Denn sicherlich hätte sie sich sonst gefragt, warum zum Geier ich so etwas tue. Das gefiel ihr so gut, dass sie mich sofort anrief und davon schwärmte.
Jesus, ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Und bevor ich es weiß, werde ich auf keinen Fall mein Geheimnis verraten. Ich habe das Gefühl, dass Selbstschutz gerade meine Handlungen diktiert.
Jaimes Handy klingelt auf dem Nachttisch neben ihr. Sie lehnt sich zurück und tastet mit der Hand danach. Kurz schaut sie aufs Display.
„Hi, Brian. Was gibt’s?“
Ihr Bruder. Ich habe ihn noch nicht persönlich getroffen, so wie Laney, aber schon ein bisschen etwas über ihn von Jaime erfahren. Sie liebt ihn, aber er frustriert sie auch öfters. Bisher habe ich meine Meinung dazu noch nicht gesagt, denn viel hat sie nicht erzählt und es geht mich auch nichts an.
Jaime hört ihrem Bruder zu und ihr Lächeln, das sie vor dem Gespräch hatte, verblasst. Sie presst die Lippen zusammen und runzelt die Stirn.
„Ernsthaft, Brian?“, fragt sie, eindeutig skeptisch. Sie hört weiter zu und seufzt dann. „Wann kannst du vorbeikommen?“
Seine Antwort sorgt dafür, dass sie sich abrupt aufsetzt. „Okay, bleib wo du bist. Ich bin gleich bei dir.“
Jaime beendet das Gespräch, wirft das Handy auf den Nachttisch und steigt aus dem Bett. Sie zieht sich ihren Bademantel an und dreht sich zu mir um. „Mein Bruder Brian ist hier. Draußen im Flur. Ich bin gleich wieder da.“
Nicht viel Info, aber ich höre die Botschaft klar und deutlich. Sie will, dass ich hierbleibe, und ich harre hier aus.
Sie geht durch die Schlafzimmertür und schließt sie hinter sich. Ich widerstehe dem Drang, an die Tür zu gehen und zu lauschen. Ich höre Geräusche, sie reden leise miteinander, aber Jaime klingt verärgert.
Das Gespräch ist kurz. Nach ein paar Minuten kommt sie wieder ins Schlafzimmer. Obwohl ich es mir anders gewünscht hätte, zieht sie den Bademantel nicht aus, sondern setzt sich zu mir aufs Bett. Ihr Ausdruck sagt alles, was ich wissen muss. Der Besuch ihres Bruders regt sie auf.
„Willst du darüber reden?“, frage ich zögerlich.
Sie seufzt. „Mein Bruder brauchte Geld. Das ist nicht das erste Mal, und ich bin frustriert darüber, dass er nicht für sich selbst sorgen kann.“
Ich weiß, dass er bei den Eltern wohnt, aber nicht viel mehr. „Arbeitet er?“
Jaime schüttelt den Kopf. „Er bleibt nirgends lange.“
„Und wozu braucht er jetzt das Geld?“
„Keine Ahnung“, knurrt sie und legt sich neben mich auf den Rücken, faltet die Hände über dem Bauch und starrt an die Zimmerdecke. „Ich habe ihn direkt gefragt, ob es um Drogen geht, aber er schwört, dass es das nicht sei. Er habe nur ein Geldproblem beim letzten Job gehabt.“
„Was für ein Job?“
Jaime dreht mir den Kopf zu. Ihre Wangen sind leicht rosa. „Ich frage ihn nie nach Details. Ist es schlimm, dass ich es lieber nicht wissen will?“
„Nein.“ Ich lächele sie an. „Wenn es schlimm ist, willst du es lieber nicht wissen.“
Ich widerstehe dem Angebot, es für sie herausfinden zu können. Bei Jameson kann ich das leicht erledigen, aber dann würde ich meine Lüge aufdecken, und ich will ihr jetzt nicht erklären müssen, wieso ich in der Lage bin, Brian zu checken. Stattdessen sage ich: „Du kannst seine Bitte jederzeit ablehnen.“
„Ja, ich weiß“, murmelt sie mit saurem Gesichtsausdruck. „Ständig kritisiere ich meine Eltern, dass sie ihn zur Faulheit ermutigen, indem sie ihn kostenlos bei sich wohnen lassen, aber ich mache genau dasselbe.“
„Und warum tust du es?“
Sie wirkt besorgt. „Weil ich Angst habe, wenn ich es nicht tue, passieren ihm schlimme Sachen.“
Ohne Zweifel gehe ich davon aus, dass er in etwas Böses verstrickt ist. Wenn Jaime das schon spürt, vertraue ich ihrem Urteil. Ich entscheide, später Bodie eine Nachricht zu schicken, dass er einen Hintergrundcheck bei ihrem Bruder machen soll. Ich würde es selbst tun, aber ich habe nicht vor, Jaime den Rest des Wochenendes zu verlassen. Wir haben Pläne gemacht, es zusammen zu verbringen, und ich will gerade sonst nirgendwo hin.


Jaime

Meiner Meinung nach ist das Wochenende viel zu schnell vorbeigegangen. Als ich Cage noch nicht kannte, habe ich mich immer auf Montag gefreut, weil mir meine Arbeit wichtig ist. Ich liebe sie so sehr, dass es mir nicht unangenehm ist, ins Büro zu fahren und eine Woche zu beginnen, die genauso voller Konflikte und Herzschmerz sein wird wie voller Erfolge und Belohnungen.
Doch nach diesem Wochenende mit Cage will ich nicht, dass der Montag kommt. Ich wünsche mir noch einen Tag, weil es einfach so perfekt war.
Er hat eine Übernachtungstasche mitgebracht, wie wir es geplant hatten. Oder besser gesagt, wie er es geplant hatte. Am Samstag gingen wir zu einem späten Brunch in ein beliebtes Restaurant. Dann ins Warhol-Museum und dann aus Spaß ins Rivers Casino. Ich bin kein wirklicher Spieler und vorher erst ein Mal dort gewesen. Cage ist auch keine Spielernatur und war noch nie dort.
Am Abend kochten wir in meinem Apartment zusammen. Wir lachten und alberten herum, von einer Flasche Wein unterstützt, die wir tranken, während wir ein recht gutes Parmesanhuhn meisterten, aber einen kläglichen Versuch selbst gemachter Cannoli hinlegten.
„Ich nehme an, das ist das Ergebnis deiner irischen Herkunft und meiner aus den Südstaaten“, sagte Cage und verzog das Gesicht, als er die erste Cannolo probierte.
Die Füllung war fade und zu flüssig und die Hülle halb verbrannt.
Also zogen wir unsere Mäntel an und spazierten zwei Blocks die Straße entlang und holten uns den Nachtisch in einem Donut-Shop.
Die Nacht war ein weiterer magischer, verrückter und wilder Ritt der Lust mit Cage in meinem Bett. Mit ihm ist nichts immer dasselbe. Ich liebe seine einfallsreiche und versaute Art, aber er kann auch süß und zärtlich sein. Er ist der einzige Mann, mit dem ich je zusammen war – es waren in meinen sechsundzwanzig Jahren nicht allzu viele –, dessen einziges Ziel es ist, dass ich beim Sex zuerst komme, und dann noch ein zweites Mal, bevor er ebenfalls kommt. Im Bett ist er der Traum jeder Frau.
Der Sonntag diente der Entspannung. Wir machten uns ein gutes Frühstück, sahen uns ein Spiel der Steelers im Fernsehen an, und bestellten uns abends Pizza. Dazwischen machten wir viel miteinander herum, was natürlich zu einer Menge Sex führte.
Und jetzt ziehen wir uns für einen Ausflug an. Es ist eine sternenklare Nacht, doch die Lichter der Stadt vernichten diese Schönheit. Cage schlug vor, dass wir auf den Mount Washington fahren, der noch eine Sehenswürdigkeit Pittsburghs ist, die er noch nicht gesehen hat.
Ich kann den kommenden Schnee in der Luft riechen. Ich möchte wetten, wenn ich meine Wetter-App checke, wird sie Schnee für diese Nacht vorhersagen. Ich habe eine Thermoskanne mit heißem Kakao gefüllt, den ich mit Baileys aufgepeppt habe, um ihn auf dem Berg zu trinken. Wir stehen in der alten Seilbahn von 1877 und fahren Arm in Arm den Berg hinauf.
Es fühlt sich romantisch und besonders an und hat nichts mit dem wilden Sex zu tun, den wir vorhin noch hatten. Auch fühlt es sich bedeutsam an, dass wir dies als Abschluss an einem Sonntagabend tun, als Krönung des Wochenendes, bevor Cage nach Hause fährt, um seine Wäsche für den Start seiner Arbeitswoche zu machen.
Die Seilbahn bewegt sich mit nur zehn km/h und es kann für Menschen mit Höhenangst ungemütlich werden, doch der Nachtblick auf Pittsburgh und seine drei Flüsse ist meiner Meinung nach unvergleichlich. Die Stadt ist so schön, wen interessieren da schon die Sterne am Himmel?
Oben angekommen, steigen wir aus und gehen zur Aussichtsplattform. Um diese Zeit sind nur noch wenige andere Leute um uns.
Wir betrachten eine Weile die erleuchtete Stadt, die ihre Lichter auf die glatten Wasser der Flüsse wirft.
„Das nenne ich mal wunderschön“, sagt Cage bewundernd.
„Ich war schon zig Mal hier, aber es beeindruckt mich immer wieder“, antworte ich.
Er legt einen Arm um meine Schultern und zieht mich eng an sich. Es fühlt sich so natürlich an, den Kopf an seine Schulter zu legen und einfach nur dort zu stehen, schweigend, und keiner von uns hat das Bedürfnis, etwas sagen zu müssen.
Andere Besucher stellen sich neben uns. Wir gehen zu einer Bank, setzen uns und ich öffne die Thermoskanne. Nachdem ich den Becher gefüllt habe, teilen wir uns den Kakao und unterhalten uns dabei. Da Pittsburgh neu für Cage ist, stellt er mir ein paar Fragen. Er findet die Stahlindustrie interessant und ist fasziniert davon, dass mein Vater immer noch in einem Stahlwerk arbeitet. Was die Geschichte des Sports in Pittsburgh angeht, ist er gut informiert, da er Sport liebt. Wir führen eine hitzige Debatte über Eishockey.
Als Mann aus North Carolina steht er auf die Cold Fury, während ich natürlich ein Fan der Pittsburgh Titans bin. Wir machen locker aus, uns den Spielplan anzusehen, wann die Cold Fury wieder nach Pittsburgh kommen, und werden versuchen, Karten dafür zu bekommen.
Obwohl es zwischen uns in den letzten Tagen offensichtlich irgendwie geklickt hat, kommt es mir immer noch überraschend vor, dass wir über Verabredungen in der Zukunft reden. Noch hat mir Cage in keiner Weise gezeigt, dass er uns als mehr als nur eine Spaßbeziehung betrachtet.
Cage erzittert und reicht mir den Kakao zurück. „Sag mal, gewöhnt man sich irgendwann an diese Kälte? Dir scheint sie nichts auszumachen.“
Ich lache und gieße noch etwas Kakao in den Becher. „Nach sechsundzwanzig Jahren ist man wirklich daran gewöhnt. Hast du nie irgendwo gewohnt, wo es kalt ist?“
Cages Ausdruck bewölkt sich leicht und er schaut über die Stadt. Er spricht nicht oft über sich und ich habe ihn nie bedrängt. Manche Menschen öffnen sich nicht leicht und es hat mir nichts ausgemacht.
Zumindest nicht allzu viel.
„Vorher habe ich in Vegas gelebt“, sagt er schließlich. Mehr bietet er mir nicht an.
„Was hast du da gemacht?“
„Dasselbe wie hier.“ Er lächelt.
Ich nippe am Kakao und denke über seinen Beruf nach. Ich weiß nichts darüber, außer dass er bei einem Autohändler in McKeesport arbeitet, was südlich von Pittsburgh liegt. Er hat mir erzählt, dass er seinen Job nicht unbedingt mag, und ich bin nicht weiter in ihn gedrungen. In der kurzen Zeit, seit wir uns kennen, gab es so viele andere Themen.
Doch jetzt kann ich mir nicht helfen, ich muss einfach nachfragen. „Warum verkaufst du Autos, wenn das nicht deine Leidenschaft ist?“
Cages Blick ist auf die Stadtlichter gerichtet, während er über meine Frage nachdenkt. Als er mich ansieht, erkenne ich, dass er darauf keine klare Antwort geben kann.
„Nicht jeder hat das Glück, wie du seinen Beruf so sehr zu lieben. Ich würde sogar sagen, dass das den wenigsten passiert.“
„Aber das heißt ja nicht, dass du irgendwo bleiben musst, wo es dir nicht gefällt“, bohre ich weiter.
„Das habe ich auch nicht vor.“ Er nimmt den Becher von mir entgegen. „Es ist nur vorübergehend, bis ich hier Fuß gefasst habe.“
„Kann ich irgendwas für dich tun, um dir beim Fußfassen zu helfen?“
Das hätte ich nicht sagen sollen. Das bietet man nur jemandem an, mit dem man es extrem ernst meint, und so ernst ist es zwischen uns nicht.
Nicht wirklich.
Ich meine … ich mag ihn.
Mehr als jeden anderen Mann, mit dem ich ausgegangen bin. Das ist mir bewusst, weil mich immer ein Schauer überläuft, wenn er mich nur anlächelt, und weil ich Schmetterlinge im Bauch bekomme, wenn er mich liebevoll berührt. Ich könnte ihm stundenlang zuhören, weil alles, was er sagt, interessant und bedeutungsvoll ist, und er mir auch wirklich zuhört, wenn ich rede.
Er bringt mich zum Lachen.
Er macht Dinge mit meinem Körper, die ich nicht für möglich gehalten hätte.
Es sind erst zehn Tage, aber ich muss zugeben, dass ich hoffe, dass es mehr werden wird.
Wir teilen uns noch einen Becher heißen Kakao. Das Schweigen ist nicht peinlich. Wir sind ganz von dem schönen Ausblick eingenommen, und weil es kalt ist, kuscheln wir uns eng zusammen.
„Das ist leicht“, sagt Cage und durchbricht damit die Stille.
Ich lehne mich leicht zurück und blicke ihn von der Seite an. „Was meinst du damit?“
„Ich meine, mit dir zusammen zu sein, ist leicht.“
Hm. Ich bin nicht sicher, wie ich das auffassen soll. Er muss mir die Verwirrung ansehen, denn er lacht und gibt mir einen Kuss.
„Das war ein Kompliment. Irgendwie dachte ich immer, dass Dates eine Last sind, aber mit dir ist es alles andere als das.“
Ich runzele die Stirn und frage mich, wieso wir noch nie darüber gesprochen haben. „Hattest du vor mir keine Verabredungen? Dates?“ Ein lächerlicher Gedanke. Er ist zwei Jahre älter als ich. Mit achtundzwanzig hatte er sicher schon echte Beziehungen.
„Nicht wirklich“, gibt er zu.
„Aha“, sage ich grinsend. „Du bist also ein Playboy.“
Er erwidert das Grinsen nicht, sondern neigt leicht den Kopf zur Seite. „Würdest du das abstoßend finden? Dass ich noch nie vorhatte, meine Aufmerksamkeit auf nur eine Frau zu legen? Oder dass ich One-Night-Stands bevorzuge?“
„Warum tust du dann genau das Gegenteil von dem, was du eigentlich willst?“ Mein Herz zieht sich leicht zusammen. Als ob dies der unweigerliche Anfang unseres Endes wäre.
Cage zuckt mit den Schultern, legt seine Handschuhhand in meinen Nacken und drückt mich leicht. Ein stummer Befehl, mich nicht von ihm abzuwenden. „Ich habe keinen blassen Schimmer“, gesteht er. „Ich weiß nur, dass mit dir zusammen zu sein so mühelos ist, dass ich kein Interesse mehr daran habe, wie ich sonst immer meine freie Zeit mit Frauen verbracht habe.“
„Hilft es, wenn ich dir sage, dass ich genauso für dich fühle?“, wispere ich aus Angst, ihn damit vielleicht zu verschrecken. Er befindet sich ganz klar nicht in seinem Element und versucht sich an einer Beziehung, obwohl er dies noch nie getan hat.
„Ein bisschen“, antwortet er ernst. „Aber es macht mir auch eine scheiß Angst. Ich habe mich noch nie einer Frau verpflichtet. Das ist eine große Verantwortung und ich will es nicht vermasseln oder dir wehtun. Ich kann nicht versprechen, nicht irgendwann Panik zu bekommen und auszurasten. Denn auch wenn sich das hier mühelos anfühlt, gibt es auch einen Teil, der wie eine Bürde für mich ist.“
Autsch.
Das tut weh.
Doch ich weiß, dass Cage gerade hundertprozentig ehrlich zu mir ist. Und statt dass es mir Angst macht, fühle ich mich sicherer. Er gibt mir deutlich zu verstehen, dass ein Risiko besteht, wenn wir weitermachen, aber dass das, was wir haben, gut für uns beide ist.
Er hat definitiv eine hohe Risikobereitschaft.
Ich halte ihm meine behandschuhte Handfläche hin. Cage zögert nicht, nimmt seine aus meinem Nacken und legt sie auf meine. Wir schlingen die Finger zusammen. „Machen wir einfach so weiter wie bisher“, schlage ich vor. „Kein Druck. Genießen wir, was wir haben. Sollte es dich überfordern, werde ich vielleicht versuchen, dich zu überreden. Und wenn das nicht klappt, muss ich es eben unter tolles Erlebnis mit einem tollen Kerl verbuchen und abhaken.“
„Würdest du es wirklich so sehen können, wenn ich wegrennen würde?“ Ich erkenne Zweifel in seinem Blick.
„Wie könnte ich das nicht?“ Ich betrachte die Lichter der Stadt. „Ich sitze hier an einem romantischen Ort, führe eins der offensten Gespräche meines Lebens. Mit einem Mann, den ich respektiere, weil er mir ehrlich seine Gefühle sagt.“
In Cages Augen spiegeln sich Emotionen, die ich nicht recht deuten kann. Er schluckt schwer und nickt.
„Es ist ein Risiko“, fahre ich fort. „Ich bin mir über den Fallstrick bewusst, aber auch die potenzielle Belohnung. Ich glaube, ich bin in Spielerlaune.“
Cage lacht und neigt amüsiert den Kopf nach hinten, weil wir gestern im Casino waren und darüber sprachen, dass keiner von uns Spielen wirklich mag.
„Ich werde mitspielen“, sagt er. Er legt einen Arm um mich und zieht mich wieder an sich. „Also, was steht nächste Woche auf deinem Programm?“
„Ich muss zweimal in einer der Unterkünfte übernachten.“ Ich habe Cage bereits erzählt, dass ich ein paarmal im Monat in den Unterkünften freiwillig Dienst schiebe. So kann ich meine Klienten im Auge behalten. Und es hält mich geerdet und wachsam für das, was diese Frauen und Kinder durchmachen müssen, um zu entkommen. Es erfüllt mich.
„Dann werde ich die Abende, an denen ich auch arbeiten muss, mit deinen abstimmen“, antwortet er. „Es kann aber sein, dass ich noch an anderen Abenden arbeiten muss. Das werde ich morgen herausfinden.“
„Guter Plan.“ Doch ich kann nicht umhin, mich zu fragen, ob er sich so nicht eine Ausrede verschafft, falls ihm die Sache zu eng wird.
Ich hoffe sehr, dass dem nicht so ist, denn ich mag den Mann genug, um ohne Bedenken voll einzusteigen.

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