Eiskalte Rache - Herzklopfen und Leidenschaft

Erschienen: 06/2021

Genre: Contemporary Romance, Romantic Thrill
Zusätzlich: Western Romance

Location: USA, Montana


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-512-9
ebook: 978-3-86495-513-6

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Eiskalte Rache - Herzklopfen und Leidenschaft


Inhaltsangabe

Betty ist die beliebte, stets fröhliche Kellnerin im Restaurant Green Castle in Silver Hill, Montana. Als ihre beste Freundin vergewaltigt und ermordet aufgefunden wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Aus tiefer Trauer wird Hass, sie will das Verbrechen an ihrer Freundin rächen.

Mittels Handyfotos und Videos macht sich Betty auf die Suche nach dem Mörder.

Der ehemalige Soldat Dylan ist Stammgast im Restaurant Green Castle. Als die Kellnerin Betty auf eigene Faust den Mörder ihrer Freundin suchen will und sich dafür in Lebensgefahr begibt, muss er sich aus dem dunklen Schleier seiner schlimmen Erinnerungen kämpfen, um sie zu beschützen, denn der Mord hat anscheinend mit seiner Vergangenheit zu tun ...

Über die Autorin

Sara-Maria Lukas, Jahrgang 1962, sagt "Moin" statt "Guten Tag". Unter dem Pseudonym verbirgt sich eine gebürtige Bremerin, die seit vielen Jahren in einem klitzekleinen Dorf zwischen Elbe und Weser wohnt. Sie liebt das raue Klima der Nordseeküste nicht nur, wenn...

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Leseprobe

„Kannst du mich zu Kellers Werkstatt mitnehmen?“, fragte Betty, während sie ihre Jacke anzog.
Helena drehte den Kopf. „Klar, kein Problem. Hat dein Auto mal wieder versagt?“
Betty stöhnte. „Ja, es sprang gestern nicht mehr an. Sie mussten es auf einen Anhänger laden, um es in die Werkstatt zu bringen. Mein Dad hat mich heute Morgen hergefahren.“
Sie schlenderten zum Hintereingang, winkten Joshua in der Küche einen Abschiedsgruß zu und verließen das Gebäude.
Es nieselte und heftiger Wind blies um die Hausecke herum.
„Mein Wagen steht da hinten“, sagte Helena und zeigte nach rechts. Ausgerechnet bei so blödem Wetter...

...hatte sie ihren Kombi am äußersten Rand des Parkplatzes abgestellt.
„War hier vorne nichts frei?“, fragte Betty, zog fluchend die dünne Jeansjacke fest um ihren Oberkörper zusammen und klappte den Kragen hoch.
„Nein, als ich kam, war der Truck mit der Getränkelieferung da und blockierte sämtliche Parkplätze vor dem Eingang.“
Betty stöhnte bei einem Blick in den grauen Himmel. „Hat der liebe Gott vergessen, dass wir Frühling haben?“
Helena lachte. „Das Wetter richtet sich nicht nach deiner Kleidung, sondern deine Kleidung sollte sich nach dem Wetter richten.“
Sie liefen los und Betty verdrehte die Augen. „Du redest wie meine Mutter.“
„Ich bin eine Mutter, Schätzchen.“
Als sie endlich im Auto saßen, drehte Helena die Heizung voll auf, und kurz nachdem sie den Parkplatz verlassen hatten, blies bereits warme Luft durch die Belüftungsritzen.
Sie fuhren die Mainstreet entlang.
Trotz des miesen Wetters standen einige Farmer und Rinderzüchter vor dem Postoffice und unterhielten sich. Die kannten kein schlechtes Wetter, denn unter ihren Cowboyhüten war das Gesicht immer trocken. Typisch Montana, dachte Betty und erinnerte sich an eine Reise nach New York. Die Stadtmenschen dort hatten sich bei einsetzendem Nieselregen benommen, als ob faustgroße Hagelkörner vom Himmel gefallen wären. Jeff und sie hatten in einem Starbucks gesessen und sich köstlich darüber amüsiert, wie sich die Manhattaner Yuppies aus Angst, ein paar Wassertropfen abzubekommen, panisch unter die Dächer von Hauseingängen flüchteten oder sich die Aktentaschen über die Köpfe hielten. Drei Jahre war das schon her. Damals war sie mit Jeff noch glücklich gewesen.
Bis zur Werkstatt war es nicht weit.
In Silver Hill gab es genau zwei Adressen, um ein Auto reparieren zu lassen: eine für neuwertige Fahrzeuge und die Garage von Benjamin Keller am Stadtrand. Hier trafen sich Leute, die alte Autos fuhren, bei denen die Reparaturen nicht teuer sein sollten. Hier konnte man gebrauchte Ersatzteile aus Schrottautos suchen, wenn neue für den eigenen Geldbeutel zu teuer waren. Und zu Ben kamen die Jugendlichen, wenn sie ihren ersten Pick-up kaufen wollten, aber nur eine Handvoll Dollar zusammenkratzen konnten, denn bei ihm durfte man in Raten bezahlen und nach Feierabend selbst am geliebten Vehikel herumschrauben.
Ben Keller war bekannt dafür, Wunder zu vollbringen. In seiner Garage wurde jedes Auto wieder zum Leben erweckt, auch eins, das eigentlich nicht mehr zu reparieren war, wie Bettys uralter Kleinwagen.
Helena ließ sie vor dem großen Tor aussteigen und fuhr weiter.
Zum Glück hatte der Regen etwas nachgelassen und es nieselte nur noch, als Betty den Hof überquerte. Um die Werkstatt herum standen, neben Stapeln von Autoreifen, ausgebauten Türen und Motorhauben, unzählige fahrbereite oder halb auseinandergeschraubte Autos. Betty versuchte, die Werkstatt zu erreichen, ohne mit ihren dünnen Schuhen in eine Pfütze zu treten.
Vor der riesigen Halle, direkt neben dem hohen Einfahrtstor, stand ein ehemals weißer, jetzt rostfleckiger Bürocontainer mit großen Fenstern an der Längsseite. Drinnen war das grelle Neonlicht eingeschaltet, sodass Betty schon von Weitem den weißen Haarkranz erkannte, der Ben Kellers Halbglatze umgab. Er saß an einem Schreibtisch, auf dem sich jede Menge Papiere rund um einen geöffneten Laptop stapelten, und hielt ein Handy an sein Ohr. Als Betty sich näherte, bedeutete er ihr mit ausladenden Gesten, in Richtung Werkstatt weiterzugehen. Sie stöhnte genervt. Das konnte nur bedeuten, dass sich Dylan Wistler, Bens einziger Angestellter, um ihr Auto kümmerte, und dass es noch nicht fertig repariert war. Sie würde in der kalten Werkstatt warten müssen und dabei bis auf die Knochen durchfrieren. Außerdem würde sie sich langweilen, denn es wäre ein Wunder, wenn sich zwischen ihnen eine nette Plauderei entwickeln würde.
Der Typ mochte sie nicht. Zumindest fühlte es sich in seiner Gegenwart so für sie an. Egal, ob sie ihn im Restaurant bediente, was recht häufig vorkam, denn er war Stammgast, oder ob sie sich irgendwo anders begegneten, Dylan behandelte sie stets so herablassend, dass es in ihrem Magen vor lauter Wut brodelte. Der Typ war ein arroganter, dickfälliger, unhöflicher Chauvinist und vermutlich auch ein Verbrecher. Einige Leute erzählten, er hätte schon im Knast gesessen, andere behaupteten, er wäre ein Mörder, der aber mangels Beweisen freigesprochen worden wäre, und wieder andere sagten, er hätte als Soldat in Afghanistan seine Kameraden verraten.
Sicher war jedoch nur, dass Dylan Wistler ein unangenehmer Zeitgenosse ohne Freundeskreis war.
Betty bemühte sich stets, zu allen Kunden im Restaurant freundlich zu sein, auch zu ihm, egal was die Leute über ihn sagten. Doch er dankte es ihr nur mit mürrischer Einsilbigkeit und armseligen Trinkgeldern. Und nun musste sie ihm vermutlich auch noch dankbar dafür sein, dass er das Wunder vollbrachte, ihr schrottreifes Vehikel wieder zum Leben zu erwecken.
In der Mitte der Halle blieb sie stehen und sah sich um. Hinten links schepperte etwas, ihr Blick zuckte dorthin, und richtig, da stand ihr Auto mit geöffneter Motorhaube. Dylans beeindruckend breiter und kräftig wirkender Körper steckte in einem fleckigen Arbeitsoverall. Darunter trug er nur ein graues T-Shirt. Seine muskelbepackten und mit hässlichen Tattoos geschmückten Arme waren nackt. Und das bei der Kälte!
Er lehnte über dem Kotflügel und von seinem Kopf war nur das kurze schwarze Haar zu sehen.
Betty schlenderte näher. „Hi.“
Gefühlte Stunden später hob er kurz den Kopf und warf ihr einen Seitenblick zu. „Hi“, sagte er und
arbeitete sofort weiter.
„Was hat er denn?“, fragte Betty.
„Lichtmaschine“, murmelte er mit seinem tiefen Bass, ohne noch einmal den Kopf zu heben.
„Er hat aber nicht nur kein Licht gemacht. Er wollte gar nicht fahren.“
Sein Kopf zuckte hoch. Er starrte sie an, als wäre sie ein Tier im Zoo. Betty klimperte übertrieben mit den Wimpern und grinste breit. „Reingefallen. Sollte ein Witz sein. Ich bin gar nicht so blöd, wie ich aussehe.“
„Ha. Ha.“
Sein Gesicht verschwand wieder in den Innereien ihres Autos.
Oh Mann. Sie sollte die Scherze wohl lieber lassen. Dieser Kerl verstand keinen Spaß. Vermutlich kannte er nicht mal die Bedeutung des Wortes. Vielleicht stimmte es, was die Leute über ihn sagten, und er war wirklich ein entlassener Straftäter oder hatte in Guantanamo Gefangene gefoltert.
Unwillkürlich lief ihr ein fieser Schauer über den Rücken und sie zog die Jacke fester um ihren Oberkörper.
Dylan beachtete sie nicht. Er holte sich verschiedene Schlüssel aus seiner Werkzeugkiste und arbeitete in aller Ruhe weiter.
Ob das wohl noch lange dauerte? Sie könnte ihn ja fragen, aber der Drang, ihn anzusprechen, war ungefähr so ausgeprägt wie der Wunsch, mit einer Klobürste Small Talk zu halten.
Ihr Handy piepte. Sie holte es aus der Jackentasche. Auf dem Display leuchtete eine Textnachricht von Callie. Wo bleibst du?
Sie sah auf. „Ähm … wie lange brauchst du noch?“
„Gleich fertig.“
„Okay, dann gehe ich schon mal nach vorne ins Büro, um zu bezahlen. Du kannst ja vielleicht Bescheid …“
Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, ließ die Motorhaube zufallen und Betty wich unwillkürlich einen Schritt zurück.
„Ist schon bezahlt“, murmelte er, während er sein Werkzeug zusammenpackte. „Schlüssel steckt.“
„Was?“
Er drehte sich zu ihr um und kam einen Schritt näher. Sie musste zu ihm aufblicken und sah im Neonlicht der Werkstatt seine braunen Augen im unrasierten Gesicht blitzen. „Der Zündschlüssel steckt im Schloss“, sagte er betont langsam und überdeutlich, als hätte er es mit einem besonders dummen Exemplar eines Mitmenschen zu tun. „Du musst ihn nur umdrehen, dann kannst du losfahren und brauchst dich auch in Zukunft nicht um die Warnlichter im Cockpit zu kümmern, denn die Rechnungen zahlt ja Daddy. Da kommt es nicht darauf an, wie hoch sie werden.“
Was für eine Frechheit! Wie respektlos! Dieser arrogante Arsch! Sie stemmte die Fäuste in die Taille und zog stinksauer die Augenbrauen zusammen. „Wenn ich zu den Gästen im Restaurant so unfreundlich wäre wie du zu den Kunden dieser Werkstatt, wäre ich schon längst gefeuert worden“, zischte sie.
„Ich werde hier fürs Arbeiten bezahlt, nicht fürs Small-Talk-Halten.“
Er drehte sich um und schlenderte davon.

Ben schritt durch das große Tor in die Halle und kam auf sie zu. „Ist Bettys Auto fertig?“, fragte er mit Blick auf Dylan, der nickte und schon die Heckklappe eines anderen Wagens öffnete.
Ben näherte sich Betty. „Spätestens nächstes Jahr musst du über eine Neuanschaffung nachdenken, bei deiner Kiste ist nämlich der Boden fast durchgerostet. Noch mal schweißen geht nicht.“
Sie seufzte. „Ich weiß. Vermutlich werde ich dann auf den Luxus eines eigenen fahrbaren Untersatzes erst mal verzichten müssen, mein Sparschwein ist gerade ziemlich leer.“
„Ich dachte, du brauchst ein Auto, um zur Arbeit zu fahren?“
„Ab nächster Woche nicht mehr. Ich ziehe zusammen mit Callie White in eine Wohnung in der Arlington Street, gleich hinter dem Postoffice. Von da aus kann ich zu Fuß ins Green Castle laufen.“

Dylan hob das Reserverad aus dem Kofferraum, lehnte es an die Wand und wischte sich die Hände an einem alten Tuch ab. Gleichgültig sah er zu, wie die blonde Tussi aus dem Green Castle mit Ben noch einige Worte wechselte, dann in ihr Auto stieg, den Motor anließ und aus der Werkstatt fuhr.

„Ich bin den Rest des Tages unterwegs“, rief Ben und wandte sich Richtung Hallentür.
Dylan nickte und hob für ein knappes Winken die Hand. „Alles klar. Wenn ich hier die neuen Reifen aufgezogen habe, baue ich in Walters Kiste noch die Kupplung ein. Ich habe ihm versprochen, dass er den Wagen morgen früh zurückbekommt.“
„Das dauert doch Stunden!“
„Das Getriebe ist schon raus und ich habe heute sowieso nichts mehr vor.“
„Wie du meinst. Schließ ab, wenn du gehst.“
„Natürlich, mache ich doch immer.“
„Stimmt. Was rede ich …“ Ben stieg in sein Auto und Dylan schmunzelte.
Er mochte den alten Haudegen. Ben war viel mehr für ihn als nur ein Boss. Er hatte ihm den Job gegeben, ohne viele Fragen zu stellen, und war sofort damit einverstanden gewesen, dass Dylan seinen alten Trailer auf dem Gelände der Werkstatt abstellte, um darin zu wohnen. Ben war der Einzige im Ort, dem vollkommen egal war, was man über ihn, seine Werkstatt oder seinen Angestellten redete. Gäbe es bloß mehr Menschen dieser Sorte auf der Welt.
Dylan machte sich an die Arbeit, froh, auch den Rest des Tages beschäftigt und damit von seiner dunklen Gedankenwelt abgelenkt zu sein.
Das Motorengeräusch wurde leiser, als Ben den Hof verließ, und in der Halle breitete sich herrliche Stille aus. Dylan atmete tief durch. Der Job in der Werkstatt hatte ihm das Leben gerettet. Wenn Ben ihn vor vier Jahren nicht eingestellt hätte, wäre er inzwischen tot. Er hätte sich umgebracht, weil er die ständig kreisenden Gedanken in seinem Kopf nicht mehr ausgehalten hätte. Während der Schrauberei an den Autos fand sein Gehirn Ruhe, und das rettete ihn.
Natürlich quälten ihn die Erinnerungen in den Nächten weiter, und falls er doch mal einschlief, mutierten sie zu fiesen Albträumen. Sie verblassten nicht, sie würden nie verblassen. Sie würden bis zu seinem letzten Atemzug Bestandteil seines Lebens sein. Damit hatte er sich längst abgefunden.
Wenn er arbeitete, konnte er aufatmen; sobald er nichts mehr hatte, um sich abzulenken, stürzten die Bilder aus der Vergangenheit wieder auf ihn ein und machten ihm das Atmen schwer.
Die Nachrichten aus Afghanistan im Radio und Fernsehen und die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen über das, was dort tagtäglich geschah, verbitterten ihn zusätzlich. Er musste jeden Tag aufpassen, dass der Hass nicht die Schwelle der Selbstbeherrschung überschritt.
Bevor er angefangen hatte, in Bens Werkstatt zu arbeiten, war es ihm nicht gelungen, seine Wut zu beherrschen. Er hatte sich jeden Abend in Bars und Kneipen herumgetrieben, flaschenweise Whiskey getrunken und Streit gesucht, um sich mit Genuss zu prügeln. Das war nun, seit er bei Ben arbeitete und wohnte, vorbei. Allerdings ertrug er es weiterhin auf eine seltsame masochistisch anmutende Weise, von seinen ehemaligen Kameraden gestalkt zu werden. Er empfand die ständigen Anrufe und das Beschattetwerden fast als eine gerechte Strafe für seine Vergehen. Auch ihre wiederholten Versuche, ihm Verbrechen in die Schuhe zu schieben und Gerüchte über ihn zu verbreiten, ignorierte er. Mehrmals war er umgezogen, um vor ihnen Ruhe zu haben, doch sie tauchten stets nach einer Weile auch an den neuen Orten auf. Vielleicht hätte er seinen Namen ändern müssen, um wirklich untertauchen zu können.
Vor zwei Jahren hatten sie ihn in Silver Hill entdeckt. Aber von hier würden sie ihn nicht vertreiben. Er hatte von den Spielchen die Schnauze voll. Hier wollte er bleiben, egal, was den Arschlöchern einfiel, um ihre Rachegelüste zu stillen. Zum Glück hielt Ben zu ihm. Als der Sheriff zum ersten Mal in der Werkstatt auftauchte, weil eine junge Frau aus einem der Nachbarorte Dylan wegen angeblicher sexueller Belästigung angezeigt hatte, hatte Ben ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, ein Alibi gegeben.
Als Dylan sich hinterher bei ihm bedanken wollte, hatte Ben nur abgewunken. „Ich weiß, dass du nachts nicht in irgendwelchen Clubs unterwegs bist. Das konnte nur Bullshit sein.“
Wenig später beschuldigte man ihn, ein Auto aufgebrochen zu haben, und auch da gab Ben ihm das notwendige Alibi. Seitdem war Ruhe. Trügerische Ruhe, denn seine Ex-Kameraden warteten nur auf eine Gelegenheit, ihn erneut in Schwierigkeiten zu bringen. Dylan sah dem inzwischen gelassener entgegen. Der Job in der Werkstatt und die Freundschaft zu Ben hatten ihm geholfen, sich zu fangen und sich in seinem Leben einigermaßen einzurichten. Nachmittage wie dieser, wenn keine Leute da waren und er in Ruhe an einem Motor herumbasteln konnte, waren ihm die liebsten.
Sein Handy klingelte und er zog es aus der Hosentasche. Auf dem Display stand unbekannte Nummer. Also mal wieder einer der üblichen Drohanrufe. Er sollte sie ignorieren, doch das tat er nicht. Ja, vielleicht war es sogar so, dass er sich dem nicht entziehen wollte, er wollte die Anrufe als persönliche Strafe für sein Versagen während seiner Zeit als Soldat erdulden.
Er hielt sich das Handy ans Ohr. „Ja.“
„Wistler, du miese Ratte, wir haben dich im Visier. Nimm deine Aussagen zurück oder …“
„Was, oder?“
„Oder du schaufelst dir dein eigenes Grab. Unsere Geduld ist am Ende.“
„Ihr feigen Schweine traut euch doch nicht mal in meine Nähe.“
„Wir sind in deiner Nähe. Immer. Rechne jeden Moment mit unserem Besuch, Verräter.“
„Ich werde euch gebührend empfangen und wie räudige Kröten zertreten.“
Der Anrufer lachte. „Du kriegst vielleicht einen oder zwei, aber niemals uns alle. Vorher trifft dich die Kugel, die schon lange für dich reserviert ist.“
„Worauf wartet ihr noch? Kommt her! Ich bin alleine hier, es gibt keine Zeugen, ihr könnt mich jetzt abknallen. Die Adresse habt ihr ja … Oder nervt ihr mich etwa mit leeren Drohungen? Ich warte auf euch! Lasst es uns ein für alle Mal klären!“
Es klickte. Der Mistkäfer hatte aufgelegt. Wer aus der Truppe war es dieses Mal gewesen? Brian? Sam? Der Stimme nach hätte es auch Carl Harris höchstpersönlich gewesen sein können. Egal. Sie waren alle nur feige Hunde.
Wutschnaubend pfefferte er das Handy in seine Werkzeugkiste.
Hinter ihm war ein Geräusch zu hören.
Ohne nachzudenken, griff er nach dem erstbesten zur Verteidigung geeigneten Gegenstand in seinem Blickfeld. Es war ein schwerer Hammer, der auf der Werkbank lag. Er hob ihn über den Kopf und drehte sich um.
„Nein!“, kreischte eine helle Stimme und Schuhe klapperten auf dem Betonboden.
Die Kellnerin aus dem Green Castle starrte ihn aus tellergroßen Augen an und hielt abwehrend die Hände vor ihre Brust.
„Fuck! Was schleichst du hier herum?“, brüllte er, ließ den Arm sinken und warf den Hammer zurück auf die Werkbank, wo er mit einem dumpfen Knall landete.
Sie zuckte zusammen, trat hektisch einen Schritt nach hinten und knickte dabei um.
„Ich bin nicht geschlichen, ich bin ganz normal gegangen!“, fauchte sie.
„Was willst du?“
„Ich habe mein Telefon hier liegen gelassen.“
„Dann hol es und verschwinde!“ Er wendete sich ab und machte sich an die Arbeit, ohne das Weib noch länger zu beachten.

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